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Nachwuchsprobleme Zu dick, zu pazifistisch, nicht deutsch: Jeder zweite Schulabgänger für Bundeswehr ungeeignet

Bundeswehr-Soldat bei der Gefechtsausbildung
Bundeswehr-Soldat bei der Gefechtsausbildung
© Axel Heimken / DPA
Die Bundeswehr hat möglicherweise noch größere Nachwuchsprobleme als bisher bekannt. Interne Papiere zeigen, dass jeder zweite Schulabgänger nicht für den Militärdienst taugt.

Dass die Bundeswehr händeringend Nachwuchs sucht, ist bekannt. Doch offenbar ist die Situation noch schwieriger als bisher gedacht. Laut internen Papieren aus dem Verteidigungsministerium, aus denen die "Bild am Sonntag" zitiert, könnte sich die Personalnot bald noch weiter zuspitzen. Demnach rechnet das Haus von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) damit, dass im Jahr 2020 von 760.000 Schulabgängern nur die Hälfte überhaupt für die Armee geeignet sei. Der Rest habe entweder keinen deutschen Pass, sei körperlich nicht fit genug oder lehne das Militär grundsätzlich ab.

In der internen Prognose geht das Verteidigungsministerium allein von 160.000 "uniformaversen" Frauen und 95.000 "uniformaversen" Männern aus. 90.000 Schulabgängern fehle es an der deutschen Staatsbürgerschaft. Und 27.000 junge Menschen seien mit einem Body-Mass-Index über 30 schlicht zu dick. Von den übrig bleibenden 388.000 Kandidaten müsste die Bundeswehr 22 Prozent (85.000 Menschen) überzeugen, sich zu bewerben, um den Personalbedarf zu decken.

Immer mehr Minderjährige - und bald auch Ausländer?

Auf das Personalproblem will laut "Bild am Sonntag" in der kommenden Woche auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD) in seinem Jahresbericht hinweisen. "Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt, ohne Konzept, wie man ansonsten den Personalbedarf deckt", sagte Bartels der Zeitung. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums zeigte sich dagegen zufrieden mit dem Bewerberaufkommen. Man sei auf einem guten Weg.

Tatsächlich versucht die Bundeswehr schon jetzt einiges, um gerade junge Bewerber zu ködern. Auf Kanälen wie Youtube wirbt sie mit aufwendigen Kampagnen um Rekruten. Gänzlich unerfolgreich ist das offenbar nicht: Die Zahl der minderjährigen Soldaten ist in den letzten Jahren stetig gestiegen.

Zudem würde Verteidigungsministerin von der Leyen die Bundeswehr gerne auch für EU-Ausländer öffnen, um Personallücken zu stopfen. Im Auge hat die Ministerin Medienberichten zufolge dabei vor allem Rumänen, Polen und Italiener, die in Deutschland leben. Vor allem Hochqualifizierte wie Ärzte oder IT-Spezialisten würde die Bundeswehr so gerne für sich gewinnen.

Quelle: Bild am Sonntag 

Diese Slogans lesen sich wie Auszüge aus Videospiel-Rezensionen: "Multiplayer at its best!" "Mehr Open World geht nicht!" Tatsächlich handelt es sich bei den Plakaten um Werbung der Bundeswehr. Die Truppe wirbt auf der weltgrößten Spielemesse Gamescom und im Großraum Köln um neue Rekruten. Doch viele Twitter-Nutzer empfinden die Werbeaktion als geschmacklos. Andere Nutzer verstehen die Aufregung um die Plakate nicht. Laut Bundeswehr sollen die Plakate dem Betrachter einen Denkanstoß geben. "So wie andere Arbeitgeber auch wollen wir dort mit IT-affinen jungen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen die beruflichen Chancen bei der Bundeswehr nahebringen", sagte ein Sprecher der Bundeswehr in Köln dazu am Donnerstag. 2017 betont der Standleiter der Bundeswehr noch, dass man versuche, "eine klare Trennung zwischen Ego-Shootern und der Bundeswehr herzustellen." Die diesjährige Plakataktion lässt vermuten, dass dieser Vorsatz inzwischen der Vergangenheit angehört.
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