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Essay

Wahljahr: Wieso 2019 für die Grünen ein Schicksalsjahr wird

Die Grünen liegen in den Umfragen seit einigen Monaten bei um die 20 Prozent. Sind die Grünen eine Volkspartei? 2019 wird für ein Schicksalsjahr: Verliert die Partei bei den Landtagswahlen im Osten, ist es mit dem Momentum schnell vorbei

Schaffen Annalena Baerbock und Robert Habeck es 2019, die Grünen zur Volkspartei zu machen?

Schaffen Annalena Baerbock und Robert Habeck es 2019, die Grünen zur Volkspartei zu machen?

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Was für ein Momentum! Umfragen: 20 Prozent! Annalena Baerbock: Superstar! Robert Habeck: Megastar! Die Grünen: Volkspartei! Nicht mehr lange, dann bekommen wir einen grünen Kanzler!

Moment mal.

Volkspartei?

Dieses Jahr wird für die Grünen ein entscheidendes. In drei ostdeutschen Bundesländern stehen Landtagswahlen an, in allen drei Ländern steht die Partei in den Umfragen deutlich schlechter da als im bundesdeutschen Trend.

Auf der atomar angetriebenen Erfolgsrakete

Das Problem: Schlechte Ergebnisse in Thüringen oder Sachsen oder Brandenburg können schnell das grüne Momentum kaputt machen. Aus der potentiellen Volkspartei wird dann ganz schnell wieder eine westdeutsche Mittelstandspartei.

Man hat das schon einmal beobachten können, in den Jahren nach der Atomkatastrophe von Fukushima.

Die Grünen schwebten damals auf einer atomar angetriebenen Erfolgsrakete. Das Atomunglück hatte den Menschen die Fragilität des Planeten vor Augen geführt - und die Grünen standen da und riefen: Haben wir doch immer gesagt!

Die Partei bewegte sich auf einmal in Bereichen um die 20 Prozent.

Geschichte wiederholt sich

Aber dann: Nicht viel. Die Grünen schafften es nicht, sich dauerhaft in solchen Sphären zu etablieren. Thematisch zu eindimensional, personell zu wenig massentauglich. Zwei Jahre später, bei der Bundestagswahl 2013, kam die Partei nur noch auf 8,4 Prozent.

Nun scheint Geschichte sich zu wiederholen. Der Jahrtausendsommer, die Vermüllung der Meere, Feinstaub - alles Themen, die uns erneut an die Fragilität des Planeten und unsere eigene unschmeichelhafte Rolle dabei erinnern.

Und die Grünen: Stehen da und haben das alles schon immer gesagt - und deswegen gefühlt die richtigen Antworten im Gepäck. Und jetzt mit Annalena Baerbock und Robert Habeck auch noch ein stilles (im Sinne von: nicht schrill), fleißiges, sympathisches Spitzenduo, auf das sich alle irgendwie einigen können.

Es steht also die Frage im Raum, ob die Grünen doch Volkspartei können. Das Wählerpotential ist da: Knapp die Hälfte der Deutschen kann sich vorstellen, die Grünen zu wählen. Aber gilt das so auch für den Osten?

Tief gehende Wurzeln im Osten

Seltsamerweise steht die Partei dort so schlecht da, obwohl sie tief gehende Wurzeln in ostdeutschem Boden hat. Bündnis90, der fast immer vergessene erste Teil des Parteinamens, geht auf einen Zusammenschluss von Umweltbewegungen der DDR zurück - und spielte bei der Gründung der Grünen eine wichtige Rolle. Trotzdem hat die Partei in Thüringen kaum 1000 Mitglieder, in Sachsen weniger als 2000. Mit anderen Worten: Unglaublich wenig.

Was muss die Partei jetzt also tun?

Baerbock und Habeck müssen ran an die Basis, rauf auf die Marktplätze, dahin, wo es anstrengend ist und - den Grünen - weh tut. Sie müssen zu den Arbeitern, sie müssen zu denen, die sich missverstanden fühlen, sie müssen mit allen reden, die auf den ersten Blick nicht zu ihrer Kernklientel gehören. Sie werden richtig ackern müssen.

Der Trend spricht für die Grünen

Das Schlechte: Es wird schwierig werden. Sehr schwierig, in Angesicht der niedrigen Mitgliederzahlen in den ostdeutschen Verbänden.

Das Gute: Der letzte Trend spricht für die Grünen, auch in den ostdeutschen Ländern steigen ihre Umfragewerte. Und sollten die Ergebnisse einigermaßen gut ausfallen - sagen wir über 10 Prozent - wird das Momentum nicht gebremst, sondern bekommt erst richtig Schwung.

Britta Haßelmann bei ihrer Rede im Bundestag
tkr