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CDU-Bezirksparteitag Balsam für Schavans Seele


Raus aus der Defensive, auf zur Attacke: Bildungsministerin Schavan hat bei der Parteibasis den Plagiatsärger einmal abschütteln dürfen. Doch irgendwie holt sie das Ganze dann doch immer wieder ein.

Auf dem gelben Pappschild steht "Dr. Schavan". Das ist aber auch erstmal das Einzige, was irgendwie an den Doktortitel und den Plagiatsstreit erinnert, der um Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) tobt. Der Besuch in ihrem Heimatbezirk Württemberg-Hohenzollern am Samstag ist Balsam für die Seele der Ministerin.

Keiner der Delegierten dort nimmt das Wort Plagiat direkt in den Mund. Die CDU-Basis beim Bezirksparteitag in Münsingen klatscht noch etwas länger und lauter als sonst. Und stärkt Schavan so den Rücken. Schließlich schicken sie ihre Ministerin mit zwei nagelneuen, knallroten Boxhandschuhen zurück in den "Titel-Kampf".

"Es ist schön, heute hier zu sein", sagt Schavan. Auch sie selbst geht mit keiner Silbe auf die Diskussionen um ihre Doktorarbeit ein. Die Ministerin nutzt den Besuch in ihrem CDU-Heimatbezirk vor allem zur Kontaktpflege - sie schüttelt Hände, bleibt hier und da zum Small Talk stehen, umarmt den einen oder anderen.

"Wir stehen hinter Dir"

Und doch lässt sich nicht ausblenden, dass sich die Universität Düsseldorf im Moment mit Vorwürfen beschäftigt, die Ministerin habe in ihrer Doktorarbeit vor 32 Jahren absichtlich getäuscht. "Wir stehen hinter Dir", versichert Bezirksparteichef Thomas Bareiß dann auch gleich bei der Begrüßung. Als er Schavan die Boxhandschuhe schenkt, sagt Bareiß: "Du stehst ja gerade im Ring, Du musst gerade ein bisschen kämpfen." Schavan lächelt. Später philosophieren einige beim Parteitag, ob es ein freudiges oder ein gequältes Lächeln war.

In ihrer CDU-Heimat ist Schavan schon länger nicht mehr unumstritten. Vor allem ihr Eintreten für die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems haben ihr einige in Württemberg übelgenommen. In ihrem Wahlkreis in Ulm und im Alb-Donau-Kreis wurde zudem immer wieder Kritik daran laut, dass sich die Ministerin zu wenig Zeit für die Arbeit vor Ort nehme. Vor der Bundestagswahl 2009 hatte sie schon hart darum kämpfen müssen, überhaupt als Spitzenkandidatin im Wahlkreis aufgestellt zu werden.

Schavan lässt sich in Münsingen von all dem nichts anmerken. In ihrer Rede zur Bedeutung von Bildung in Innovation ist sie betont kämpferisch. Besonders an der Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung lässt sie kein gutes Haar.

Trotzdem: Ganz entkommen kann Schavan dem Plagiatsskandal auch auf der Schwäbischen Alb nicht. Kaum kommt sie von der Bühne herunter in den Zuhörerbereich, stürmen schon wieder zig Journalisten und Kamerateams auf sie zu. Schavan ist sichtlich genervt. Fragen zu ihrer Doktorarbeit beantwortet sie heute nicht.

Marc Herwig, DPA DPA

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