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Corona-Krise: Eindämmung durch Tests - Spahn: «Ruhe vor dem Sturm»

Ja, auch in der Bundesregierung wird jetzt schon darüber nachgedacht, wann die harten Einschränkungen, die jetzt unseren Alltag bestimmen, wieder zurückgefahren werden können. Einen Zeitpunkt will aber noch keiner nennen.

Jens Spahn

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Foto: Michael Kappeler/dpa/Archiv

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet mit weiter steigenden Belastungen für Ärzte und Pfleger in der Corona-Krise.

Gleichzeitig laufen in der Regierung schon erste Planungen für die Zeit nach dem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens. «Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm», sagte Spahn am Donnerstag in Berlin. «Keiner kann genau sagen, was in den nächsten Wochen kommt.» Daher sei es weiterhin nötig, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und gleichzeitig die Kapazitäten in den Kliniken auch mit Intensivbetten zu erhöhen.

«Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine gesicherte Aussage gemacht werden, ob sich die Infektionsdynamik abgeschwächt hat», sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. «Manche Städte und Landkreise haben es geschafft, größere Ausbruchsgeschehen auch unter Kontrolle zu bekommen.» Diese Ausbrüche seien teilweise in Zusammenhang mit Festen oder Reisen aufgetreten. «Warum immer noch Feste gefeiert werden, ist mir unverständlich», sagte Wieler.

Spahn bekräftigte, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte. Die Kapazität liege mit 300 000 bis 500 000 Tests pro Woche auch im internationalen Vergleich sehr hoch. Es sei weiterhin wichtig, dass sie zielgerichtet eingesetzt würden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warb um Verständnis dafür, dass Coronavirus-Tests nur bei Menschen mit Krankheitssymptomen vorgenommen werden. «Es macht keinen Sinn, gesunde, unauffällige Bürger zu testen», sagte der KBV-Bundesvorsitzende Andreas Gassen. «Auch wenn das für den Einzelnen vielleicht interessant sein kann, ist es medizinisch sinnfrei.»

Man habe zwar große Kapazitäten, sie reichten aber nicht, «um 83 Millionen einfach mal eben durchzutesten». Entscheidend sei die ärztliche Entscheidung. «Wir wollen viel testen, aber wir wollen zielgerichteter testen», erläuterte Gesundheitsminister Spahn. Gassen berichtete, dass seit dem 9. März in Deutschland 410 000 Tests vorgenommen worden seien. In Großbritannien seien es in diesem Zeitraum 100 000 gewesen. Derzeit betrage die Testkapazität mehr als 250 000 pro Woche. Das lasse sich voraussichtlich bis auf 360 000 steigern.

Spahn räumte ein, die Beschaffung von Schutzausrüstung sei nicht leicht. «Es sind in den letzten Tagen täglich Masken ausgeliefert worden», betonte er.

Es gehe für die Politik zugleich um Konzepte dafür, dass es «eine Zeit nach Corona» geben werde, in der man weiter gegen das Virus kämpfe, das öffentliche Leben aber schrittweise normalisiere, sagte Spahn. Dies solle auch bei Beratungen nach Ostern zwischen der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten Thema sein. Dabei solle darüber diskutiert werden, wie Handydaten im Krisenfall für die Klärung von Infektionsketten zu nutzen seien, machte Spahn deutlich. Auch die Frage wie man dann «besonders gefährdete Gruppen schützen» könne, werde diskutiert.

Die Verbreitung des Virus ist nach wie vor in verschiedenen Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich. Laut Robert-Koch-Institut lag die Zahl der Infizierten pro 100 000 Einwohnern zuletzt beispielsweise bei 69 in Hamburg, 61 in Bayern und 15 Fällen in Mecklenburg-Vorpommern. «Wir können dann nach Ostern möglicherweise über eine Veränderung reden, wenn wir bis Ostern alle miteinander konsequent sind», sagte Spahn.

Der Technologiekonzern Bosch hat nach eigenen Angaben einen Coronavirus-Schnelltest unter anderem für Krankenhäuser und Arztpraxen entwickelt. Das vollautomatische Verfahren zum Nachweis von Virenerbgut soll von der Entnahme der Probe bis zum Ergebnis weniger als zweieinhalb Stunden brauchen, wie Bosch mitteilte. Laut Bosch hat der neue Test auf Sars-CoV-2 eine «Genauigkeit von über 95 Prozent».

dpa