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stern-Erhebung: Seehofer treibt mehr enttäuschte CDU-Wähler zur AfD als Merkel

Seit Wochen hadert der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer mit seiner Kanzlerin. Angela Merkels sogenannter "Linkskurs" und ihre Flüchtlingspolitik habe den Zulauf zur AfD erst ermöglicht. Doch bei nüchterner Betrachtung ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Die Chefs von CDU und CSU, Angela Merkel und Horst Seehofer, sitzen mit versteinerten Minen nebeneinander

CSU-Chef Horst Seehofer macht Angela Merkels Flüchtlingspolitik für das Erstarken der AfD verantwortlich

Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Dieses Dogma der CSU-Ikone Franz Josef Strauß ist für viele in den beiden Unionsparteien bis heute Richtschnur ihrer Politik. Umso mehr wirft CSU-Chef Horst Seehofer Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, dieses Dogma nun in Frage zu stellen - zuletzt in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Seehofer macht den sogenannten "Linkskurs" der Kanzlerin und ihre Flüchtlingspolitik für den Sympathiezuwachs der AfD verantortlich. "Dazu passt jedoch kaum, dass nur 19 Prozent der CDU-Wähler von 2013, die heute bei der Bundestagswahl nicht mehr der CDU ihre Stimme geben wollen, zur AfD geschwenkt sind“, sagt Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, im stern

Attacken von Horst Seehofer fatal

Etwas mehr Abwanderer – nämlich 21 Prozent – würden sich für SPD, Grüne oder Linke entscheiden, die übrigen für FDP (17 Prozent) oder eine Splitterpartei (2 Prozent). 41 Prozent würden gar nicht wählen.

Mit Blick auf die Äußerungen Seehofers ist jedoch eine Zahl besonders interessant: Von den CSU-Abwanderern laden 28 Prozent bei den Rechtspopulisten. Güllner: "Seehofer treibt mit seinen Attacken mehr CSU-Abwanderer zur AfD als die von ihm kritisierte Kanzlerin."



wm/stern