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Görlitz in Sachsen Wahl mit Zündstoff: Am Sonntag könnte erstmals ein AfD-Politiker Oberbürgermeister werden

Wahlplakate in Görlitz: Der CDU-Kandidat Octavian Ursu (l.) und der AfD-Bewerber Sebastian Wippel
Mit "Sicherheit" wollen beide die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz gewinnen: Der CDU-Kandidat Octavian Ursu (l.) und der AfD-Bewerber Sebastian Wippel
© Sean Gallup / Getty Images
Sogar Filmstars haben im Wahlkampf mitgemischt: In Görlitz entscheiden die Bürger am Sonntag darüber, wer ihr Oberbürgermeister wird. Der AfD könnte dabei ein Coup gelingen.

Wenn Filmgrößen aus Hollywood und Deutschland mobilisieren, die Linkspartei "das bisher Undenkbare" tut und sich alle Augen am Sonntag auf Görlitz richten, dann geht es um mehr als um eine Oberbürgermeisterwahl. Der Urnengang birgt Zündstoff, schließlich will Sebastian Wippel dort bundesweit erster AfD-Oberbürgermeister werden. Auch für die Landtagswahl in Sachsen am 1. September könnte von Görlitz ein wichtiges Signal ausgehen.

Beim ersten Wahlgang am 26. Mai holte der AfD-Kandidat Wippel mit 36,4 Prozent die meisten Stimmen. CDU-Herausforderer Ursu Octavian folgte mit 30,3 Prozent. Zwischen diesen beiden Kandidaten entscheidet sich am Sonntag im zweiten Wahlgang die Oberbürgermeisterwahl in der östlichsten Stadt Deutschlands - diesmal reicht eine einfache Mehrheit.

Sebastian Wippel gegen Ursu Octavian

Der 36-jährige Wippel will mit den Themen Sicherheit, Familie und Wirtschaft punkten und wirbt mit Slogans wie "Sichere Grenzen statt grenzenloser Kriminalität". Damit dürfte der Polizeikommissar den Nerv so mancher Wähler in der an der Grenze zu Polen gelegenen Stadt treffen. Auch die vergleichsweise niedrigen Löhne macht der smart wirkende Familienvater mit dem Kurzhaarschnitt zum Thema - mit einem Lohnniveau von 68 Prozent des Bundesdurchschnitts liegt Görlitz im Osten am unteren Ende.

Wahlplakate in Görlitz: Der CDU-Kandidat Octavian Ursu (l.) und der AfD-Bewerber Sebastian Wippel
Mit "Sicherheit" wollen beide die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz gewinnen: Der CDU-Kandidat Octavian Ursu (l.) und der AfD-Bewerber Sebastian Wippel
© Sean Gallup / Getty Images

Nur "eine familienfreundliche, weltoffene Europastadt Görlitz" werde erfolgreich wachsen, warnt hingegen CDU-Herausforderer Ursu Octavian, der wie Wippel im sächsischen Landtag sitzt. Der gebürtige Rumäne kam 1990 als Musiker nach Görlitz, gründete dort eine Familie und blieb.    

Der Ausgang der Oberbürgermeisterwahl ist offen, aber mit dem Verzicht der Bewerberinnen von Grünen und Linkspartei auf den zweiten Wahlgang dürften die Chancen für den 51-Jährigen Octavian gestiegen sein. Die Linken forderten, "persönliche Befindlichkeiten und politische Differenzen" außen vor zu lassen und einen AfD-Oberbürgermeister zu verhindern.    

"Wenn die Demokratie in Gefahr ist, müssen demokratische Kräfte vereint Widerstand leisten", erklärte der Kreisverband und sprach damit indirekt eine Wahlempfehlung für den CDU-Kandidaten aus. "Dafür sind wir bereit, auch das bisher Undenkbare zu tun." Auch die grüne Kandidatin Franziska Schubert forderte nach ihrem Verzicht die Wähler auf, am Sonntag "für Weltoffenheit" zu stimmen.

Filmstars schicken Wählern in Görlitz offenen Brief

Zuletzt warnte eine Reihe von Schauspielern und Filmemachern wie Daniel Brühl, Armin Rohde und der für seinen Film "Der Vorleser" mehrfach oscarnominierte Regisseur Stephen Daldry vor einem AfD-Sieg. In einem offenen Brief an die Wähler heißt es: "Gebt Euch nicht Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin." Die Filmindustrie hatte Görlitz seines historischen Charmes wegen schon vor Jahren entdeckt. In der Stadt wurden unter anderem "Inglourious Basterds" und "The Grand Budapest Hotel" gedreht.

Tatsächlich hat die Oberbürgermeisterwahl Signalwirkung über die Görlitzer Stadtgrenzen hinaus. Mit einem möglichen Sieg würde die AfD zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl gestärkt in den Wahlkampf ziehen. Ohnehin hat die AfD in Sachsen derzeit Oberwasser. Sie war nicht nur bei der Bundestagswahl 2017 landesweit knapp stärkste Partei vor der CDU, auch bei der vergangenen Europawahl lag sie im Freistaat vor der Regierungspartei.    

Für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist der Kampf um den Görlitzer Oberbürgermeisterposten nicht zuletzt eine ganz persönliche Machtprobe. Denn in seinem Heimatwahlkreis verlor der heute 44-jährige CDU-Politiker bei der Bundestagswahl sein jahrelang sicheres Direktmandat an den AfD-Politiker Tino Chrupalla.   

Eben jener Chrupalla fördert seinen Parteikollegen Wippel und holt dafür auch AfD-Bundesprominenz wie Alice Weidel in die Stadt. Nicht zuletzt werden Chrupalla Ambitionen auf die sächsische Staatskanzlei nachgesagt. Der Showdown am Sonntag könnte für ganz Sachsen richtungsweisend sein.

mad / Andrea Hentschel / AfP

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