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FDP-Chef: Christian Lindner im stern-Gespräch: "Merkel ist für mich eine Person der Zeitgeschichte"

Im neuen stern spricht der FDP-Chef über sein zerrüttetes Verhältnis zu Angela Merkel, Seehofers Rückzug, neue Chancen für Jamaika - und darüber, warum die FDP ein Frauen-Problem hat

Christian Lindner und Angela Merkel Ende Oktober 2017 bei den Verhandlungen zu einer Jamaika-Regierung. Später ließ Lindner die Gespräche zwischen seiner FDP, den Grünen und der Union platzen.

Christian Lindner und Angela Merkel Ende Oktober 2017 bei den Verhandlungen zu einer Jamaika-Regierung. Später ließ Lindner die Gespräche zwischen seiner FDP, den Grünen und der Union platzen.

DPA

"Wir wollen ran" – das ist die Botschaft von FDP-Chef Christian Lindner wenige Wochen vor dem CDU-Parteitag, auf dem über die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitzende entschieden wird. "Die CDU bekommt eine neue Spitze. Die Grünen haben bereits eine neue, die CSU in Kürze auch", damit ändere sich die Konstellation. Kanzlerin Merkel bezeichnete er "als Person der Zeitgeschichte".  Dass auch Horst Seehofer den Weg frei mache, sei "für alle Beteiligten ein guter Schritt". "Am Schluss schien er in der Sache verrannt und durch persönliche Verletzungen von Frau Merkel bestimmt."

Die FDP mache ihre Gesprächsbereitschaft mit Union und Grünen nicht von Neuwahlen abhängig. In Anlehnung an seinen legendären Satz "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", mit dem Lindner 2017 die Jamaika-Verhandlungen überraschend beendet hatte, erklärt der FDP-Vorsitzende nun: "Wenn man gut regieren kann, darf man das Land nicht den Falschen überlassen." Damals habe es "kein gemeinsames Verständnis" gegeben.

Christian Lindner will Beteiligung an einer Regierung nur mit einer starken FDP

Frau Merkels Taktik sei gewesen, "die Grünen auf Dauer für das bürgerliche Lager" einzukaufen. "Die Zeche sollten wir zahlen.", so Lindner. "Sollte eine Regierung gebildet werden, bei der einer am Tisch vorsätzlich und planvoll geschwächt werden soll, kann ich nur davon abraten einzutreten!"

Erneut greift Christian Lindner die Grünen frontal an – in der Flüchtlingspolitik wollten sie "nicht einmal sich illegal bei uns Aufhaltende konsequent abschieben" und beim Thema Klimawandel dächten sie "sehr planwirtschaftlich und national". Trotzdem macht er mit Blick auf die Grünen einen klimapolitischen Vorschlag: Man solle in Europa CO2 einen Preis geben, "nicht nur für die Emissionen von Energie und Industrie", sondern in allen Sektoren, also auch in den Bereichen Wärme und Verkehr.

 Zu der Frage, warum die FDP es nicht schaffe, Frauen zu erreichen, erklärt Lindner: "Die Frauen, die die FDP hat, sind vielleicht nicht die besten Anwältinnen für die Frauen, die wir noch bekommen könnten." Er selbst würde durchaus über eine Frauenquote diskutieren, wenn die Frauen-Kommission der Partei dies wolle. "Ich bin kein Freund der Quote, aber noch weniger mag ich Denkverbote."

Das ganze Interview mit Christian Lindner lesen Sie im neuen stern.


Von:

Christian Krug und Franziska Reich