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Ausgangsbeschränkungen wegen Corona Darf man allein auf einer Parkbank ein Buch lesen? Söder widerspricht einem Polizei-Tweet

Eine Frau liest ein Buch auf einer Parkbank
Alleine auf einer Parkbank ein Buch lesen – dagegen ist trotz des Coronavirus nichts einzuwenden
© AlbertPego / Getty Images
Durch die Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus sei es verboten, allein auf einer Parkbank ein Buch zu lesen, twitterte die Münchner Polizei und sorgte für Unmut. Ministerpräsident Markus Söder spricht ein Machtwort.

Zuerst herrschte Verwirrung, dann gab es Protest. Auf Nachfrage hatte die Münchner Polizei auf Twitter erklärt: "Nein, ein Buch auf einer Bank lesen ist nicht erlaubt." Hintergrund sind die Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus, die in Bayern besonders strikt sind. Dort ist das Verlassen der eigenen Wohnung "nur bei Vorliegen triftiger Gründe" erlaubt, wie es in der offiziellen Verordnung des Freistaats heißt. Die Sonne zu genießen gehört nach Interpretation der Polizei München anscheinend nicht dazu.

Als Reaktion auf den Tweet der Polizei gab es viel Unverständnis in den sozialen Netzwerken, aber auch in der Politik. Der bayerische FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Hagen bezeichnete die Regel als "weder zweckdienlich noch verhältnismäßig". Auch viele User hielten sie für unangemessene Schikane. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach schließlich ein Machtwort und stellte in der "Bild" klar: "Natürlich kann man auf einer Bank ein Buch lesen. Das ist kein Problem."

Bayern: Sitzen auf einer Parkbank ist erlaubt

Entscheidend ist dabei, dass man allein unterwegs ist und den vorgegebenen Mindestabstand – also 1,5 Meter – zu Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, einhält. Auf der Bank dürfe auch nur eine Person sitzen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stellte die Aussage der Polizei ebenfalls richtig: "Es spricht überhaupt nichts dagegen, wenn sich jemand im Rahmen seines Spaziergangs allein, mit der Familie oder sonstigen Angehörigen seines Hausstandes zwischendurch auf eine Parkbank in die Sonne setzt."

"Es spielt für das Infektionsrisiko auch keinerlei Rolle, ob jemand dabei ein Buch oder eine Zeitung liest oder etwa ein Eis isst", so Herrmann weiter. "Es drückt niemand die Stoppuhr, wenn man bei einem Spaziergang auf einer Parkbank verweilt. Das ist auch erlaubt. Nur wenn sich Trauben bilden und die Bierdose kreist, das wollen wir nicht."

Auch die Polizei München hat ihre Aussage mittlerweile korrigiert. Die Regeln zur Ausgangsbeschränkung und die damit verbundenen Leitlinien an die Polizei würden "regelmäßig überprüft und angepasst", heißt es in einem Tweet. Gestattet seien bei Sport, Spaziergängen und Bewegung an der frischen Luft auch das Sitzen auf Bänken und Wiesen.

Quellen: Polizei München auf Twitter / "Bild" / "Süddeutsche Zeitung"

epp

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