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Loveparade-Unglück in Duisburg: Warum müssen Angehörige noch immer prozessieren, Frau Kraft?

Hannelore Kraft war gerade NRW-Ministerpräsidentin geworden, als die Katastrophe passierte: 21 Menschen starben im Gedränge der Love-Parade in Duisburg. Noch immer ist die juristische Aufarbeitung nicht abgeschlossen.

Hannelore Kraft über das Loveparade-Unglück. Noch immer ist die juristische Aufarbeitung nicht abgeschlossen.

Am 24. Juli 2010 starben bei einer Massenpanik während der Loveparade 21 Menschen, mehr als 500 wurden verletzt

Loveparade, 24. Juli 2010, Duisburg: Massenpanik an einem Tunnel im Zugangsbereich des Festivalgeländes - 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt, Ungezählte traumatisiert. Und noch heute sind 19 Zivilverfahren anhängig, in denen es um Schadensersatz und Schmerzensgeld geht. Die Hoffnungen, dass es darüber hinaus noch zu einem Strafverfahren gegen die Verantwortlichen kommt, sind gering.

"Keinen Einfluss auf Justiz"

Die schleppende juristische Aufarbeitung des Unglücks sei die zweite Katastrophe nach der eigentlichen Katastrophe, sagt Dr. Motte, Erfinder der Loveparade. "Das ist beschämend." Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bedauert die Verzögerung. "Darunter leide ich auch", sagte sie dem stern. "Aber Sie wissen ja, dass ich keinen Einfluss auf die Justiz nehmen darf. Ich weiß aber auch, wie komplex die Verfahren sind und dass Sorgfalt notwendig ist. Leider können die Betroffenen so noch keinen Abschluss finden. Das macht mich traurig."

Die Sozialdemokratin Hannelore Kraft war erst wenige Wochen im Amt der Ministerpräsidentin, als das Unglück passierte. Auch ihr Sohn Jan war mit Freunden auf der Loveparade unterwegs. Über Stunden hinweg wusste Kraft nicht, ob auch ihrem Kind oder dessen Freunden etwas zugestoßen war. "Ich musste dennoch funktionieren", sagte Kraft. Als sie endlich Nachricht erhielt, dass die ganze Gruppe unversehrt geblieben war, sei das ein "unglaublich befreiender Moment" für sie gewesen.

"Natürlich verändert einen so etwas"

Die Trauerfeier für die Opfer am 31. Juli in der Duisburger Salvatorkirche bezeichnete Kraft im Gespräch mit dem stern als den "schwierigsten Tag" ihrer politischen Karriere. Zur Frage, ob das Unglück sie verändert habe, sagte sie: "Natürlich verändert einen so etwas. Ich habe sehr schnell nicht mehr nur die Zahl der Opfer gesehen, sondern konkrete Menschen. Ich sehe Gesichter und kenne ihre Geschichte. Das verändert den Blick. Ich habe sie alle immer noch im Herzen und stehe in Kontakt zu Familien. Was ich mir vorwerfe: Ich habe zu spät die Dimension des großen Leids der vielen Verletzten und Traumatisierten erfasst."

An diesem Freitag richten die Stadt Duisburg und eine Betroffenen-Initiative eine Gedenkfeier mit Angehörigen und Traumatisierten am Unglücksort aus. Kraft hat ihren Urlaub abgebrochen, um an der Veranstaltung teilzunehmen. 

lk/abo/fre