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"Clubhouse"-Fauxpas Bodo Ramelow, das Ministerpräsidentchen

Bodo Ramelow - ein Mann mit Brille und dunkelblondem Seitenscheitel -  spricht vor einer blauen Wand in ein Mikro des MDR
Sehen Sie im Video: Ministerpräsident Ramelow entschuldigt sich für Sprüche bei "Clubhouse".




Nur wenige Tage nach dem Beginn des Hypes um die Talk-App Clubhouse in Deutschland hat sich bereits der erste Spitzenpolitiker mit lockeren Plaudereien in Bedrängnis gebracht: Bodo Ramelow.  Der technik- und medienaffine Ministerpräsident von Thüringen nutzt gerne verschiedene Kanäle für seine Kommunikation. Jetzt also auch die Audio-App Clubhouse, den neuesten Hit. In der App können sich die Nutzer an Talkrunden beteiligen. Ramelow ist der App zufolge seit dem 21. Januar angemeldet, in der Nacht zu Samstag nahm er, wie er der dpa sagte, an der Talkrunde "Trash und Feuilleton" teil - und plauderte aus dem vielzitierten Nähkästchen. So erzählte der Linke-Politiker, dass er sich während der Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Corona-Krise gerne dem Onlinespiel Candy Crush widme. Zudem soll er bei seinem Auftritt gesungen und die Kanzlerin als "Merkelchen" bezeichnet haben. Letzteres sei aus dem Kontext gerissen worden, sagte der Linken-Politiker der dpa. Auf das Geplauder folgten zahlreiche spitze Medienberichte, politische Kritik und der Vorwurf, dass der Ministerpräsident bei den wichtigsten Beratungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie nicht verantwortungsvoll agiere.  Bei einem erneuten Auftritt bei Clubhouse am Sonntag sprach Ramelow von einer Lernkurve bei der Nutuzung. Die Analyse eines Mediendienstes, dass der Feind stets mithöre, habe er nun hinsichtlich der App verinnerlicht. Ganz explizit entschuldigte er sich für die Formulierung "Merkelchen": "Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung.
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Er hat "Merkelchen" gesagt, er hat "Merkelchen" gesagt! Viel Aufregung um Bodo Ramelows missglückten Auftritt bei "Clubhouse". Respektlosigkeit soll unter Politikern weiß Gott schon vorgekommen sein. Das ist aber nicht der Punkt.

"Ach, komm! Was soll's?", möchte man sagen. Bodo Ramelow hat sich auf "Clubhouse" ordentlich blamiert. Er hat die Bundeskanzlerin "Merkelchen" genannt, das ist als Ministerpräsident von Thüringen einigermaßen dämlich; Majestätsbeleidigung gibt's in der Demokratie aber Gott sei Dank und zu Recht nicht. Für seinen "Akt männlicher Ignoranz" hat er sich öffentlich entschuldigt und hat nun eine äußerst unangenehme nächste Begegnung mit Angela Merkel vor sich. Die hat er sich redlich verdient. Und damit Schwamm drüber! Wir haben schließlich die sprichwörtlich anderen Probleme.

Aber dann fällt einem doch ein: War es nicht eben jener Bodo Ramelow, der noch vor Kurzem bei "Lanz" im ZDF zugegeben hat, die Wucht der Corona-Pandemie falsch eingeschätzt zu haben - trotz aller Warnungen?! Hatte er da nicht - Hundeblick tragend - gesagt, die Kanzlerin hätte unter anderen ihn eindringlich vor schlimmen Infektionszahlen gewarnt, und nun habe sich "bitter" erwiesen: "Die Kanzlerin hatte recht! Und ich hatte unrecht!" Gar nicht so dumm, dieses "Merkelchen", scheint's.

Bodo Ramelow: "Feind hört immer mit"

Mit seinem Geständnis hatte der Linken-Politiker sogar noch Anerkennung geerntet. Doch nun hören wir von ihm selbst via "Clubhouse", dass er während der langen Corona-Sitzungen mit dem "Merkelchen" gerne mal "Candy Crush" daddelt. Und da drängt sich dann doch die Frage auf, was denn Angehörige von Corona-Opfern, was Ärzte und Pfleger auf Intensivstationen, was Betriebs- und Laden-Inhaber in Existenzangst und all' die anderen, die unter dem Virus und/oder den Folgen der Pandemie leiden, denken sollen von einem verantwortlichen Politiker, der in den derzeit mit Abstand wichtigsten Verhandlungen sich nicht in der Lage sieht, bei der Sache zu bleiben?! Der - man mag es sich nicht vorstellen - womöglich wegen der Daddelei die ein oder andere Information verpasst hat, die in letzter Konsequenz vielleicht sogar Leben gerettet hätte?! Das wäre allerdings "bitter"!

Fürs Candy-Crush-Spielen hat sich Ramelow nicht entschuldigt. Stattdessen ließ er wissen, dass er etwas gelernt habe. Nämlich, dass auf der neuen, stark gehypten Social-Audio-Plattform "Clubhouse", auf der man sich in thematischen "Gesprächsräumen" trifft, der Feind immer mithört. Eine Äußerung, die nichts besser macht und auch nicht davon zeugt, dass da etwas gelernt wurde. Nicht nur der Feind hört mit, sondern auch der Freund und die Freundin, Verhandlungspartner:innen, Interessenvertreter:innen, Wähler und Wählerinnen hören mit. Sie alle ziehen ihre Schlüsse. Und im Übrigen wäre nichts besser, hätte "der Feind" nicht mitgehört - außer für Ramelow, der hätte jetzt Ruhe.

Der Spott ging nach hinten los

Bodo Ramelow weiß das alles natürlich selbst. Vermutlich gibt es genügend andere Politiker:innen, die heute froh sind, dass es sie nicht selbst erwischt hat. Trotzdem hat Ramelow sich und seinem Amt geschadet. Er wollte das "Merkelchen" verspotten, doch das ging nach hinten los. Zurück bleibt ein "Ministerpräsidentchen".


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