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Friedliche Proteste im Schlossgarten: S21-Sprecher erleichtert - Gegner wollen weitermachen

Niederlage für die "Parkschützer": Der Stuttgarter Schlosspark ist weitgehend geräumt, 108 Bäume werden gefällt. Während sich S21-Sprecher Dietrich erleichtert über den friedlichen Verlauf der Proteste zeigte, versprach "Parkschützer"-Sprecher von Herrmann: Wir machen weiter!

Der Sprecher des umstrittenen Bahnprojekts "Stuttgart 21", Wolfgang Dietrich, hat sich erleichtert über den friedlichen Verlauf der Proteste gegen die geplante Abholzung von Bäumen im Stuttgarter Schlossgarten gezeigt. "Ich bin sehr froh, dass die Demonstranten friedlich geblieben sind", sagte Dietrich am Mittwoch vor Journalisten. Er gehe nun davon aus, dass die Fällarbeiten am frühen Nachmittag beginnen können. "Es sieht im Moment so aus, als wenn wir im Zeitplan bleiben können." Er hoffe, dass die Demonstranten auch in den kommenden Tagen vernünftig blieben und den Abtransport der Bäume sowie das Verpflanzen nicht behinderten.

Die Gegner haben jedoch schon erklärt, ihren Protest gegen das Bahnprojekt fortsetzen zu wollen - zumindest in Form von weiteren Montagsdemonstrationen. Dies kündigte am Mittwoch der Sprecher der "Parkschützer", Matthias von Herrmann, an. Mit dem Fällen der Bäume gehe zwar der "emotionale Aufhänger" für die Demonstrationen verloren, aber es gebe weiterhin viele ungeklärte Fragen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die nächste Montagsdemonstration werde am 20. Februar stattfinden.

Von Herrmann warf der Polizei vor, beim Großeinsatz am frühen Mittwochmorgen nicht wie angekündigt deeskalierend gewirkt zu haben: "Man hätte mehr reden können." Das Deeskalationsteam der "Parkschützer" sei gleich zu Beginn des Einsatzes aus dem Park geworfen worden. Ein "rotes Telefon" mit direktem Draht zum Polizeipräsidenten Thomas Züfle sei nicht besetzt gewesen.

Trotz Schlichterspruch: 108 Bäume werden gefällt

Der grün-roten Landesregierung warf von Herrmann Wortbruch vor: "Die Bürgerbeteiligung ist heute Nacht endgültig ad acta gelegt worden." Der Schlichterspruch habe vorgesehen, alle gesunden Bäume im Schlossgarten zu verpflanzen. Diesen Minimalkonsens habe die Landesregierung missachtet.

Für den Bau des neuen unterirdischen Bahnhofs will die Bahn im angrenzenden Mittleren Schlossgarten 108 Bäume fällen und 68 Bäume versetzen lassen. Die Baumarbeiten kosten die Bahn eigenen Angaben zufolge zwei Millionen Euro. Bei einer Volksabstimmung über das "S21-Kündigungsgesetz" Ende November, das den Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung des Projekts vorsah, hatten sich fast 60 Prozent der Wähler für "Stuttgart 21" ausgesprochen. Gut 40 Prozent votierten für den Ausstieg aus dem Milliardenprojekt.

jwi/DPA/AFP / DPA