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Gauland-Eklat Erst mal hauen, dann mal schauen: Immer dieselbe AfD-Masche

Alexander Gauland hebt vor dem Logo der AfD beide Hände in die Höhe
Alexander Gauland nach Boateng-Eklat: Kenne mich mit Fußball gar nicht aus
© Ralf Hirschberger/DPA
AfD, die Nächste! Diesmal preschte Vize Alexander Gauland vor, beleidigte Jerome Boateng und ruderte dann zurück. Immer dieselbe Leier. Zeit, endlich zu realisieren, dass hinter den Provokationen keinerlei Substanz steckt.

Alexander Gauland war ganz knapp davor. Wäre Jérôme Boateng nicht der landauf, landab bekannte Fußball-Weltmeister, der AfD-Vize hätte sich womöglich noch dazu verstiegen, zu behaupten, dass er einen Boateng gar nicht kenne. So blieb ihm nur zu beteuern, dass er sich mit Fußball nicht auskennt. Mit Nachbarschaften offenbar auch nicht. Ein Rückzugsgefecht nach einem poltrigen Angriff.

Das hat man von der AfD schon so oft gesehen. Erstmal raushauen und schauen, was draus wird - das ist die allzu offensichtliche Taktik, ja Masche der Populisten. "Pointierte, teilweise provokante Aussagen" seien unerlässlich, um sich in den Medien Gehör zu verschaffen, macht AfD-Chefin Frauke Petry daraus bekanntlich auch keinen Hehl. Und so wird munter diffamiert, beleidigt und provoziert: Flüchtlinge sollte man notfalls mit Waffengewalt stoppen - nur ein "Maus-Abrutscher", Termin mit ZDF-Morgenmagazin platzt, Moderatorin Dunja Hayali wird flugs zur "Polit-Aktivistin" gemacht, die Kirchen verdienen Milliarden an der Flüchtlingskrise - wohl eine Reaktion auf die Ausladung vom Katholikentag oder nun eben Boateng, den man als Nationalspieler bejubelt, als Nachbar aber angeblich nicht haben - und dann eigentlich kaum kennen will.

AfD: Ein Muster, keine Substanz

Im Grunde ist das alles so offensichtlich, dass es langweilt. Vorurteile werden nachgeplappert, scheinbar einfache Lösungen in den Raum gestellt - und sich dabei auch noch frech der doch so gerne als Lügenpresse diffamierten Medien bedient. Substanz hat das alles nicht. Der Fall Boateng ist dafür ein erhellendes Beispiel. Für sein rassistisches Statement hat Gauland einen gebürtigen Berliner ausgesucht, Sohn einer deutschen Mutter, der in der deutschen Hauptstadt aufgewachsen ist und als Fußballspieler Deutschland vertritt. Ein klassisches Eigentor.

Die AfD handelt nach der Devise "Irgendwas bleibt immer hängen" - und leider verfängt das auch nicht selten.

"Irgendwas bleibt immer hängen" funktioniert aber auch andersrum. Deshalb, Ihr Fußballfans, Ihr Flüchtlingshelfer, gläubigen Christen und all jene, die die Masche der AfD durchschaut haben: Erinnert Euch, wenn Ihr bei der nächsten Wahl Euer Kreuz macht. Und bis es soweit ist, ein Beispiel an Jérôme Boateng nehmen. Der tut, was er auch auf dem Spielfeld tut: gelassen bleiben und den Gegner an sich abprallen lassen. "Ich bin froh Deutscher zu sein", sagte er. "Ich glaube, ich bin gut integriert, und mehr muss ich dazu auch nicht sagen."

Dazu noch eine Anleitung der ARD-Satiresendung "extra3":


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