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Berlin³: Grünen-Chef über Trump Robert Habeck, der grüne Amateur

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen
Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen
© Kay Nietfeld / DPA
Trump ein Klima-Ignorant? Geschenkt. Das wussten wir schon. Grünen-Chef Robert Habeck hat ihn nun in Davos zum "Gegner" erklärt. Ein Fehler, meint stern-Haupstadtreporter Axel Vornbäumen.

Robert Habeck ist auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nach der Rede von US-Präsident Donald Trump für den Instagram-Auftritt des ZDF per Handy interviewt worden. Mit Verlaub: So sieht das auch aus. Für 2.18 Minuten ist der verwuschelte Grünen-Chef zu besichtigen, wie er sich - leicht verwackelt –  immer mehr in Rage redet über den in Klimafragen ignoranten US-Präsidenten. Was zu Anfang noch "völlig daneben" ist, wird Sekunden später zur "schlechtesten Rede, die ich in meinem Leben gehört habe", und gipfelt in der Erkenntnis: "Er ist der Gegner." Man kann sich das jederzeit auf Twitter anschauen, bekanntlich Trumps Lieblingsmedium – der Hashtag: "#habeck".

Robert Habeck wirkt nicht professionell

Habeck hat sich hinreißen lassen. Er wirkt in seiner Fassungslosigkeit authentisch, ein bisschen wie ein Zeuge, der auf der Autobahn gerade eine Massenkarambolage miterlebt hat und diese, noch unter Schock, schildert. Die Handy-Aufnahme unterstreicht diese Erstreaktionsauthentizität in ihrer ganzen Wackeligkeit auch noch. Man kann sagen: Habeck ist aufgewühlt. Alles muss raus. Und vermutlich spricht er seinen Anhängern in diesen 2 Minuten und 18 Sekunden aus tiefster Seele. Gut so? Wie man's nimmt.

Wie Habeck allerdings nicht wirkt – wie ein Kanzlerkandidat, wie einer also, der in gar nicht so ferner Zeit von Amts wegen mit diesem als "selbstherrlich" und "ignorant" titulierten Präsidenten zu tun haben könnte. Mit Trump – dem "Gegner". Ist das unklug? Ja, das ist es. Habeck wirkt nicht professionell. Es wäre aber besser gewesen, er hätte so gewirkt.

Das Netz vergisst nichts. Alles kann bei Bedarf noch Jahre später an die Oberfläche geholt und gegen einen verwendet werden. Dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinen Zeiten als Außenminister Trump mal einen "Hassprediger" genannt hat, ist ja auch noch in Erinnerung.  

Er ist jetzt im Abwehrkampf

Robert Habeck hat mittlerweile eine Flughöhe erreicht, in der die Luft dünner geworden ist und das gesprochene Wort gut überlegt sein will.  Man kann das beklagen, aber dann sollte man besser nicht nach Macht streben. Man nennt das übrigens Politik. Es ist die Kunst, in schwierigen Situationen Haltung zu wahren – allerdings in jeder Richtung. Von solchen Lernprozessen können auch die Grünen berichten. Zwischen Joschka Fischers "Mit Verlaub Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch" gegenüber Bundestagspräsident Richard Stücklen und seiner Ernennung zum deutschen Außenminister lagen immerhin 14 Jahre. So viel Zeit hat Habeck nicht.

Er ist jetzt im Abwehrkampf. Das hätte er sich ersparen können. Die Reaktionen  – vom CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen bis zu US-Botschafter Richard Grenell – zeigen, wie bereitwillig andere auf den Shooting-Star der Grünen einteufeln, gerade weil er als ernsthafter Kontrahent wahrgenommen wird. Die transatlantische Freundschaft wird dazu gerne genommen. Habeck muss sich nun des Vorwurfs erwehren, er setze sie aufs Spiel. Das mag reflexhaft erscheinen. Es hat aber noch immer dazu gelangt, jemanden in die Defensive zu drängen.

Und so lautet das Fazit nach dem Auftakt in Davos lautet: Trump ist so selbstherrlich aufgetreten wie erwartet. Habeck völlig überraschend wie ein Amateur. Ein grüner Amateur.

fs

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