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"Maybrit Illner" "Kommen Sie doch alle nach Mecklenburg-Vorpommern": Eine Talkrunde im Urlaubsmodus

Talk-Gäste bei Illner
Maybrit Illners Gäste diskutieren über Urlaubsmöglichkeiten im Delta-Sommer
© ZDF / Jule Roehr
Wie steht's um den Urlaub? Und was geschieht mit den Kindern nach den Schulferien? Sind Impfungen für die Jüngeren überhaupt notwendig? Viele Fragen blieben in der Illner-Runde offen.

Ist es überhaupt erlaubt, einen Corona-Talk ohne Karl Lauterbach zu senden? Maybrit Illner macht's ausnahmsweise. Damit es aber keine Entzugserscheinungen gibt, sitzt Lauterbach im Anschluss zum x-ten Mal bei Markus Lanz. Zu besprechen gab es dort wie da das Übliche: Wie soll es denn weitergehen mit diesem Virus? Und mit uns? Wie riskant wird der Sommer? Wohin darf man reisen? Droht ein weiterer Lockdown?

"Alle fragen sich, wie lange geht es gut", sagt Manuela Schwesig. Helga Rübsamen-Schaeff hingegen glaubt, ganz genau zu wissen, was uns erwartet. "Warum soll Deutschland sich anders entwickeln als Großbritannien?" Lisa Federle wiederum hält nichts von Ländervergleichen, aber sehr viel davon, den Menschen "endlich wieder Zuversicht und Ausblick" zu geben. Wie gut also, dass Thomas Mertens Entwarnung geben kann: "Es gibt keine Hinweise, dass die Delta-Variante zu schwereren Krankheitsverläufen bei Kindern und Jugendlichen führt."

Zu Gast bei "Maybrit Illner" waren:

  • Lisa Federle, Ärztin und Pandemiebeauftragte des Landkreises Tübingen
  • Christian Lindner (FDP), Partei- und Fraktionsvorsitzender
  • Thomas Mertens, Vorsitzender Ständige Impfkommission (Stiko)
  • Helga Rübsamen-Schaeff, Virologin und Mitglied der Akademie der Wissenschaften "Leopoldina"
  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern

Debatte um Impfungen für Kinder

Bleiben wir erstmal bei den Kindern. Manuela Schwesig, die selbst schon in den Startlöchern steht, um ihren 14-Jährigen Sohn impfen zu lassen, fordert die Bundesregierung auf, bis zum 1. August eine Impfstrategie für Kinder vorzulegen. Christian Lindner spricht von seiner Unruhe in Bezug auf die Schulöffnungen nach den Ferien. Man müsse dringend Gas zu geben und im Herbst mobile Impfteams an die Schulen schicken.

Lisa Federle aber warnt eindringlich. Die Datenlage gebe nicht her, für Kinder eine Impfempfehlung auszusprechen: "Wenn es zu noch unbekannten Risiken kommen würde, dann machen wir uns an den Kindern schuldig." Man müsse ohnehin abwägen, wie relevant Impfungen in dieser Altersgruppe überhaupt seien, da schwere Verläufe und Todesfälle sehr selten auftreten würden.

Auch die Stiko sieht, wie Mertens per Vorab-Aufzeichnung erläutert, keine Veranlassung zu einer Impfstofffreigabe an Kinder. In der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen seien die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer zwar zugelassen, doch die Stiko werde "noch etwa drei bis vier Wochen brauchen, um auch die Ergebnisse zu erhalten, die jetzt gerade die Fragen möglicher Nebenwirkungen dieser Altersgruppe endgültig klärt".

Lindner für einheitliche EU-Reiseregeln

Wie nun steht's um den Urlaub? Die deutsche Regierung hat – neben Großbritannien und Russland – inzwischen auch Portugal zum Virusvariantengebiet erklärt. Weil sich die Delta-Variante rasch ausbreitet- auch in Deutschland sind 50 Prozent aller Infektionen Delta – könnten andere Länder folgen. Aber wer hat welche Regeln? Kennt sich da überhaupt noch irgendjemand aus? Quarantäne? Testen? Auch für doppelt Geimpfte?

Lindner drängt zu einheitlichen Lösungen innerhalb der EU. Zehn Tage Quarantäne finde er allerdings zu viel – ob das denn wissenschaftlich nötig sei? Die Frage geht an Helga Rübsamen-Schaeff, doch die äußert sich dazu nicht. Schließlich beschließt Lindner mitten in der Sendung: Zwei verpflichtende PCR-Tests und fünf Tage Quarantäne für Reiserückkehrer könnten eine europäische Lösung werden. Schwesig empfiehlt derweil, die Urlaube wie im vergangenen Jahr, in Deutschland zu machen: "Kommen Sie doch alle nach Mecklenburg-Vorpommern, bei uns ist es schön."

Wie gefährlich ist Delta?

Sorgen bereitet der Runde, dass einerseits die Grenzen der Akzeptanz für die Maßnahmen wohl bald erreicht seien und andererseits immer mehr Bundesbürger ihre Zweitimpfung verbummeln. "Wir müssen das Gefühl der Dringlichkeit aufrechterhalten", mahnt Lindner. Zudem sei eine kluge Teststrategie für den weiteren Verlauf "spielentscheidend". Ob man es für Ungeimpfte unangenehmer machen solle, will Illner zudem von ihm wissen. "Das ist nicht mein Menschenbild", so Lindner.

Da Geimpfte ohnehin weiterhin Überträger sein können, denn die Impfstoffe garantieren keine sterile Immunität, wäre ohnehin mal näher zu betrachten, wie Vorrechte gegenüber Ungeimpften zu begründen sind. Auch wäre mal nachzufragen, welches Ziel die Bundesregierung eigentlich gerade verfolgt, denn die Krankenhäuser stehen gerade sicher nicht vor einem Kollaps. "Sollten wir nicht mal die aktuellen Todeszahlen in den Blick nehmen", fragt Illner berechtigterweise – in der Runde gibt es dazu keine Rückmeldung.

Auch zu der Frage nach der Gefährlichkeit von Delta kommt keine zufriedenstellende Antwort. "Delta ist um 50 Prozent gefährlicher", erklärt Rübsamen-Schaeff. "Gefährlich bedeutet ansteckender?", meint Illner. Die Virologin bejaht. Lisa Federle erweist sich als die Einzige in der Runde, die auch andere "Baustellen" mit im Blick hat. "Ich kriege mit, wie es den Menschen geht, und ich höre von Studenten, dass sie Depressionen haben und an Suizid denken – auch das sind mögliche Todesopfer."

les

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