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Corona-Auffrischimpfungen Schnelles Comeback der Impfzentren? Das sagen die Länder zur Spahn-Forderung

Ein weißes und ein blaues Schild weisen den Weg zum Eingang des Impfzentrums Landkreis Friesland"
Wie im April überall in Deutschland könnten auch bald wieder Impfzentren entstehen – das fordern zumindest einige Politiker und Mediziner
© Mohssen Assanimoghaddam / DPA
Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen in Deutschland setzt Noch-Bundesgesundheitsminister Spahn auf Booster-Impfungen. Die Länder sollen dafür ihre Impfzentren reaktivieren. Sind sie "startklar"?

Die vierte Corona-Welle hat Deutschland erfasst. Die Zahl der Neuinfektionen steigt stetig, auch die Kurve der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz zeigt seit etwa zweieinhalb nach oben. Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Länder daher aufgefordert, ihre Impfzentren wieder zu öffnen.

Das Ziel: "Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Stand-by bereithalten, nun wieder startbereit machen", sagte Spahn der "Rheinischen Post". 

Der Hintergrund: Mehr Menschen sollen eine dritte Spritze – die sogenannte Booster-Impfung – gegen die nachlassende Wirkung des Impfstoffs bekommen. Spahn will solche Auffrischungsimpfungen allen Bürgern anbieten, was in der Ärzteschaft für harsche Kritik sorgte

Die Frage: Wie stehen die Länder zur Forderung des Noch-Gesundheitsministers? Und wie schnell könnten Impfzentren wieder "startbereit" sein? Der stern hat in einigen Bundesländern nachgefragt.

"Die Wiedereröffnung eines Impfzentrums ist daher kein Thema"

"In Hamburg stehen für die Corona-Schutzimpfungen ebenso wie die Auffrischungen das Regelsystem – also die niedergelassenen Ärzte – sowie die städtischen Impfangebote zur Verfügung", sagte ein Sprecher der Sozialbehörde Hamburgs zum stern. "Die Wiedereröffnung eines Impfzentrums ist in Hamburg daher kein Thema." Anders als in anderen Bundesländern bestehe nach wie vor eine Infrastruktur, "die alle Auffrischimpfungen abbilden kann." 

In Berlin seien zwar zwei Corona-Impfzentren geöffnet, das CIZ Messe Berlin und das CIZ Tegel, so eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Doch wird auch auf Äußerungen von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci verwiesen, die im n-tv-"Frühstart" fragte: "Warum wird in den Arztpraxen weniger geimpft?"

Die SPD-Politikerin forderte, dass die Arztpraxen mit Blick auf den schleppenden Impffortschritt in Deutschland in die Pflicht genommen werden sollten. Zwar seien die Impfzentren ebenfalls wichtig – in der Hauptstadt fänden derzeit über 40 Prozent der Impfungen in den zwei Impfzentren oder über mobile Impfteams statt. Doch "Menschen, die in der Häuslichkeit gepflegt werden, immobil sind, die müssen auch von den Hausärzten geimpft werden", so Kalayci. 

Auch Bayern sieht bei Auffrischimpfungen "primär die niedergelassenen Praxen in der Verantwortung", wie ein Ministeriumssprecher mitteilte. Das staatliche Impfangebot erfolge ergänzend dazu – der Sprecher verwies etwa auf 81 Impfzentren mit rund 230 mobilen Impfteams. Booster-Impfungen könnten zudem in Krankenhäusern durchgeführt werden. "Aktuell bestehen 81 Impfzentren als Basisstationen mit reduzierter Kapazität", erklärte der Sprecher, die mobilen Impfteams würden derzeit ihren Schwerpunkt bei den Booster-Impfungen auf Alten- und Pflegeheime konzentrieren. "Um ein möglichst umfassendes Angebot sichern zu können, können die Impfzentren bei Bedarf bereits zum jetzigen Zeitpunkt und entsprechend lokalen Gegebenheiten ihre Kapazität aufstocken und die Durchführung der Impfungen flexibel handhaben", sagte der Sprecher. "Damit verfügen die Impfzentren über die Möglichkeit, auf eine steigende Nachfrage zu reagieren."  Dazu befinde sich das Gesundheitsministerium in "regelmäßigem Austausch" mit Vertretern der Ärzteschaft, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Hilfsorganisationen und kommunalen Spitzenverbänden.

Bundesregierung hat keine Übersicht über Impfzentren

Die Impfzentren hatten auf dem Höhepunkt der Impfkampagne im Frühjahr und Sommer eine zentrale Rolle gespielt: Damals gab es bundesweit gut 400 solcher Einrichtungen – in ihrer Mehrzahl wurden sie inzwischen wieder geschlossen. 

Einen Überblick, wie viele Impfzentren in Deutschland noch in Betrieb sind, hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht. "Dazu liegen mir keine Zahlen vor, da die Bundesländer die Impfzentren in eigener Zuständigkeit betreiben", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag in Berlin. Einige Länder hätten ihre Impfzentren weiter in Betrieb, andere hätten sie auf Standby geschaltet. "Wie viele jetzt in Betrieb sind, kann ich nicht sagen", so der Sprecher.

Spahn hatte auch einen Gipfel zum Thema Auffrischungsimpfungen von Bund und Ländern gefordert. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sagte zu dem Vorstoß, Bund und Länder seien ohnehin im Austausch, auch die geschäftsführende Bundesregierung sei zudem offen für Gespräche, doch könne sie keinen Termin für ein solches Treffen nennen.

Der Sprecher des Gesundheitsressorts bekräftigte, bei so einem Bund-Länder-Treffen solle eine Wiedereröffnung der Impfzentren und das Einladungsmanagement für Menschen über 60 für Auffrischimpfungen besprochen werden. Über das weitere Vorgehen solle auch bereits auf einer Gesundheitsministerkonferenz in dieser Woche in Lindau gesprochen werden. 

fs

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