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Bis zu 300 Euro mehr: Manuela Schwesig stellt "Familienarbeitszeit" vor

In Deutschland sind Familie und Beruf oft immer noch schwer vereinbar. Mit einer neuen "Familienarbeitszeit" will Manuela Schwesig dem Missstand entgegenwirken und die SPD für den Wahlkampf rüsten. Doch ihre Pläne sind schon einmal gescheitert.

Porträt der SPD-Politikerin Manuela Schwesig

Um die "Familienarbeitszeit" durchzusetzen, muss Manuela Schwesig nicht nur ihre eigene Partei überzeugen

Die SPD will Eltern mit kleinen Kindern und Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen entlasten. Dafür stellt Familienministerin Manuela Schwesig am heutigen Montag ihr neues Konzept "Familienarbeitszeit" in Berlin vor.

Die Familienarbeitszeit ist kein gänzlich neues Thema, schon 2016 versuchte Schwesig als stellvertretende SPD-Vorsitzende ähnliche Pläne durchzusetzen, scheiterte allerdings an der großen Koalition. Das bisherige Konzept "Familienarbeitszeit" sah vor, dass beide Eltern jüngerer Kinder ihre Arbeitszeit auf 80 bis 90 Prozent reduzieren können. Das würde eine Wochenarbeitszeit von 28 bis 36 Stunden bedeuten. Zum Ausgleich für den Verdienstausfall sollen sie ein "Familiengeld" von zusammen bis zu 300 Euro erhalten.

Deutschland hat Nachholbedarf

Jetzt soll das Konzept erweitert werden. "Ich möchte die Familienarbeitszeit ausweiten auf die Familien, die zu Hause ihre Eltern oder Geschwister pflegen und ihre Arbeitsstunden reduzieren möchten", sagte Schwesig "Spiegel Online".

Studien zufolge übernehmen Frauen immer noch den größten Teil der Hausarbeit und reduzieren nach der Familiengründung ihre Arbeitszeit deutlich, während Männer fast ausschließlich weiter Vollzeit arbeiten. Die Konsequenz daraus ist, dass nach OECD-Angaben in Deutschland bei Paaren mit mindestens einem Kind nur 22,6 Prozent zum Familieneinkommen beisteuern. Das ist der schlechteste Wert von 15 ausgewählten Ländern.

Manuela Schwesig hat die Wirtschaft gegen sich

Nach einer Allensbach-Studie sind vor der Geburt des ersten Kindes 71 Prozent der Paare in Vollzeit erwerbstätig, nach Geburt und Elternzeit nur noch 15 Prozent. Viele Frauen bleiben dann in Teilzeit, Männer in Vollzeit. Auch bei der häuslichen Pflege von Angehörigen sind Frauen mehr engagiert als Männer.

Die Wirtschaft lehnt die Pläne der SPD ab, weil sie Verluste in Milliardenhöhe befürchtet. "Leider erweist sich eine scheinbar gute Idee aus dem Familienministerium, wenn man genau hinguckt, als verheerend", sagte vor einiger Zeit Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Wenn etwa ein Ingenieur in der Industrie seine Arbeitszeit von 35 auf 28 Stunden reduziere, nütze es dem Betrieb nichts, wenn seine Partnerin anderswo entsprechend mehr arbeite.


sve / DPA