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Analyse zur Bundestagswahl: Wieso. Weshalb. Warum.

Warum hat die SPD nur so wenig hinzugewonnen? Welche Themen haben Angela Merkel zur Königin gemacht? Wo hat die AfD ihre Wähler rekrutiert? Die Wahlen aus Sicht des Demoskopen.

Ein Gastbeitrag von Manfred Güllner

Ihr gutes Wahlergebnis hat die Union vor allem Kanzlerin Angela Merkel zu verdanken. Die Regierungschefin hat auf einen konsensorientierten Wahlkampf gesetzt, in dem sie sich quasi als Präsidentenkanzlerin um die Sorgen der Menschen kümmert. Bei den Wählern kam dies an.

Zugleich honorierten sie, dass Merkel sich abgerackert hat, um das Land sicher durch die Euro-Krise zu manövrieren. Das übertünchte auch die Glaubwürdigkeitsdelle nach der abrupten Energiewende. Insgesamt hat dies der Union das beste Ergebnis seit der Einheitswahl 1990 beschert.

SPD muss sich erneuern

Dagegen ist die Lage der SPD weiter desaströs. Zwar konnte sie mit ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück leicht zulegen. Aber immer noch hat sie rund neun Millionen Wähler weniger als bei der Wahl 1998. Und ihr jetziges Ergebnis ist das zweitschlechteste seit 1949.

Am ehesten ist es mit der Niederlage der SPD von 1957 vergleichbar. Damals hatten die Sozialdemokraten zum dritten Mal hintereinander gegen Konrad Adenauer verloren, 1957 gewann der erste Kanzler der Bonner Republik sogar die absolute Mehrheit. Folge für die SPD: Sie erneuerte sich von Grund auf und gab sich das Godesberger Programm. Entsprechende Perspektiven und Schritte zur Erneuerung fehlen ihr heute.

Grüne haben falsche Themen gefeatured

Die Verluste der Linken bei der Wahl am Sonntag waren nach ihrem schlechten Abschneiden bei den vergangenen Landtagswahlen absehbar. Die Partei leidet darunter, dass ihre Ost-Wähler langsam aussterben und der Zustrom junger Wähler ausbleibt.

Die Grünen sind auf das Niveau ihrer Stammwählerschaft zurückgefallen. Ihnen hat unter anderem geschadet, dass sie sich nicht auf ihre Kerngebiete Umwelt, Frauen und Frieden konzentrierten, sondern eine Debatte um Steuererhöhungen entfacht haben.

AfD im rechtspopulistischen Milieu

Bei der FDP hat sich gerächt, dass sie ihre ungeliebte Führungsspitze nicht ausgetauscht hat. In allen Umfragen wie dem Politikerranking des sterns hat die Riege um Philipp Rösler, Rainer Brüderle und Guido Westerwelle regelmäßig die rote Karte gezeigt bekommen. Wenn man die rote Karte sieht und nicht vom Platz geht, muss man sich nicht wundern, wenn nun die ganze Partei des Feldes verwiesen wurde. Ihre enttäuschten Wähler sind überwiegend zur Union zurückgekehrt.

Der AfD gelang es, Wähler im rechtspopulistischen Milieu zu fischen, dort, wo einst schon der Republikaner-Chef Franz Schönhuber oder der Hamburger Richter Roland Schill erfolgreich waren. Besonders deutlich ist dies im Osten, wo die AfD der NPD viele Stimmen abjagte und so insgesamt dort auf sechs Prozent kam.

Unionswähler wollen Große Koalition

Jetzt sind eine große oder eine schwarz-grüne Koalition möglich. Die Wähler von SPD und Grünen würden ein Bündnis ihrer jeweiligen Partei mit der Union schnell akzeptieren. Doch bei den Unions-Wählern gibt es gegen Schwarz-Grün große Vorbehalte. Ihnen wäre eindeutig die große Koalition lieber.

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