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Interview der Bundeskanzlerin: "Leben in der DDR war manchmal fast bequem": Merkel wirbt um Geduld bei Wiedervereinigung

Angela Merkel spricht in der "Süddeutschen Zeitung" über den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung – und räumt ein, dass die Prozesse der Wiedervereinigung deutlich länger benötigen als einst erhofft.

Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht in einem Interview über die Wiedervereinigung

DPA

Die Wiedervereinigung nimmt nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich erhofft. "Bei manchem, von dem man gedacht hat, dass es sich zwischen Ost und West angleichen würde, sieht man heute, dass es doch eher ein halbes Jahrhundert oder länger dauert", sagte Merkel der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenende). "Nach zehn oder zwanzig Jahren hatte man die Hoffnung, dass es schneller geht. Aber dreißig Jahre haben schon etwas fast Endgültiges", meinte die aus dem Osten stammende 65-Jährige.

Der 30. Jahrestag des Mauerfalls wird nach Einschätzung der Kanzlerin intensiver diskutiert als frühere Jubiläen. "Außerdem wird es jetzt vielleicht auch deshalb intensiver empfunden, weil nationalistische und protektionistische Tendenzen weltweit zugenommen haben, so dass wieder mehr aus dem nationalen Blickwinkel diskutiert wird. Und da richtet sich der Blick dann auch verstärkt auf die Unterschiede, die es zwischen den alten und den neuen Bundesländern gibt", sagte Merkel.

Angela Merkel bittet um Geduld

Merkel warb um Geduld. "Auch die Mühen der Freiheit, alles entscheiden zu müssen, müssen gelernt werden", sagte sie. "Man muss sich viel mehr kümmern, das ist ja auch nicht allen in die Wiege gelegt. Das Leben in der DDR war manchmal auf eine bestimmte Art fast bequem, weil man manche Dinge einfach gar nicht beeinflussen konnte."

sw / dpa
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