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NSU-Prozess: So lebt Beate Zschäpe in der Untersuchungshaft

Im NSU-Prozess hat eine Beamtin über Beate Zschäpes Leben in der Justizvollzugsanstalt ausgesagt. Der psychiatrische Gutachter sieht das Auftreten der mutmaßlichen Rechtsterroristin als typisches Verhalten.

Ein Sachverständiger erstellte ein psychiatrisches Gutachten von Beate Zschäpe

Ein Sachverständiger erstellte ein psychiatrisches Gutachten von Beate Zschäpe

Beate Zschäpe verhält sich in der Untersuchungshaft "unauffällig, freundlich, korrekt und höflich". Das sagte eine Beamtin der Justizvollzugsanstalt Stadelheim aus. Unterstützung erhält die mutmaßliche Rechtterroristin von außerhalb: Wie die Beamtin berichtet, bekommt Zschäpe "mal 100, mal 200 Euro" zugeschickt. Das Geld soll nicht nur von nahen Angehörigen stammen. 

Auch eine dritte Person unterstützt Zschäpe nach Angaben der JVA-Beamtin regelmäßig. Einen Namen nannte sie nicht. Es könnte sich aber um einen Mann handeln, der auf Facebook und Twitter "Freiheit für Bea" fordere und ausländerfeindliche Gesinnung äußere, vermutet Thomas Bliwier, Anwalt der Nebenklage.

Psychiatrisches Urteil: Besondere Anpassungsfähigkeit

Das berichtete Verhalten der angeklagten überraschte den Sachverständigen Henning Saß nicht. Er bewertete die Aussage der Beamtin am Mittwoch auf Wunsch des Gerichts. Nach einer psychiatrischen Begutachtung Zschäpes gehöre es aus seiner Sicht zu Zschäpes "besonderen Fähigkeiten", dass sie sich "sehr gut kontrolliert und der jeweiligen Situation anpassen kann". Sie sei auch über viele Jahre zu "Camouflage" in der Lage, sagte Saß unter Hinweis auf die fast 14 Jahre, die Zschäpe zusammen mit den mutmaßlichen NSU-Mördern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund lebte. Er sei darum nicht überrascht, dass sie in der JVA nicht auffalle.

Die psychiatrische Begutachtung der mutmaßlichen Rechtsterroristin ist anschließend abgeschlossen worden. Keine der Prozessparteien widersprach am Mittwoch der Entlassung von Henning Saß. Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger Zschäpes kündigten allerdings einen Antrag gegen die Verwertung des Gutachtens für das Urteil an.

Verteidiger könnten Gegengutachten verlangen

Saß hatte Zschäpe am 17. Januar volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Unter bestimmten Bedingungen könne sie auch in Zukunft noch als gefährlich gelten. In den folgenden Wochen richteten vor allem Zschäpes Verteidiger zahlreiche Nachfragen an den Sachverständigen.

Offen ist, ob Zschäpes Verteidigung noch ein Gegengutachten vorlegen wird, das sich kritisch mit der Methodik des Sachverständigen befassen soll. Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger hatten es mehrmals in Aussicht gestellt. Zschäpe hatte zudem über ihre Wahlverteidiger eine Besuchserlaubnis für den Freiburger Psychiater Joachim Bauer beantragt. Darüber hat das Oberlandesgericht München aber noch nicht entschieden.

Den Verhandlungstermin am Donnerstag sagte das Gericht ab. Der Mammutprozess soll nun nach den bayerischen Faschingsferien am 7. März fortgesetzt werden.

fri / DPA