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Im bayerischen Landtag: Er blieb einfach sitzen: AfD-Abgeordneter sorgt für Eklat bei Lübcke-Gedenkakt

Im bayerischen Landtag wird dem ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gedacht. Dafür bittet die Landtagspräsidentin Ilse Aigner alle Anwesenden, sich zu erheben. Nur der AfD-Abgeordnete Ralph Müller bleibt sitzen.


Eklat bei Sitzung : Sehen Sie hier die Gedenkminute im Bayerischen Landtag

Wenige Stunden, nachdem bekannt wurde, dass der Rechtsextremist Stephan E. den Mord an dem Regierungspräsident von Kassel, Walter Lübcke, gestanden hatte, gedachte der Landtag in Bayern dem toten CDU-Politiker in einem kurzen Gedenkakt. Dafür bat die Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) die im Saal anwesenden Politiker, sich zu erheben.

Die Sitzung wurde aufgezeichnet und live im Internet gezeigt. Die Szene können Sie hier sehen. Ein Ausschnitt aus dem Video zeigt, dass sich bei der Gedenkminute alle erheben – bis auf einen: Vorne in der ersten Reihe bleibt der AfD-Abgeordnete Ralph Müller sitzen. Dies verbreitete unter anderem auch der FDP-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Martin Hagen, auf Twitter.

Müller sieht sich zu Unrecht beschuldigt

Müller schien dabei während der Ansprache von Aigner in seine Unterlagen vor ihm vertieft gewesen zu sein. Außer für Lübcke rief die Landtagspräsidentin zum Gedenken an einen weiteren Politiker und Kollegen auf, nämlich den bayerischen SPD-Politiker Horst Hase, der im Bayerischen Landtag und im Bundestag Mitglied war. Kurz nach Beginn der Ansprache zu Haase erhob sich dann auch Müller von seinem Sitz. Nachdem der rund zweieinhalbminütige Gedenkakt vorbei war, setzte sich Müller – wie alle anderen auch – wieder hin und blickte erneut in seine Unterlagen.

Der bayerische AfD-Abgeordnete Ralph Müller

Der bayerische AfD-Abgeordnete Ralph Müller

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Martin Hagen kommentierte dazu auf Twitter: "Expliziter kann man seine Gesinnung wohl kaum zur Schau tragen. Mir ist schlecht." CDU-Generalsekretär Markus Blume sagte: "Diese AfD und ihre Vertreter sind eine Schande für den bayerischen Landtag." Landtagspräsidentin Aigner ermahnte Müller "dringend" dazu, sich zu entschuldigen. Es handle sich um ein Fehlverhalten.

Müller hatte schon in vergangenen Sitzungen mit provokanten Äußerungen Ärger bei anderen Fraktionen hervorgerufen. Der AfD-Politiker fühle sich laut Zeitung zu Unrecht kritisiert: "Diese moralingetränkte Hexenjagd weise ich zurück, weil sie auch nicht angebracht ist", sagte Müller laut der Nachrichtenagentur DPA. Er sei "nur ein paar Sekunden" sitzengeblieben, weil er einen Text gelesen habe. Er sehe in dem Verhalten keine Schuld. Laut eigener Aussage habe er Lübcke sehr wohl geehrte und achte ihn mit Respekt. Müller entschuldigte sich allerdings nach der vielfachen Kritik im Verlauf der Plenarsitzung, berichtet AFP.

Die Afd hat sich im Ludwigshafener Stadtrat selbst aus dem Hauptausschuss gewählt
rw / DPA / AFP