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Satiriker: Hammer, Sichel und Hakenkreuz-Binde: Martin Sonneborn zerlegt die Hufeisentheorie

Eine moderate Mitte, links und rechts die Extremisten - so stellt sich die Hufeisentheorie die politische Welt vor. Nach der Wahl in Thüringen wird das Bild immer wieder benutzt. Der Satiriker und EU-Parlamentarier Martin Sonneborn nimmt sich nun in einem Video die Theorie zur Brust.

Martin Sonneborn

"Liebe Extremistinnen und Extremisten an den Geräten" - so beginnt Martin Sonneborn mit Hakenkreuzbinde auf dem linken und Hammer und Sichel auf dem rechten Arm sein provokantes Video zur sogenannten Hufeisentheorie. Die These von der politischen Mitte und den extremistischen Rändern, wird, so hofft der seit Jahren im EU-Parlament sitzende Satiriker, als "erbärmlichstes politisches Analyse-Angebot des 21. Jahrhunderts in die Geschichte der Demokratie eingehen".

Anlass ist natürlich die Wahl in Thüringen, "dem Kernland von Rostbratwurst und nationalsozialistischer Machtergreifung". Dort hat sich, so Sonneborn, "ein windiger AFDP-Friseur mit Cowboy-Stiefeln und voller Absicht aus Versehen zum Ministerpräsidenten wählen lassen." Das sei aber nicht das erste Mal passiert, mahnt Sonneborn: Auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe sich um die Stimmen von Rechtsradikalen - der polnischen PIS und des ungarischen Machthabers Orban - bemüht, um sich ins Amt wählen zu lassen.

+++ Mehr über die Vorgeschichte und das umstrittene Entstehen von Sonneborns Clip erfahren Sie hier +++ 

"Geistreicher wird es nicht"

Seit der Wahl in Thüringen wird immer wieder die Hufeisentheorie bemüht, um eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zum Tabu zu erklären. Die gute Mitte gegen die bösen Ränder, so fasst Sonneborn "das lustige kleine Theorem" zusammen. "Das war's auch schon. Geistreicher wird es nicht." Für differenziertes Denken über eine komplexe Welt lasse die von "Neurechten aus dem Verfassungsschutz" erdachte Theorie keinen Platz. "Hufeisentheorien mögen auf der Trabrennbahn von Nutzen sein, als vereinfachende Welterklärungsformeln sind sie vollkommen ungeeignet", bringt Sonneborn sein Problem mit der umstrittenen Theorie auf den Punkt.

"Wenn man AFD und Linkspartei neuerdings also gleichsetzen muss, gilt das dann auch für Hitler und Stauffenberg, AKK und PKK, Trichlorethylen und Tick, Trick und Track?", fragt Sonneborn rhetorisch. Das Hufeisen erkläre politische Parteien zu Extremisten, die es nicht seien - und verniedliche gleichzeitig den Faschismus. Zudem würden radikale Positionen in der Mitte, etwa "der neoliberale Marktextremismus der Spaßpartei FDP" oder "der extreme Pragmatismus von Olaf Scholz, angeblich SPD" unterschlagen.

Die linke CDU

Um zu zeigen, wie wenig extremistisch die aktuellen Positionen der Linken sind, zitiert Sonneborn: "Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden." Der Clou: Der Satz stammt nicht von der Linken - sondern aus dem 1947 beschlossenen Ahlener Programm der CDU.

Zu den Rechten meint er sich nicht groß erklären zu müssen. Über die "verf***ckte AFD" sei mittlerweile genug geschrieben worden, klagt Sonneborn. "Was ist das eigentlich für ein Land geworden, in dem einem auf Anhieb fünf gefährliche Rechtsextremisten einfallen - aber kein einziger gefährlicher Linksextremist? Außer Johannes Kahrs."

Sollte trotzdem noch jemand die  Linke und die "Piieeep AFD" gleichsetzen, würde er irgendwann persönlich eine extremistische Linkspartei gründen, den Planeten mit einem kommunistischen Terrorregime überziehen, alle Reichtümer nach unten (und an sich) verteilen, Waffenfirmen verbieten und SUV-Fahrer an den Pranger stellen. "Und das, liebe Freunde der Hufeisentheorie, wäre dann das echte Korrelat zu den Faschisten, die Sie auf der anderen Seite Ihrer unterkomplexen Weltsicht finden."

Quelle: Youtube

mma