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Eckhard Seeber: 40 Jahre Kohls Fahrer - gedankt hat man es "Ecki" nicht

Eckhard Seeber war jahrzehntelang Helmut Kohls Chauffeur und Freund. Doch nach dem folgenschweren Unfall des Altkanzlers 2008 wurde er entlassen - warum, weiß er bis heute nicht. Nach Kohls Tod durfte er sich nicht mal von ihm verabschieden.

Eckhard Seeber (M.) war Fahrer von Ex-Kanzler Helmut Kohl. Beim Kondolenzbesuch kam er wohl dennoch nicht an Maike Kohl-Richter vorbei

Mehr als ein halbes Leben hat Eckhard Seeber als Fahrer für Helmut Kohl gearbeitet. 1962 lernte er den Altkanzler kennen und war von da an ununterbrochen bis zum Februar 2008 für ihn tätig. Dann stürzte Kohl in seinem Oggersheimer Bungalow und zog sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu. Drei Wochen später erfolgte die Kündigung Seebers durch Kohls zweite Ehefrau: "Maike Richter sagte mir - nicht im Beisein von Helmut Kohl, sondern draußen auf dem Parkplatz (des Reha-Zentrums, im dem Kohl damals lag, Anm. d. Red.) - , dass ich das Auto in die Garage stellen und die Schlüssel ins Haus legen solle. Das habe ich getan und das war's dann. Ich war fassungslos (...)", erzählte er vor Jahren der "Bunten" in einem langen Interview.

Die Gründe hat Seeber, 79 Jahre alt, bis heute nicht erfahren. Wie ihm erging es zahlreichen alten Weggefährten, die keinen Kontakt mehr zum Altkanzler bekamen, weil Maike Kohl-Richter es nicht mehr zuließ. Sogar einen letzten Kondolenzbesuch Seebers verweigerte Kohls Witwe.

Seeber ist Kohls engster Begleiter über Jahrzehnte

Als Seeber, ein ausgebildeter Fallschirmjäger, Kohl Anfang der 60er Jahre kennenlernte, war dieser stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag, ein ehrgeiziger Jungpolitiker auf dem Weg nach oben. Es folgte eine jahrzehntelange Dienstzeit, in der Seeber immer für Kohl da war - und nach seinen Worten sogar zu einem echten Freund wurde. Es dürfte nur wenige Menschen geben, die Kohl besser kannten als Seeber. Kohl saß immer vorne auf dem Beifahrersitz, weil er da mehr Beinfreiheit hatte, und nicht wie die meisten Politiker hinten auf der Rückbank. Die Rollenverteilung war eindeutig: "Ich fahre, Sie machen die Politik“, sagte Seeber zu Kohl. So erzählte es der Chauffeur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Seeber begleitete Kohl bei seinem Aufstieg zum Kanzler der deutschen Einheit und zum großen, europäischen Politiker. "Ich war aber nicht nur Kohls Fahrer, sondern auch als persönliche Begleitung bei fast jedem Auslandsbesuch dabei", erzählte Seeber der "FAZ". Er saß mit Kohl und dem russischen Präsidenten Boris Jelzin in der Sauna ("Ich habe den Aufguss gemacht"). Er war dabei, als Bill Clinton Kohl und ihm Eis in seinen Privatgemächern im Weißen Haus servierte.

Nach dem Ende von Kohls Kanzlerschaft 1998 blieb Seeber seinem langjährigen Chef treu. 2004 reiste Seeber mit seinem Chef und dessen Entourage in einen Ayurveda-Urlaub auf Sri Lanka. Dort erlebten sie den gewaltigen Tsunami, der ihr Hotel überflutete. 

Eckhard Seeber (M.) war Fahrer von Ex-Kanzler Helmut Kohl. Beim Kondolenzbesuch kam er wohl dennoch nicht an Maike Kohl-Richter vorbei

Helmut Kohl: Ecki, komm sofort

Dann ereignete sich der Unfall, der alles ändern sollte. Kohl, der sich schon vorher einigen Operationen unterziehen musste, stürzte auf der Treppe in seinem Haus. Der Altkanzler schaffte es noch, Seeber anzurufen: "Ecki, komm sofort", sagte Kohl ins Telefon. So schilderte es Seeber der "Zeit". Seeber fuhr zum Bungalow, in dessen Nachbarschaft er selbst wohnt, und half Kohl ins Badezimmer. Danach fuhr er ihn ins Krankenhaus: "Dies war meine letzte Fahrt mit Doktor Kohl", sagte er. Drei Wochen später erfolgte die Kündigung durch Maike Kohl-Richter auf dem Parkplatz.

Seitdem beschäftigte ihn die Frage, ob Kohl wirklich gewusst habe, was da geschehen war. Drei Jahre lang er sei er danach krank gewesen, habe Bauchschmerzen und Bluthochdruck gehabt sowie unter Selbstvorwürfen gelitten. "Ich konnte nachts nicht schlafen und habe mich immer wieder gefragt, was ich falsch gemacht haben könnte", erzählte er.

Zu Weihnachten 2008 schrieb Kohl ihm nochmal einen Brief: Er dankte ihm darin für seine "treuen Dienste in vielen Jahren". Seeber schrieb zurück, erhielt aber kleine Antwort. 2010, zu Kohl 80. Geburtstag, sah Seeber seinen früheren Chef zum letzten Mal. Die Einladung zum offiziellen Empfang in Ludwigshafen kam von der Oberbürgermeisterin. Seeber und seine Frau reichten Kohl, der im Rollstuhl saß, die Hand.

Bis zu seinem Tod durfte Seeber ihn nicht mehr besuchen. Alle Kontaktversuche scheiterten. Als er schließlich von Kohls Tod in der vergangenen Woche erfuhr, zog er sich einen Anzug an und machte sich auf den Weg zum Bungalow. Doch weiter als bis in den Hausflur kam er nicht. Kohl-Richter ließ ihn nicht zur aufgebahrten Leiche vor. Kohl-Richter soll laut Seebers laut geworden sein. "Ich werde es nicht noch einmal versuchen. Für mich ist die Sache abgeschlossen", so Seebers.