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Meuthen äußert sich Streit um Begriff "völkisch": Petry bekommt Gegenwind aus der eigenen Partei

Ärger um die "völkisch"-Forderung: Frauke Petry bekommt auch in der eigenen Partei kontra
Ärger um die "völkisch"-Forderung: Frauke Petry bekommt auch in der eigenen Partei kontra
© Bernd von Jutrczenka/DPA
Frauke Petry will den Begriff "völkisch" rehabilitieren. Der Vorschlag sorgt deutschlandweit für Aufregung. Offenbar teilt nicht jedes Mitglied der AfD-Führung Petrys Wunsch. Jörg Meuthen äußert eine klare Meinung.
Von Andreas Petzold

In der AfD-Führung gibt es keine Einigkeit über den Umgang mit dem Begriff "völkisch". Frauke Petry hatte in einem Interview mit der Welt am Sonntag verlangt, man müsse "daran arbeiten, dass dieser Begriff wieder positiv besetzt wird". Es sei eine "unzulässige Verkürzung", wenn gesagt werde "'völkisch' sei rassistisch." Wie es aussieht, kann die Parteichefin nicht alle Kollegen in der AfD-Führung davon überzeugen, an der Rehabilitierung jener Lieblingsvokabel der Nationalsozialisten "zu arbeiten", die nach allgemeinem Verständnis als Synonym für Rassismus, Ausgrenzung und extremeren Nationalismus gilt.

Zumindest Petrys Co-Parteichef Jörg Meuthen setzte sich heute Mittag deutlich von seiner parteiinternen Widersacherin ab. Auf der Berliner Konferenz "Denk ich an Deutschland", ausgerichtet von der Deutschen Bank und der FAZ, hatte sich der baden-württembergische AfD-Landeschef zu einem Schlagabtausch mit dem Grünen Anton Hofreiter, Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch und der stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Julia Klöckner eingefunden.

"Darüber müssen sie mit Frau Petry reden"

In der anschließenden Fragerunde erhob sich der Historiker Heinrich August Winkler, am Vorabend noch als Talkgast bei Maybritt Illner, im Publikum und wollte von Meuthen wissen, ob er denn, wie Frau Petry, ebenfalls für die Rehabilitierung des Begriffs "völkisch" sei? Der antwortete, ohne lange nachzudenken: "Die Vokabel 'völkisch' ist nicht rehabilitierbar, sie ist kontaminiert." Kurz war er dann doch versucht, zu relativieren: Er wisse schon, wie seine Kollegin das gemeint habe. Im übrigen "müssen sie mit Frau Petry darüber reden." Sich für nicht zuständig zu erklären ist nach wie vor das klassische Ausweichmuster der AfDler, wenn es zu eng wird.

Frauke Petry will "völkisch" positiv besetzen

Erkennbar war allerdings, dass Meuthen nicht für die Wiederbelebung nationalsozialistischer Idiome in Mithaftung genommen werden wollte. Die Szene, aufmerksam von circa 400 Gästen verfolgt, machte erneut den Zwist zwischen Meuthen und Petry deutlich. Es geht um nicht weniger als um die Ausrichtung der Partei im Wahlkampf 2017. Die Termini "völkisch" oder "Umvolkung" sind vor allem bei AfD-Parteigängern im Osten beliebte Kampfbegriffe, um zu unterstreichen, dass vor allein die AfD "das Volk" repräsentiert und weiß, was es angeblich will. Sie wissen Petry auf ihrer Seite, während Meuthen den bürgerlichen Kurs bevorzugt. Das Ende der Auseinandersetzung ist offen. Sicher ist nur: Fortsetzung folgt!

Jörg Meuthen
AfD-Co-Parteichef Jörg Meuthen (l.) bei der Berliner Konferenz "Denk ich an Deutschland": Den Begriff "völkisch" lehnt er ab.
© Picture Alliance

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