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Scherze übers Reiten ohne Hemd "Wir müssen unsere Bauchmuskeln zeigen" – G7-Chefs machen sich in Elmau über Putin lustig

Russlands präsident Wladimir Putin reitet mit nacktem Oberkörper
Russlands Präsident Wladimir Putin reitet mit nacktem Oberkörper in Sibirien
© RIA Novosti / Alexei Drizhinin / AP
Beim Treffen der sieben Wirtschaftsmächte geht es um ernste Themen. Eigentlich. Einen Grund zum Scherzen liefert dann aber ausgerechnet der Mann, der gerade für viel Ernst in der Welt verantwortlich ist: Wladimir Putin. 

Man kann es geschmacklos finden oder mitlachen: Beim gemeinsamen Mittagessen kurz vor ihrer ersten Arbeitssitzung haben sich die Staats- und Regierungschefs der G7 über Russlands Machthaber Wladimir Putin lustig gemacht. Ausgelöst hatte die Scherze der britische Premierminister Boris Johnson. Ein Kamerateam, das kurzzeitig für Aufnahmen in dem Saal zugelassen war, hatte die Szene in einem Video eingefangen. In dem kurzen Clip fragt Johnson angesichts der hohen Temperaturen, ob man die Jacketts wohl ausziehen könne oder nicht. "Wir alle müssen zeigen, dass wir härter sind als Putin", fügte Johnson hinzu. Dies kommentierte Kanadas Premier Justin Trudeau mit der Aussage: Reiten mit nacktem Oberkörper, das müsse man tun.

Er spielte damit auf ein Foto von Wladimir Putin an, das den Kreml-Chef beim Reiten in Sibirien zeigt. Putin sitzt auf der Aufnahme nur mit einer Outdoorhose bekleidet auf einem braunen Pferd. Das Bild stammt aus dem Jahr 2009 und zeigt Russlands Staatschef während eines Urlaubs in der Region Tuwa. 

Ohne offenbar auf die Bekleidungsfrage einzugehen, sagte darauf EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die eine leidenschaftliche Reiterin ist: "Reiten ist das Beste." Johnson ließ aber nicht locker und forderte: "Wir müssen ihnen unsere Bauchmuskeln zeigen." 

Die Jacketts wurden schließlich doch nicht abgelegt – zumindest nicht bis die Fotografen den Raum verließen. Das Ende der Bekleidungsdebatte blieb so hinter verschlossenen Türen im Ungewissen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stellte sich dann nach der Arbeitssitzung zwar ohne Krawatte, aber mit Jackett vor die Kameras.

Russische Truppen beschießen Kiew

Ob man sich angesichts der aktuellen Lage in der Ukraine wirklich über Putin lustig machen sollte? Joe Biden, der in der scherzhaften Runde nicht zugegen war, hatte Moskaus jüngste Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew zuvor noch als "Barbarei" bezeichnet.

Kurz vor dem Beginn des G7-Gipfels hatte Russland die Stadt mit Raketen attackiert. Es ist das erste Mal seit Kriegsbeginn, dass sich die Angriffe wieder in die Region verlagern. Bei den Angriffen schlugen am Sonntagmorgen mehrere Raketen in einen Wohnkomplex ein und begruben mehrere Menschen unter den Trümmern. Rettungskräfte konnten einige von ihnen bergen, nach offiziellen Angaben wurden vier Menschen bei dem Angriff verletzt. Sie, unter ihnen auch ein sieben Jahre altes Mädchen, wurden ins Krankenhaus gebracht.

Bei den Angriffen wurden die obersten drei Etagen eines zehnstöckigen Gebäudes komplett zerstört. Auch Stunden nach dem Angriff war die Feuerwehr damit beschäftigt, das ausgebrochene Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Mutter des verletzten Mädchens, nach ukrainischen Angaben eine rund 30 Jahre alte Frau mit russischer Staatsbürgerschaft, konnte nach mehrstündiger Arbeit aus den Trümmern des Hauses geborgen werden. Auch sie musste ins Krankenhaus.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba veröffentlichte auf Twitter ein Foto des auf der Trage liegenden Mädchens und schrieb dazu: "Ein siebenjähriges ukrainisches Kind hat friedlich in Kiew geschlafen – bis eine russische Rakete sein Haus explodieren ließ."

Ebenfalls von einer Rakete getroffen wurde ein Kindergarten in der Nähe, dabei wurde offenbar niemand verletzt. In der Ostukraine nahm die russische Armee unterdessen nach wochenlangen Kämpfen die Stadt Sjewjerodonezk vollständig ein.

Kuleba forderte die G7 dazu auf, Russland mit weiteren Sanktionen zu antworten. Außerdem forderte er erneut Waffen für die Ukraine. Dem waren Großbritannien, Kanada, Japan und die USA vor dem Gipfeltreffen schon zuvorgekommen, indem sie ein Importverbot für russisches Gold verhängt hatten.

cl

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