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Meinung

"Sie müssen mich nicht anschreien!": BBC-Interview mit Beatrix von Storch eskaliert – danach geht's auf Twitter weiter

Sie haben lange kein gutes Interview mehr gesehen? Dann sollten sie diesen Schlagabtausch zwischen BBC-Moderatorin Emily Maitlis und AfD-Politikerin Beatrix von Storch nicht verpassen.

AfD-Politikerin Beatrix von Storch

Im BBC-Interview redete sich AfD-Politikerin Beatrix von Storch richtig in Rage

+++ Dieser Text ist ein Meinungsbeitrag. +++

Dieses Interview hat wirklich alles, was ein amüsantes Gespräch braucht: eine hartnäckige und gut informierte Journalistin, schlechtes Englisch (Lothar Matthäus lässt grüßen), eine beleidigte AfD-Politikerin und einen sehenswerten Abspann auf Twitter. Mehr geht eigentlich nicht. Für alle, die das Video noch nicht gesehen haben: Zurücklehnen, Popcorn in den Mund und genießen. (Spoiler: So richtig spannend wird es in den letzten zwei Minuten.)

Für all diejenigen, die keine Lust oder Zeit haben, das Interview zu gucken, fassen wir im Folgenden das Geschehene in wenigen Absätzen zusammen. Den Startschuss für dieses Gespräch hat kein Geringerer als Donald J. Trump gegeben (wir haben ja gesagt, es wird eine gute Geschichte). Am 18. Juni vermeldet Donald Trump, dass sich das deutsche Volk gerade gegen seine Regierung erhebe. Der Grund: der flüchtlingsbedingte Anstieg von Gewalt.

Dass das großer Quatsch ist, wurde in der deutschen Presse ausgiebig erklärt. Doch das sollte die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch natürlich nicht davon abhalten ein weiteres Mal auf ihrer Maus auszurutschen und den Trump-Tweet zu verbreiten. 

Thema des Interviews? Natürlich die deutsche Einwanderungspolitik

Vorhang auf für die renommierte BBC. Von Storchs Retweet war für den britischen TV-Sender Grund genug, ein Videointerview mit der AfD-Abgeordneten zu führen. Am 20. Juni war es dann so weit: Beatrix von Storch betrat die Bühne. In der Nachrichtensendung "BBC Newsnight" standen sich via Videoschaltung Beatrix von Storch und die Journalistin Emily Maitlis gegenüber. Thema des Sechs-Minuten-Gesprächs war (leider das einzige Thema, über das mit der AfD geredet wird): die deutsche Einwanderungspolitik.

Ruhiger Start, doch dann wird's ruppig

Wer sich auf eine hitzige Debatte gefreut hatte, wird in den ersten Minuten des Interviews enttäuscht. Fast staatsmännisch erklärt die AfD-Politikerin, dass illegale Flüchtlinge aus Deutschland ausgewiesen werden müssen. Das besage das Gesetz. Und damit hat sie natürlich Recht. Sogar auf die Frage, ob Flüchtlinge notfalls mit Gewalt aus dem Land geschafft werden müssten, antwortet von Storch noch besonnen: "Natürlich sollten die freiwillig gehen. Aber wenn sie das nicht machen, müssen wir sie zwingen zu gehen. Das ist klar." Die AfD zitiert das deutsche Gesetz, auch das ist noch kein Aufreger. Dank des von-Storch-Kuschelkurses plätschert das Interview bis zur vierten Minute so vor sich hin. Doch dann geht's los.

"That's rubbish!"

Es braucht US-Präsident Donald Trump, um das Gespräch zu eskalieren. Moderation Emily Maitlis greift den weiter oben bereits angesprochen Tweet von Trump auf und fragt: "Sie haben kürzlich Donald Trump, der gesagt hat: 'Die Kriminalität in Deutschland steigt stark an', retweetet. Sie wissen schon, dass das faktisch falsch ist, oder?" Daraufhin von Storch in Rage: "Das ist nur Müll. Sorry, dass ich das so deutlich sagen muss. Sie vergleichen nur absolute Zahlen." Fahrraddiebstähle seien vielleicht zurückgegangen, so die AfD-Abgeordnete, aber die echten Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung und "Verbrechen gegen die Gesundheit von Menschen" ("crimes against the health of people") seien dagegen massiv angestiegen. Endlich gewinnt das Gespräch an Fahrt. Das scheint auch die schmunzelnde Moderation zu freuen. Den Schlagabtausch sieht man in diesem Video:

Dann, als die BBC-Journalistin zum zweiten Mal darauf hinweist, dass Deutschland aktuell doch aber die niedrigste Kriminalitätsrate seit 1992 habe, hält Beatrix von Storch nichts mehr: "Sie hören mir einfach nicht zu! (...) Sie müssen mich nicht anschreien, wenn Sie ein Interview machen! Es ist einfach falsch!" Dann ist das Gespräch vorbei. Doch wer jetzt denkt, das sei es schon gewesen, der sollte noch sitzen bleiben und sich den Abspann angucken. Auf Twitter ging es im Anschluss nämlich noch weiter. 

Die AfD-Politikerin war offensichtlich so mitgenommen von dem Gespräch, dass sie auf Twitter nochmal nachlegte und gegen Journalistin Emily Maitlis austeilte.

Dort schreibt sie, dass die BBC-Redakteurin sie mit ihren "hysterischen Fragen" angebrüllt habe und sie ihre Gesprächspartnerin deshalb darum bitten musste, nicht so "rumzuschreien". Die Reaktionen zahlreicher Twitter-User ließen nicht lange auf sich warten. Ende der Vorstellung.

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