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Politik-Rückkehr nach Bilfinger-Aus: Roland Koch ist willkommen, wird aber nicht gebraucht

Kaum ist Roland Koch bei Bilfinger gescheitert, wird über eine Rückkehr des früheren hessischen Ministerpräsidenten in die Politik spekuliert. Namhafte Unionspolitiker sind dafür.

Als Roland Koch 2011 ohne Umwege aus der Wiesbadener Staatskanzlei in die Vorstandsetage des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger wechselte, war das ein Coup. Aus dem hessischen Landesvater wurde ein hochrangiger Wirtschaftsmanager - sicherlich auch als Ausweg aus der politischen Sackgasse, in der er steckte, weil eine gewisse Angela Merkel höheren Ambitionen im Weg stand. Drei Jahre später ist Koch bei Bilfinger gescheitert. Er habe zu viel in zu kurzer Zeit gewollt, heißt es in den Bewertungen. Führt sein Weg nun zurück in die Politik?

In Kochs Partei, der CDU, würde der frühere hessische Landesvorsitzende jedenfalls mit offenen Armen empfangen. "Koch könnte mit Sicherheit auch die Partei wieder mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten bereichern", sagt Stanislaw Tillich, Partei-Vize und Ministerpräsident von Sachsen. "Ob er eine neue Chance auf eine politische Laufbahn sieht, mag ich nicht beurteilen. Das hängt in erster Linie von ihm selbst ab."

Roland Koch ist bei Bilfinger gescheitert. Soll er in die Politik zurückkehren?

"Ich wünsche es mir, für die Union"

Dass es allein Kochs Entscheidung ist, ob er seine Polit-Karriere fortsetzen möchte oder nicht, betonen alle, die sich äußern. Auch CSU-Chef Horst Seehofer. Aber: "Ich wünsche es mir, für die Union und für ihn", so Seehofer. Er habe Koch immer geschätzt, er sei ein außerordentlich kluger Kopf. "Über ein politisches Comeback, in welcher Form auch immer, würde ich mich freuen", sagt Joachim Pfeiffer, der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion. "Sein politischer und wirtschaftlicher Sachverstand wäre für die gesamte Union eine große Bereicherung."

So oder ähnlich klingen die meisten Äußerungen der politischen Weggefährten Kochs. Allerdings: Ohne politisches Amt dürfte eine Rückkehr schwer werden. Koch war vor seinem Wechsel zu Bilfinger als Hessens Ministerpräsident zurückgetreten und als stellvertretender CDU-Chef bei der folgenden Bundesvorstandswahl nicht wieder angetreten. Ihm folgte auf beiden Posten Volker Bouffier aus Hessen nach. Diese Ämter sind also besetzt.

Koch wird nicht regelrecht gebraucht

Koch gehörte zu den CDU-Politikern, deren Parteikarriere wegen Merkels Stärke an der Spitze auf lange Sicht für ausgeschöpft gehalten wurde. 1999 war auch der hessische Landesverband in die CDU-Spendenaffäre verwickelt, in deren Verlauf Koch zugeben musste, zu den Hintergründen gelogen zu haben.

In der Union hat Koch oft die Themen der Konservativen besetzt, was für die Vielfalt der Partei als wichtig galt. Sein Ausscheiden aus der Politik war in diesen Kreisen bedauert worden. Befürchtungen wurden laut, der konservative Flügel der CDU werde geschwächt. Das wird inzwischen aber nicht mehr so gesehen. Bei aller Freundlichkeit widersprach Stanislaw Tillich dementsprechend auch dem möglichen Eindruck, Koch werde regelrecht gebraucht, um das konservative Profil der Partei abzudecken. "Es ist in der CDU kein Thema, dass es an Persönlichkeiten fehlen würde", so Tillich.

"Politik ist nicht mein Leben"

Koch selbst hat sich bisher noch nicht zu seiner Zukunft geäußert. An diesem Freitag soll er offiziell bei Bilfinger ausscheiden. Bei seinem Wechsel ins Unternehmen vor vier Jahren sagte Koch, Politik sei ein faszinierender Teil seines Lebens, "aber Politik ist nicht mein Leben".

dho/Reuters/DPA / DPA / Reuters