Mangel an Kitaplätzen 300.000 Kitaplätze fehlen - Ost-West-Spaltung

Die Planung von Kitaplätzen sind keine Sandkastenspiele. (Symbolfoto) Foto: Christoph Soeder/dpa
Die Planung von Kitaplätzen sind keine Sandkastenspiele. (Symbolfoto) Foto
© Christoph Soeder/dpa
Neue Lückenliste zum Kitaplatz-Mangel: Im Westen Deutschlands suchen viele Eltern lange vergebens nach einem Platz. Im Osten könnten Kitas mangels Bedarf bald in Jugendtreffs umgebaut werden.

Für rund 300.000 Kinder unter drei Jahren fehlen in Deutschland nach einer neuen Studie Kitaplätze. Damit haben 14,2 Prozent der unter Dreijährigen mit Betreuungsbedarf keinen Platz, wie eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Besonders im Westen bleibe die Lage "angespannt". 

Laut der Studie wünschen sich Eltern für insgesamt 1,1 Millionen Kinder dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz. Rund 800.000 Kinder wurden institutionell betreut. In die Berechnung des arbeitgebernahen Instituts eingeflossen, war eine repräsentative Befragung der Regierung zu den Betreuungswünschen. Das IW verwendete zudem Betreuungs- und Gesamtdaten des Statistischen Bundesamts zu Kindern.

Die Zahlen schwanken über die Jahre. Die meisten Kinder waren laut der Erhebung 2023 in institutioneller Betreuung, nämlich 857.000 Mädchen und Jungen. Bis heute sank die Zahl um 56.000. Als Hauptgrund nennt das Institut stark gesunkene Kinderzahlen. 

Die Lücken-Liste von A bis Z

Wie verbreitet es ist, dass Wunsch und Wirklichkeit bei der Kinderbetreuung auseinanderklaffen, hängt vom Wohnort ab. In Ostdeutschland haben laut Studie 7,3 Prozent der Kinder unter drei mit Bedarf keinen Platz - in Westen 15,6 Prozent.

In Nordrhein-Westfalen fehlen demnach zum Beispiel 85.000 Plätze. Damit gehen im bevölkerungsreichsten Bundesland 18 Prozent der Kinder, für die es Bedarf gibt, leer aus. In den Ländern mit den anteilsmäßig größten Lücken, Bremen, Rheinland-Pfalz und im Saarland, fehlt es laut der Studie für jeweils knapp 19 Prozent der Kinder unter drei an Plätzen. In der Hauptstadt Berlin schrumpfte die Lücke innerhalb von fünf Jahren um fast vier Prozentpunkte auf 10,6 Prozent. 

Für wie viel Prozent aller Kinder unter drei mit Betreuungsbedarf fehlt in den einzelnen Ländern also ein Betreuungsplatz? Das zeigt diese Liste der Betreuungslücken (alphabetisch): 

In Baden-Württemberg sind das 13,6 Prozent; in Bayern 12,8; Berlin 10,6; Brandenburg 6,1; Bremen 18,9; Hamburg 8,9; Hessen 16,8; Mecklenburg-Vorpommern 4; Niedersachsen 16,3; NRW 18; Rheinland-Pfalz 18,7; Saarland 18,5; Sachsen 6,3; Sachsen-Anhalt 4,3; Schleswig-Holstein 13,4 und in Thüringen 8,2 Prozent.

Collage mit Porträts von Merz, Klingbeil, Söder und Reiche

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Ins Verhältnis gesetzt, hat das IW hierbei die Zahl der Eltern, die nach eigenen Angaben Betreuungsbedarf haben, mit der Zahl der betreuten Kinder.

Abbau Ost prognostiziert

Das Institut macht auf Rückgänge im Osten aufmerksam. "Hier ist die Zahl der unter Dreijährigen seit 2019 mit einem Rückgang um fast 20 Prozent regelrecht eingebrochen", schreibt das IW. Das habe auch zu einem starken Rückgang des Bedarfs geführt, wenn sich rechnerisch im Osten auch immer noch eine Lücke von 25.000 Plätzen ergibt.

IW-Experte Wido Geis-Thöne prognostizierte, dass in den Ostländern wohl künftig Kita-Plätze abgebaut würden. Ein Rückbau der Kapazitäten scheine "unausweichlich", so die Studie. Die Forscher mahnen, die Gebäude und Orte so zu erhalten, dass sie in Zukunft bei Bedarf wieder in Betreuungseinrichtungen umgewandelt werden können. Eignen könne sich dafür eine Nutzung als Jugendtreffs oder Vereinsheime. 

Der Bildungsökonom forderte Anstrengungen für gute Kita-Qualität. Heute seien vor allem in Ostdeutschland die Gruppen oft zu groß. Generell gilt laut Geis-Thöne: "Gerade für Kinder aus bildungsfernen Haushalten ist der Besuch einer Kita entscheidend für den weiteren Bildungsweg." 

Rück- und Ausblick 

Vergangenes Jahr fehlte es laut der IW-Vorgängerstudie an 306.000 Kita-Plätzen für Kinder unter drei; für 13,6 Prozent der Kinder mit Bedarf gab es keinen Platz. Insgesamt schreite der Ausbau von Betreuungsplätzen in Deutschland "derzeit kaum voran", hieß es damals. Auch diesmal forderte das IW, die Politik müsse vor allem im Westen den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur weiter vorantreiben.

IW-Studien zur Kinderbetreuung Kita im Fokus des Arbeitgeberverbands BDA

dpa

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