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Bei "Markus Lanz": Friedrich Merz: Söder als Kanzlerkandidat? "Denkbar, klar"

Friedrich Merz galt als Favorit auf CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur. Dann kam Corona. Ohne Amt wurde es still um den 64-Jährigen, er erkrankte selbst an dem Virus. Doch je länger die Krise dauert, umso mehr wird seine Position gestärkt.

Friedrich Merz im Portrait

Friedrich Merz (CDU) hält Markus Söder für einen "denkbaren" Kanzlerkandidaten 

DPA

Während sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Bayerns Landesvater Markus Söder (SPD) als Corona-Krisenmanager ein Duell lieferten als ginge es schon um die Kanzlerkandidatur der Union, war Friedrich Merz außen vor. Inzwischen haben die Streithähne - insbesondere Laschet - ihre Kratzer abbekommen. Ob die Krise ihm genutzt oder geschadet habe, könne er nur schwer beurteilten, sagte Friedrich Merz am Dienstagabend bei "Markus Lanz" im ZDF, laut den Umfragen stehe er "auf jeden Fall nicht schlechter" da als zuvor. "Ich bin nicht unzufrieden mit der Situation", sagte Merz, "weil ich nach wie vor viel Zustimmung bekomme."

Wie steht es also um ihn, um das Rennen um CDU-Vorsitz und -Kanzlerkandidatur, das in der Coronakrise aus dem Fokus geraten ist, und das Verhältnis zu den USA und Donald Trump, mit dem er - im Falle eines eigenen Wahlsiegs zusammenarbeiten müsste?

Das sagte Friedrich Merz über ...

... einen Kanzlerkandidaten Markus Söder:

"Denkbar, klar. (...) [Am 4. Dezember in Stuttgart auf dem Bundesparteitag] werden wir einen Vorsitzenden wählen, und die beiden Vorsitzenden der CDU und der CSU werden danach sprechen, wie das weitergeht. (...) [Da müssen] Kandidat, Thema und Zeit zusammenpassen. (...) Kanzlerkandidaten der CSU hat es immer nur gegeben, wenn die CDU mit ihren Vorsitzenden sehr unzufrieden war. Und ich unterstelle mal, dass das wahrscheinlich zum Jahreswechsel 2020/2021 nicht der Fall sein wird."

... Armin Laschet:

"Ich finde, er wird da teilweise unfair kritisiert. So eine Krise ist für alle Beteiligten eine Riesenherausforderung und wirklich ein echtes Problem. (...) In den Augen der Bevölkerung hat wahrscheinlich Söder den besseren Job gemacht, aber Armin Laschet hat es in Nordrhein-Westfalen auch schwieriger. Da ist vieles auch nicht vergleichbar. Noch einmal: Ich finde die Kritik an ihm überzogen und unfair. (...) ich hätte vielleicht versucht, auch mit Markus Söder viel enger zusammen und abgestimmt vorzugehen. Aber, nochmal, das ist eine Geschmackssache, das muss auch jeder für sich allein entscheiden."

(Auf die Frage, ob Laschet aus dem Rennen um den CDU-Vorsitz sei): "Nein, gar nicht. Das kann sich auch in den nächsten Tagen und Wochen völlig ändern." 

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... eine Wiederwahl von Donald Trump:

"Es gibt nur zwei Präsidenten in Amerika, die ihre Wiederwahl nicht geschafft haben. Das war Jimmy Carter und George Bushs Vater. Die hatten zwei Probleme: 1. einen starken Gegenkandidaten, 2. hohe Arbeitslosigkeit gegen sich. Diesmal hat er keinen wirklich starken Gegenkandidaten (...), aber die hohe Arbeitslosigkeit kommt und bleibt und das könnte Trumps größtes Problem bleiben."

... die Zeit nach Trump:

"Trump ist nicht über Nacht gekommen und wird auch nicht wieder über Tag wieder gehen. Trump ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die wir in Amerika schon seit vielen Jahren sehen. Und es wird mit Trump nicht zu Ende sein. Auch wenn er nicht wiedergewählt wird, bleibt das Verhältnis schwierig. Es wird hoffentlich im Ton besser, im Umgang miteinander etwas angenehmer, aber die Meinungsverschiedenheiten bleiben. Deswegen plädiere ich sehr dafür, ganz unabhängig davon, wer da gewählt wird: Europa muss stärker werden. (...) Wir dürfen uns nicht auf Amerika verlassen, wie wir das in den vergangenen Jahrzehnten getan haben."

... die Präsidentschaft Trumps:

"Diese Präsidentschaft finde ich furchtbar. Ich finde sie vom ganzen Ton her schrecklich, ich finde sie auch von der Art und Weise, wie er dieses Land spaltet, schrecklich. (...) Das wird lange nachwirken und wird auch Folgen haben für uns und für unser Verhältnis zu Amerika haben, und ich hoffe, dass sie irgendwann zu ihrer alten Stärke, zu ihrer Dynamik, auch zu ihrer positiven Lebenseinstellung zurückkehren."

... den Klimaschutz:

... die AfD:

"Ich habe ja mal gesagt, ich traue mir zu, die AfD zu halbieren, ich würde das heute nicht mehr sagen, 1. weil sie schon halbiert ist, 2. weil die, die da jetzt noch sind, (...) das sind so unappetitliche Leute, mit denen möchte ich nichts zu tun haben."

... über seine Corona-Erkrankung:

"Ich habe überhaupt keine Nachwirkungen. Die einzige Sorge, die ich wirklich hatte in der Zeit, wo ich erkrankt war, und schon aus der Woche vorher, war, dass ich meine Eltern angesteckt habe. Ich habe in der kritischen Zeit meine Eltern gesehen, und da hatte ich wirklich große Sorgen - 92 und 96 Jahre alt -, das wäre für mich eine schwere Belastung gewesen. (...) Ich habe aber auch sonst niemanden angesteckt außer meiner Frau, und die hat nichts gemerkt."


Quellen: "Markus Lanz", Nachrichtenagentur DPA

dho