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Uni Gießen hat geprüft Helge Braun darf Doktortitel behalten – bekommt aber eine Hausaufgabe

Kanzleramtschef Helge Braun spricht
In der Doktorarbeit von Helge Braun hat die Universität Gießen keine Täuschungsabsicht festgestellt
© Britta Pedersen / AFP
Die Uni Gießen hat die Doktorarbeit des Kanzleramtsministers überprüft. Dabei kam heraus: Der Fall Helge Braun ist keine Plagiatsaffäre. Allerdings wartet jetzt Arbeit auf den Arzt und Politiker, will er den Titel behalten.

Helge Braun darf seinen Doktortitel behalten. In der Dissertation des CDU-Politikers und Kanzleramtschefs wurde nach Angaben der Universität Gießen keine Täuschungsabsicht festgestellt. Dennoch seien an einigen Stellen Korrekturen erforderlich, teilte die Justus-Liebig-Universität (JLU) am Mittwoch nach Abschluss des Prüfverfahrens mit. Der Entzug des Doktortitels komme laut Empfehlung der Kommission in seinem Fall aber nicht in Betracht.

Braun, der auch Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Gießen ist, promovierte 2007 im Alter von 35 Jahren zum Doktor der Medizin. Seine Doktorarbeit befasste sich mit dem Einfluss von Herzrasen während einer Operation und trägt den Titel "Einfluss intraoperativer Tachykardien auf die postoperative Prognose – Analyse mit einem Anästhesie-Informations-Management-System".

Vorher erschienene Publikation mit dem selben Thema

Bei der Prüfung der Vorwürfe ging es um das Verhältnis der Doktorarbeit zu einer zuvor erschienenen Publikation mit Braun als Koautor sowie um mögliche Überschneidungen mit anderen Schriften der Arbeitsgruppe.

Die Kommission kam nach Anhörung von Zeugen und Braun selbst zu dem Schluss, dass das Vorgehen seinerzeit geübte Praxis in der damaligen Arbeitsgruppe gewesen sei. Allen beteiligten Autoren sei bekannt gewesen, dass die überwiegend von Braun erstellte Publikation im Nachgang in seine Dissertation münden sollte.

Darüber hinaus habe es den damaligen Gepflogenheiten entsprochen, eine einschlägige Vorpublikation positiv bei der späteren Notenfindung für die Dissertation zu berücksichtigen. Die Erkenntnisse aus der Vorpublikation habe Braun selbstständig weiterentwickelt und verfestigt.

Helge Braun machte die frühere Veröffentlichung in seiner Dissertation transparent

Braun habe in seiner Doktorarbeit ausdrücklich auf diese frühere Publikation hingewiesen und mitgeteilt, dass "Auszüge der in dieser Arbeit vorgestellten Untersuchungen und Ergebnisse" bereits veröffentlicht worden seien, teilte die Uni Gießen mit.

Da aber detaillierte Einzelnachweise zu der früheren Publikation an einigen Stellen fehlten, liege ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, schränkte die Kommission der Hochschule ein. Braun müsse aus diesem Grund die Dissertation an den betroffenen Stellen korrigieren. Dafür habe er sechs Monate Zeit.

Anlass der Untersuchung waren Vorwürfe, die laut einer früheren Mitteilung der Uni "von einer Einzelperson" Ende Januar dieses Jahres an die Hochschule herangetragen worden waren. Der Arzt und Politiker hatte die Uni daraufhin selbst um die Überprüfung der Vorwürfe gebeten.

Mit dem Ausgang dieser Überprüfung hebt sich Braun positiv von einer Reihe von Politiker-Kolleginnen und -Kollegen ab, die im Zuge von Plagiatsaffären zurücktraten. Jüngstes Beispiel ist die frühere Familienministerin Franziska Giffey, die im vergangenen Monat ihr Amt im aufgab, als Berichte aufkamen, wonach sich die Freie Universität Berlin für die Aberkennung ihres Doktortitels ausgesprochen habe.

Anfang 2013 war der damaligen Bundesbildungsministerin Annette Schavan der Doktortitel aberkannt worden, woraufhin auch sie ihren Rücktritt einreichte. Zwei Jahre zuvor geriet der damalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in den Sog eines ähnlichen Skandals. Die Plagiatsaffäre um Guttenberg ist der wohl bekannteste Skandal dieser Art hierzulande.

Quelle: Justus-Liebig Universität Gießen

anb AFP DPA

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