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Bundestagswahl 2021 "Linksrutsch verhindert": Wie sich die Union ein historisches Debakel schönredet

Markus Söder (l.) und Armin Laschet müssen sich ein schlechtes Ergebnis schönreden
Markus Söder (l.) und Armin Laschet müssen sich ein schlechtes Ergebnis schönreden
© Sebastian Gollnow / AFP
Die Union hat das schlimmste Ergebnis ihrer Historie eingefahren. Schönreden von schlechten Ergebnissen ist zwar unter Politikern nichts Neues. Was sich die Union dieses Mal zurechtgelegt hatte, war allerdings besonders hanebüchen.

Es sind noch nicht alle Stimmzettel ausgewertet, aber fest steht: Die Union hat bei dieser Bundestagswahl das schlechteste Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik eingefahren. Weniger als 25 Prozent der Deutschen haben voraussichtlich ihr Kreuz bei CDU oder CSU gemacht. Das ist, und das muss man so deutlich sagen, ein Debakel für die Partei, die in der deutschen Politik so etwas ist wie im deutschen Fußball der FC Bayern.

Aber über das eigene Versagen reden Wenige gern und so flüchten sich führende Unionspolitiker in teils abstruse Versuche, sich dieses Wahlergebnis schönzureden. Es sei ja viel über "das Modell Rot-Rot-Grün" gesprochen worden in letzter Zeit, begann CSU-Chef Markus Söder in der Berliner Runde auf das schlechte Ergebnis der Union angesprochen. "Und dieses Modell hat heute eine Klatsche bekommen und das ist auch eine Klatsche für Olaf Scholz." Der habe das Modell ja bevorzugt.

So so. Die Chuzpe muss man erstmal an den Tag legen. Da fährt man zwei Bundestagswahlen in Folge das schlechteste Ergebnis der eigenen Geschichte ein. Und dann stellt man sich vor die TV-Kameras, kreiert ein Modell, das es so auf Bundesebene noch nie gab, nur um diesem Modell dann eine angebliche Abstrafung anzudichten. Dabei ist klar: Wenn die Wählerinnen und Wähler eine Partei abgestraft haben, dann die Union.

Union sieht ein Wahlziel erreicht 

Aber das will dort niemand so sagen. Schon Alexander Dobrindt verstieg sich kurz nach 18 Uhr zu der waghalsigen These, man habe das Ziel erreicht, einen "Linksrutsch in diesem Land zu verhindern". Puh. Auch Dobrindts CSU-Kollege Markus Blume verkündete, dieses "erklärte Wahlziel" sei erreicht. Die Linken schaffen es womöglich nicht mal in den nächsten Bundestag, für sie zählt buchstäblich jede Stimme. Den konkreten Einfluss der Union auf diesen Zustand möge mal jemand darlegen.

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Die Union sieht sich als Volkspartei. Am Wahlabend macht sie sich jedoch selbst kleiner als sie ist. Statt zu eigenen Versäumnissen zu stehen und darüber zu reden, was man daraus lernen könnte, sucht man sich in der schwärzesten Stunde der Parteihistorie jemanden, dem es noch schlechter geht, um nach unten zu treten. Es ist ein Armutszeugnis für die Partei, die zweimal in der Geschichte der Republik 16 Jahre am Stück den Kanzler und die Kanzlerin gestellt hat. 

Und überhaupt: Einen Linksrutsch verhindern? Wirklich? Da sei der Blick nach Sachsen empfohlen. Dort ist die rechtsnationale AfD stärkste Kraft im Bundesland geworden. Und zwar mit Abstand, vor Union und SPD. Die Gefahr von links scheint da eher überschaubar.


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