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Amazonas-Synode: Zölibat und Frauen: Papst legt Schreiben vor

Im Vatikan tobt ein Richtungskampf. Nun stellt der Papst ein Schreiben vor, das auch über Wohl und Wehe des deutschen Synodalen Wegs entscheidet. Denn es geht um zwei der größten Streitthemen der katholischen Kirche.

Papst Franziskus

Lässt er verheiratete Männer in bestimmten Ausnahmen als Priester zu?: Papst Franziskus. Foto: Luca Zennaro/Pool/ANSA/epa/dpa

Papst Franziskus legt sein lange erwartetes Lehrschreiben zur Amazonas-Bischofssynode vor, bei der es auch um Streitthemen wie Zölibat und Frauen in der Kirche ging.

Das Dokument namens «Querida Amazonia» (Geliebtes Amazonien) wird heute in in Rom veröffentlicht. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob Franziskus verheiratete Männer in der abgelegenen Region und in bestimmten Ausnahmen als Priester zulässt.

Die Mehrheit der Teilnehmer bei dem Bischofstreffen im Oktober im Vatikan hatte sich dafür ausgesprochen, um den akuten Priestermangel in der lateinamerikanischen Regenwaldregion zu bekämpfen. Neben der Ehelosigkeit von Priestern soll es auch um die umstrittene Frauenfrage gehen.

Die Synode und das Schreiben werden als richtungsweisend für das Pontifikat von Franziskus gesehen: Öffnet er sich Reformen oder verschließt er sich diesen? Das Lehrschreiben wird auch Auswirkungen auf die Debatte über die Reformen der deutschen Kirche haben, die unter dem Namen Synodaler Weg laufen.

Erst am Dienstag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, seinen Rückzug angekündigt. Er wird sich am Mittwoch bei einer Pressekonferenz auch zu dem nachsynodalen Schreiben des Papstes äußern.

Über den Zölibat war ein Streit zwischen Konservativen und Modernisierern entbrannt. Verschließt sich Franziskus einer Öffnung, wird das viele Gläubige in Deutschland enttäuschen und Auswirkungen auf den Synodalen Weg haben. Denn bei dem Reformprozess soll es ebenfalls um die heiklen Themen Zölibat und Frauen gehen.

«Es hätte sicher eine gewisse Signalwirkung», sagte Norbert Bauer, Leiter der katholischen Karl-Rahner-Akademie in Köln, der Deutschen Presse-Agentur. «Ich verstehe aber die Aufregung nicht so ganz, denn auch wir hier in Deutschland haben ja schon vereinzelt verheiratete katholische Priester.» Dabei handele es sich um ehemals evangelische Pfarrer, die katholisch geworden seien. In England wiederum gebe es anglikanische Priester, die zur katholischen Kirche übergetreten seien.

Franziskus soll bei einem Besuch von US-Bischöfen bereits angedeutet haben, dass diejenigen enttäuscht würden, die sich Änderungen beim Thema Weihe für Frauen und für Verheiratete erhofften.

Die Ehelosigkeit von Priestern war auch Kern eines Skandals um einen Beitrag von Ex-Papst Benedikt XVI., der vor einer Aufweichung gewarnt hatte.

dpa