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Paul Ziemiak und Kevin Kühnert: Das halten die Chefs der Jungen Union und der Jusos von der Groko (Achtung, Spoiler: nicht viel)

Die Sondierungsgespräche von Union und SPD gehen in die entscheidende Runde. Fragt man die Chefs der Jugendorganisationen der Parteien, Paul Ziemiak (Union) und Kevin Kühnert (SPD), ist eine Fortsetzung des Bündnisses nicht unbedingt begrüßenswert.

Große Koalition: Das halten die Chefs der jungen Union und SPD von der GroKo (Achtung, Spoiler: nicht viel)

Juso-Chef Kevin Kühnert (l.) und JU-Spitze Paul Ziemiak haben der Großen Koalition gemischte Gefühle gegenüber

Seit dem 14. Dezember 2017 ist es ernst: Union und SPD sitzen offiziell am Verhandlungstisch, um eine mögliche Fortsetzung der auszuloten. 

Es ist auch der Zeitpunkt, seit dem sich die Vorsitzenden der Jugendorganisationen der beteiligten Parteien, Paul Ziemiak (CDU/CSU) und Kevin Kühnert ( ), vermehrt zu Wort melden. Sie zeigen klare Kante, stecken rote Linien ab, teilen Seitenhiebe aus – sie stehen den "Erwachsenen" eigentlich in nichts nach. Nur ein Unterschied, mitunter eine Gemeinsamkeit, kristallisiert sich schnell heraus: Sie sind keine großen Fans der Großen Koalition.  

Jetzt gehen die Sondierungsgespräche von Union und SPD in die entscheidende Runde. Das Ziel soll ein Papier sein, auf dessen Grundlage über die Aufnahme von Koalitionsgesprächen entschieden wird. Es wird erwartet, dass die Verhandlungen bis in die Nacht andauern. Würden JU-Chef Ziemiak, 32, und JuSo-Chef , 28, die Entscheidung fällen, würde eine Große Koalition vermutlich nicht zustande kommen. Vom 14. Dezember an, bis einschließlich heute, haben die Spitzenpolitiker sich engagiert gegen eine Große Koalition ausgesprochen. Aber nicht nur. 

Paul Ziemiak, Junge Union: "Erst das Land, dann die Partei"

Im Gegensatz zu Bundeskanzlerin , die nach dem Jamaika-Aus eisern für eine Große Koalition wirbt, will Paul Ziemiak das Bündnis nicht "um jeden Preis". "Sie wäre stabiler als eine Minderheitsregierung und deshalb vorzuziehen. Trotzdem muss deutlich gesagt werden: Ich möchte keine GroKo um jeden Preis", sagte er der "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung". "In einem Koalitionsvertrag muss die Handschrift der Union klar erkennbar sein." 

Es sei ein offenes Geheimnis, dass er "kein großer Fan einer großen Koalition" sei, sagte er der "Deutschen Welle". Doch wirft Ziemiak die Frage auf: "Welche Möglichkeiten haben wir jetzt?" Wenn man einen guten Kompromjungiss finde, eine "Zukunftsvision für dieses Land" und eine "stabile Regierung" entwickeln könne, dann "freue ich mich über eine große Koalition – auch, wenn ich sie nicht angestrebt habe". Sein Credo: "Erst das Land, dann die Partei." Heißt im Subtext: Die Große Koalition ist eigentlich nur eine Notlösung.

Kevin Kühnert, Jungsozialisten: "Wir können die Große Koalition noch verhindern"

"Eine Minderheitsregierung ist die ehrlichste Option. Allerdings wird diese Variante von der Union vehement abgelehnt", sagt Juso-Chef Kevin Kühnert zu " ". "Ich plädiere dafür, dass kein SPD-Mitglied am nächsten Kabinettstisch sitzen sollte."

Weder die Opposition sei romantisch, noch sehne man sich nach ihr. "Aber man muss doch auch mal ehrlich erkennen, dass die Lage der SPD nach zwei Großen Koalitionen in den letzten zwölf Jahren nichts anderes als existenzbedrohend ist", führt er weiter aus. Geradezu schockiert über die SPD-Parteispitze zeigte er sich in den Online-Portalen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND): "Es kann doch nicht sein, dass selbst die strittigsten Entscheidungen immer einstimmig durch den Vorstand gehen", so Kühnert. "Ich wünsche mir an dieser Stelle mehr Mut zur Kontroverse."

Als Juso sei man "grundsätzlich skeptisch gegenüber einem Bündnis aus Union und SPD", erklärt er "Spiegel Online." "Das hat wenig mit den Sondierungen zu tun, sondern mit den gewaltigen inhaltlichen Differenzen." Im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk" klagte er, die GroKo habe "viele wichtige Themen für die Zukunft" verpennt. "Mir fehlt jegliche Fantasie, wie das in den nächsten vier Jahren anders sein soll. Und deshalb lehne ich das (die Große Koalition, Anm. d. Red.) ab." Das Bündnis sei in den vergangen Jahren auch auf wichtige Themen für seine Generation nicht eingegangen, so der 28-Jährige. Ob es einen Generationswechsel im Kanzleramt geben müsste? "Das vermag ich nicht zu sagen", so Kühnert zum "Deutschlandfunk". Aber: "Ich glaube, dass die Amtszeit von Angela Merkel sichtlich ihrem Ende entgegengeht." Am Ende steht für ihn das Ziel: "Wir können die Große Koalition noch verhindern.", wie er "Spiegel Online" sagte. 

Konsens: Das Scheitern der AfD

In einem Punkt sind sich die Spitzenpolitiker von Union und SPD (fast) einig: Das Scheitern der AfD. "Die AfD hat bisher in der sachpolitischen Debatte im Deutschen Bundestag nicht überzeugen können", so JU-Chef Ziemiak zur "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung". "Je länger die AfD im Parlament sein wird, desto mehr Stimmen wird sie verlieren. Davon bin ich überzeugt." 

Auch Juso-Chef Kühnert glaubt, "dass bereits jetzt viele, die im September noch der AfD ihre Stimme gegeben haben, erschrocken sind, über das, was diese Partei veranstaltet", sagte er "Spiegel Online". Doch, und darin unterscheidet er sich von Ziemiak, sei der "Aufstieg der AfD sicherlich auch ein Symptom der politischen Kultur in den letzten Jahren". Sprich: der GroKo. "Wenn es keine Polarisierung zwischen den großen Volksparteien gibt, ist es für Rechtspopulisten einfach, sich als vermeintliche Alternative zu verkaufen. Damit muss nun Schluss sein." In der "Zeit" macht er seinen Standpunkt deutlicher: "Wir wollen der AfD nicht zur Oppositionsführerschaft verhelfen", was die Folge einer Großen Koalition wäre. "Das muss wirklich nicht sein."

fs