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Auswertung der Mitgliederbefragung: DEXIT, D-Mark, Frauendienst und keine Wölfe – was AfD-Mitglieder wirklich wollen

Dem stern liegt das Ergebnis der Mitgliederbefragung der AfD zur Europawahl vor. Die Basis gibt der Parteispitze darin klare Vorgaben für ihr Programm. Es geht unter anderem um Russland, die EU oder die Wehrpflicht, aber auch um Wölfe und Heilpraktiker.

AfD-Politiker Alexander Gauland und Jörg Meuthen haben von den Mitgliedern klare Vorgaben für die Europawahl bekommen

AfD-Politiker Alexander Gauland und Jörg Meuthen haben von den Mitgliedern klare Vorgaben für die Europawahl bekommen

DPA

Das AfD-Mitglied, ein noch immer unbekanntes Wesen? Einblick in seine politischen Wünsche gewährt eine Befragung der Mitglieder, die die Bundesgeschäftsstelle in den vergangenen Monaten durchgeführt hat. Die Ergebnisse sollen von der Bundesprogrammkommission in zwei Wochen ausgewertet werden. Dem stern liegen sie bereits jetzt vor.

Von den mehr als 32.000 AfD-Mitgliedern, die den Fragebogen per Mail oder Brief erhielten, beteiligten sich 6405 und damit rund 20 Prozent. Die Antworten auf die insgesamt 31 Fragen fielen meistens eindeutig aus. Sie sind für die rechte Partei von hoher Bedeutung: Die AfD versteht sich als basisdemokratisch und muss die Stimme ihrer Mitglieder entsprechend ernst nehmen.

Der stern fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

Um die Mitglieder in Schwung zu bringen, geht es in Frage eins gleich mal um die Entwicklungshilfe. Soll die nur noch fließen, wenn sich die Staaten verpflichten, Migranten zurückzunehmen? Die AfD sagt ja, sozusagen megamehrheitlich, 97 Prozent. Nur einmal wird die Zustimmung noch höher sein.

Die AfD gilt manchen als Putin-Partei, die Reisen ihrer Abgeordneten in das Land des Autokraten machten schon zu Zeiten der Ex-Vorsitzenden Frauke Petry Schlagzeilen. Bei aller politischen Nähe zum US-Präsidenten Donald Trump bestätigt die Basis nun den Russlandkurs: Frieden in Europa, sagen 19 von 20 Teilnehmern der Umfrage, gibt es nur mit den Russen. Sie wollen deshalb trotz der Krim-Annexion keine Sanktionen mehr gegen Russland.

Als die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer kürzlich ein Dienstjahr für alle in die Debatte brachte, folgte ihr die AfD. Sie ist lange schon dafür, die Wehrpflicht wieder einzusetzen. Nun fragte die Partei, ob dann auch Frauen eine Dienstpflicht im sozialen Bereich ableisten sollen. 72 Prozent der Mitglieder, die mitmachten, sind dafür.

In der Auswertung der Umfrage folgen dann Botschaften, die zu erwarten waren. Gesetzliche Vorkehrungen für die Wiedereinführung der "Deutschen Mark" treffen? Unbedingt, sagen 90 Prozent. Abschaffung der "Datenschutzgrundverordnung", die noch der Justizminister Heiko Maas einführte, ein Lieblingsfeind des AfD-Milieus? Wieder weg damit, sagen 89 Prozent.

Beim Thema Internet wird das AfD-Mitglied fast zum Piraten. Diese Partei kämpft ja für volle Freiheit im Netz, die AfD aber irgendwie auch, zumindest wenn die EU auf den Plan treten könnte: 94 Prozent der antwortenden Mitglieder lehnten Eingriffe der EU in die "Internetfreiheit" ab.

Bei den Leihmüttern hingegen ist die AfD-Basis nicht ganz so entschieden. Ist es richtig, dass die AfD gemäß der geltenden Rechtslage Leihmutterschaften weiterhin ablehnt? Da sagen 70 Prozent ja, 20 Prozent aber nein.

Zurück zu klaren Verhältnissen. Die Frage: "Soll die AfD künftig im EU-Parlament mit Parteien aus anderen EU-Staaten kooperieren, die ebenfalls die Islamisierung Europas verhindern wollten?" In dieser Frage steckt die Behauptung, es gebe eine Islamisierung Europas. Die Antwort ist entsprechend deutlich. 98,30 Prozent der antwortenden Mitglieder geben dem designierten Europa-Spitzenkandidaten Jörg Meuthen mit auf den Weg, sich mit den dort vertretenen Islamfeinden zusammen zu tun. Bei keiner Frage waren sich die AfD-Mitglieder so einig.

Sie lehnen Diesel-Fahrverbote ab, mit 92 Prozent. Sie halten die Inklusion in Deutschland für gescheitert und wollen die Förderschulen erhalten (97 Prozent). Aber mit den Wölfen ist das nicht ganz so eindeutig. Die Frage lautete: Passen Wölfe "schlecht in unsere gewachsene Kulturlandschaft" und sollen "wenn überhaupt", dann aber "räumlich und zahlenmäßig strikt begrenzt" werden? 71 Prozent sagen ja, wollen so etwas wie Ankunftszentren für Wölfe, die Raubtiere zumindest nicht überall herumlaufen haben. Aber immerhin 21 Prozent sind dagegen. Demnach ist jedes fünfte AfD-Mitglied so etwas wie ein Wolfsfreund.

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht am Rednerpult des Bundestages, auf das ein Sonnenstrahl trifft

Die Mitglieder sind auch Freunde der Heilpraktiker (die sollen weitermachen dürfen, sagen 72 Prozent). Sie sind keine Freunde des internationalen Pariser Klimaschutzabkommens. Da folgen sie nicht Putin, sondern Trump: 75 Prozent wollen aussteigen.

Und dann nochmal Europa, die EU, ganz generell: Wollen wir drin bleiben? Von wegen. 89 Prozent sagen, man solle einen DEXIT "als letzte Option" in das Wahlprogramm hineinschreiben. 84 Prozent wollen den EU-Austritt Deutschlands nicht als letzte Option, sondern überhaupt in das Europawahlprogramm aufnehmen.

Zu guter Letzt, da im Moment manch einer glaubt, der Politiker und Aufsichtsrat Friedrich Merz würde als CDU-Chef viele AfD-Wähler zur Union zurück holen: Ganz so sicher ist das wohl noch nicht. Merz strebt nämlich ausdrücklich eine Europäische Arbeitslosenversicherung an. Die AfD-Mitglieder überzeugt er damit nicht, im Gegenteil: 89 Prozent sind dagegen.

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