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Berlin³ Armin, der Krampf geht weiter

Armin Laschet
Armin Laschet hat noch eine Frist gewährt bekommen, bei seinem immer verzweifelter wirkenden Kampf um das Kanzleramt
© Ina Fassbender / AFP
Nur mit größter Kraftanstrengung gelingt es dem CDU-Kanzlerkandidaten, sich im Spiel um die Macht zu halten. Doch seine Bemühungen wirken zusehends absurder.

Langsam gehen einem tatsächlich die Metaphern aus, um zu beschreiben, in welcher Lage Armin Laschet aktuell ist. Hängt er (Box-Metapher) schwer angeknockt in den Seilen und kann sich nur noch mit einem "lucky punch" retten? Das wäre nur dann richtig, wenn der CDU-Kanzleraspirant gegen einen Gegner kämpfte, CSU-Chef Markus Söder etwa, der ihm den Titel streitig machen wollte. Doch das stimmt so nicht. Es sind derer viel mehr. Und Laschet kann sie nur noch mit äußerster Kraft in Schach (Schach-Metapher) halten. Doch das stimmt ja auch nicht, denn das würde bedeuten, dass er seine Gegner unter Kontrolle hätte. Zumindest für diesen einen Moment. Aber das ist ein Trugschluss. Sie lassen ihn gewähren. Gerade so. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

Wiederwahl von Brinkhaus als Fraktionschef – ein Kompromiss für den Moment

Tag zwei nach der Bundestagswahl war wieder kein guter für Armin Laschet – obwohl er immer noch nicht ganz weg ist vom Fenster, was auch an diesem Tag wieder damit zu tun hatte, dass sich die Union ihr bescheidenes Quantum Machtoption nicht so mir nichts dir nichts aus der Hand nehmen lassen will. Man kann bei der Union gerade besichtigen, wie von allen Seiten das Wasser in den Keller läuft (Flut-Metapher), aber zur Schadensbegrenzung bestenfalls noch ein paar Handtücher zur Verfügung stehen. Und wie lange es noch Sinn hat, die auszuwringen, das ist nun wirklich eine gute Frage.

Nein, Tag zwei nach der Bundestagswahl war kein guter für Armin Laschet, aber er hatte das Glück, dass sich einige wichtige Unionspolitiker darauf einließen, einen Kompromiss für den Moment einzugehen. Um Zeit zu gewinnen. So durfte sich der bisherige Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus in seinem Amt bestätigen lassen, mit immerhin 85 Prozent der Stimmen – allerdings nur für ein halbes Jahr. Es ist ein Pyrrhussieg für Laschet, der ursprünglich diese Wahl verschieben wollte, nun aber in eine Variante einwilligen musste, die eine Hintertür vor allem für den Fall ermöglicht, dass er selbst schon bald als CDU-Chef nicht mehr zu halten ist. Ein möglicher Nachfolger hätte dann Ende April die Option, sich zum neuen Fraktionschef wählen zu lassen, um dann beide Ämter – Partei- und Fraktionschef - in einer Person zu vereinen.

Fridays for Future-Sprecherin Carla Reemtsma über Wahlergebnisse der BTW21

Gelingt Scholz die Ampelkoalition, hat Laschet nichts mehr zu melden

Nein, Tag zwei nach der Wahl war ganz und gar kein guter Tag für Armin Laschet, denn die Argumente, warum er neunter Kanzler der Bundesrepublik werden sollte, überzeugen ganz offenkundig auch in den eigenen Reihen immer weniger. CSU-Chef Söder gab den Ton der Skeptiker schon am Nachmittag vor, in dem er darauf verwies, dass es wichtig sei, ein Wahlergebnis auch zu respektieren. Söder erklärte es zur Stilfrage, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zum Wahlsieg zu gratulieren. Übersetzt heißt das: Schafft es Scholz, aus der Position des Wahlsiegers eine Ampelkoalition zustande zu bringen, hat Laschet nichts mehr zu melden. Die Union ist da, wo sie nach dem Wahlergebnis auch hingehört: Zunächst mal an Platz zwei. Ralph Brinkhaus verbreitete zwar nach der Wahl immerhin noch ein wenig Resthoffnung – es gehe nun darum, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren. Aber sein Fraktionsvize, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, konterte das postwendend. Ob diese Gesprächsbereitschaft angenommen werde, hänge nicht an der Union.

Armin Laschet hat noch eine Frist gewährt bekommen, bei seinem immer verzweifelter wirkenden Kampf um das Kanzleramt. Wahrscheinlich ist er immer noch im Tunnel. Aber eigentlich müsste auch er merken, dass er sich mit seinen Bemühungen beständig der Absurditätsgrenze nähert.

yks

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