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Kandidat für CDU-Parteivorsitz "Solange es nicht Kinder betrifft": Friedrich Merz polarisiert mit Aussage zur Sexualität eines möglichen Kanzlers

CDU-Politiker Friedrich Merz
CDU-Politiker Friedrich Merz (Archivbild)
© Lukas Schulze / Getty Images
Gleich zwei Äußerungen des CDU-Politikers Friedrich Merz in einer Talkshow sorgen für heftige Diskussionen: zur Sexualität eines Bundeskanzlers und zur Kurzarbeit.

CDU-Politiker Friedrich Merz hat mit einer Interview-Äußerung zur Sexualität eines künftigen Bundeskanzlers eine heftige Debatte in sozialen Netzwerken ausgelöst. In der Talkshow "Die richtigen Fragen" der "Bild"-Zeitung rückte der 64-Jährige nach Auffassung von Kommentatoren Homosexualität in eine Nähe zur Pädophilie.

Schwuler Bundeskanzler "kein Thema für mich"

Auf die Frage "Hätten Sie Vorbehalte, wenn heute ein Schwuler Bundeskanzler würde?" entgegnete Merz "Nein" und ergänzte auf Nachfrage: "Die Frage der sexuellen Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht –, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion." Ein schwuler Bundeskanzler wäre "überhaupt kein Thema für mich", stellte der Aspirant auf den CDU-Parteivorsitz abschließend klar.

Dennoch: Der anlasslose Verweis auf Kinder im Kontext einer Frage zur Homosexualität wird Merz vielfach als homophob ausgelegt.

"Hier wird Homosexualität in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch erwähnt. Ressentiments, die in den 1980er Jahren weit verbreitet waren, sind in Friedrich Merz' Kopf auch 2020 noch weit verbreitet. Gruselig!", twitterte beispielsweise Jamila Schäfer aus dem Bundesvorstand der Grünen. Martin Hagen, FDP-Fraktionschef im bayerischen Landtag, erklärte: "Dass Schwule eine latente Gefahr für Kinder darstellen, gehört zu den besonders bösartigen homophoben Erzählungen. In Merz' Denken scheint sie sehr präsent. Warum sonst kommt er von einer Frage über Homosexualität zu einer Antwort über Pädophilie?" Zahlreiche andere Nutzer, auch aus der CDU, äußerten sich ähnlich kritisch.

Armin Peter, der Sprecher von Friedrich Merz, sieht die Aussage seines Chefs bewusst fehlgedeutet. "Diese Behauptung ist bösartig und falsch", schrieb er und verwies darauf, dass Merz dies gesagt hatte: "Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft." Dies gelte für "Heteros, Homos und alle anderen", so Peter.

Merz' Ausführungen zur Homosexualität sind jedoch nicht dessen einzigen Aussagen aus der Talkshow "Die richtigen Fragen", die für Diskussionen sorgen.

Anscheinend geht der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende davon aus, dass sich viele erwerbsfähige Menschen während der Coronakrise an ein Leben ohne Arbeit gewöhnt haben. "Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können", sagte der frühere Aufsichtsratschef des US-Vermögensverwalters Blackrock im "Bild"-Talk. "Wir müssen zurück an die Arbeit." Er ließ durchblicken, dass aus seiner Sicht vor allem Lehrkräfte ohne triftigen Grund nicht mehr zum Schulunterricht erscheinen.

Vor dem Hintergrund, dass zwischenzeitlich rund sechs Millionen Beschäftigte unfreiwillig in Kurzarbeit waren, die Wirtschaftsleistung im Frühjahr dramatisch eingebrochen ist und seit März mehr als 600.000 Menschen arbeitslos geworden sind, herrscht bei vielen Unverständnis über die Feststellungen von Friedrich Merz.

Kritik an Friedrich Merz' Aussagen zur Kurzarbeit

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärte beispielsweise: "Mit Kurzarbeit sichern wir Millionen von Arbeitsplätzen in der Corona-Krise und stabilisieren die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Und dieser Mann hat entweder ökonomisch keine Ahnung oder ist sozial zynisch. Oder beides."

Es gibt also rund zweieinhalb Monate vor dem CDU-Parteitag einmal mehr reichlich Gegenwind für Friedrich Merz. Am 4. Dezember wollen die Delegierten in Stuttgart einen Nachfolger für Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer wählen. Neben Merz haben auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Außenpolitiker Norbert Röttgen ihr Interesse für das Amt angemeldet.

Quellen: "Bild"-Zeitung, Jamila Schäfer bei TwitterMartin Hagen bei Twitter, Armin Peter bei Twitter, Hubertus Heil bei Twitter, Nachrichtenagentur DPA

wue

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