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Neuer Parteichef Armin Laschet Mit der Bergmannsmarke des Vaters an die CDU-Spitze

Armin Laschet wird neuer CDU-Chef
Armin Laschet wird neuer CDU-Chef: "die Gesellschaft zusammenhalten"
© Odd Andersen/various sources / AFP
Armin Laschet hat auf Zusammenhalt gesetzt und konnte damit punkten: Er ist neuer CDU-Chef. Die eigentliche Bewährungsprobe steht ihm nun aber erst bevor.

Am Ende seiner Bewerbungsrede lehnte sich Armin Laschet locker ans Rednerpult und zog die Bergmannsmarke seines Vaters aus der Tasche. Als "Glücksbringer" habe dieser ihm die Marke mitgegeben und ihm gesagt: "Sag' den Leuten: Sie können dir vertrauen", verriet Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident. Die Mehrheit der Delegierten auf dem Digital-Parteitag der CDU vertraute ihm dann tatsächlich und wählte ihn am Samstag zum neuen Parteivorsitzenden.

Obwohl der 59-Jährige vor knapp einem Jahr nach dem angekündigten Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer vom Parteivorsitz zunächst als klarer Favorit galt, war sein Erfolg am Ende alles andere als selbstverständlich. Das Rennen zwischen ihm und seinen Mitbewerbern Friedrich Merz und Norbert Röttgen galt zuletzt als offen.     

Auf dem Parteitag setzte er sich in einer Stichwahl gegen den früheren Unionsfraktionschef Merz durch, ein Triumph war es allerdings nicht: 521 Delegierte votierten für Laschet, 466 für Merz. Im ersten Wahlgang hatte der Ex-Fraktionschef noch fünf Stimmen vor dem NRW-Ministerpräsidenten gelegen. Der frühere Bundesumweltminister Röttgen schied in der ersten Runde aus. Der Wahlsieg Laschets war auch ein Erfolg für den liberalen Flügel der CDU, für den der Rheinländer steht. Offensiv warb er dafür, den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel fortsetzen zu wollen. In seiner Bewerbungsrede präsentierte er sich als Mann des Ausgleichs.

Integrieren statt polarisieren

"Ich höre immer wieder den Satz: Man muss auch polarisieren können", sagte Laschet. "Ich sage: Nein, das muss man nicht. Polarisieren ist einfach, das kann jeder." Er wolle "integrieren, die Gesellschaft zusammenhalten".    

Merz hatte dagegen vor allem auf die Konservativen in der Union gesetzt, die sich womöglich auch einen gewissen Bruch mit der Ära Merkel wünschen. Auf dem Digital-Parteitag präsentierte er sich als der Kandidat mit Führungsqualitäten.     

Laschet dagegen sagte, die CDU brauche keinen "Vorstandsvorsitzenden, sondern einen Mannschaftskapitän". Das dürfte auch ein Seitenhieb auf Merz gewesen sein. Der NRW-Ministerpräsident war zudem von Anfang an mit Gesundheitsminister Jens Spahn im Team angetreten, der überraschenderweise am Samstag auch in einer Fragerunde auf dem Parteitag für Laschet warb. Ihm selbst nutzte dieser Auftritt offenbar nicht unbedingt: Bei der Wahl der Stellvertreter wurde er mit dem schlechtesten Ergebnis der fünf Bewerber gewählt.    

Die Position von Laschet könnte dieser Dämpfer für seinen Teampartner dagegen sogar gestärkt haben. Ob der frisch gewählte CDU-Chef deshalb auch als Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl im Herbst antritt, ist deshalb aber längst nicht ausgemacht. Laschet selbst hielt sich in dieser Frage bedeckt. Er werde im Frühjahr zusammen mit CSU-Chef Markus Söder dazu einen "gemeinsamen, guten Vorschlag" machen, sagte Laschet in der ARD. Bayerns Ministerpräsident wird seit Monaten als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt.     

Das Kanzleramt ist keine Illusion mehr

Wer am Ende als Spitzenkandidat ins Rennen geht, dürfte auch vom weiteren Agieren der Ministerpräsidenten im Kampf gegen die Corona-Pandemie abhängen. Schließlich hatte Laschet seine Favoritenrolle für den CDU-Vorsitz auch deshalb eingebüßt, weil sein Krisenmanagement in der Pandemie manchem gerade anfangs als zu zögerlich galt.

Neuer Parteichef Armin Laschet: Mit der Bergmannsmarke des Vaters an die CDU-Spitze

Doch Ehrgeiz und Geduld Laschets dürfte nach seinem Erfolg beim CDU-Parteitag nun keiner mehr unterschätzen. Auch in NRW galt der 59-Jährige lange nicht als Mann für höchste Ämter. So bewarb sich der frühere Journalist und Ex-Geschäftsführer eines Aachener Verlags 2010 noch vergeblich um den Fraktions- und Parteivorsitz  - im Kampf um die Parteispitze unterlag er damals ausgerechnet Röttgen.    

Nach dessen Niederlage bei der Landtagswahl 2012 rückte Laschet zum CDU-Landesvorsitzenden und stellvertretenden Bundesvorsitzenden auf. Seit 2017 ist der verheiratete Vater von drei Kindern Ministerpräsident. Nun ist das Kanzleramt zumindest keine Illusion mehr.

Carsten Hauptmeier/ikr AFP

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