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SPD-Personal: Durchgesickerte Ministernamen - wie sich die SPD mal wieder selbst ein Bein stellte

Die Verkündung der SPD-Ministerriege sollte der Partei Rückenwind für die GroKo geben. Blöd nur: Vorher waren längst alle Namen durchgesickert. Kein Wunder, dass ein paar Sozialdemokraten deswegen ziemlich genervt sind.

Die Ministerriege der SPD

Bei ihrer Präsentation im Willy-Brandt-Haus waren die Namen der SPD-Minister in der Großen Koaliton längst ein offenes Geheimnis

Getty Images

Irgendwann hatte einfach den Kaffee auf. Den ganzen Tag über war seine Partei wieder in aller Munde. Nun ist das für einen Sozialdemokraten in diesen Zeiten nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. Schließlich war man gerade erst in Umfragen auf die Marke von 16 Prozent abgestürzt.

Doch was Kühnert so genervt hat: Wieder einmal bestimmten die -Personalentscheidungen die Schlagzeilen - und das bereits einen Tag, bevor das Tableau offiziell verkündet werden sollte.

Namen der SPD-Minister waren längst durchgesickert

"Ist morgen um 9 Uhr wie geplant Parteivorstandssitzung oder machen wir 'nen Umlaufbeschluss auf @SPIEGELONLINE? Frage für einen Freund.#SPD", twitterte der Juso-Vorsitzende und engagierte GroKo-Gegner am Nachmittag.

Grund für Kühnerts Sarkasmus: Den ganzen Tag über waren bereits die Namen der mutmaßlichen SPD-Kandidaten für einen Ministerposten in der GroKo durchgesickert. Oder soll man sagen: durchgestochen?

Den Anfang machte höchstpersönlich. "Andrea Nahles und Olaf Scholz haben mich heute darüber unterrichtet, dass ich der nächsten Bundesregierung nicht mehr angehören werde", schrieb der Noch-Außenminister am Donnerstagmorgen in einer Erklärung auf Facebook und Twitter. Später verkündete auch Barbara Hendricks ihren Rückzug aus dem Umweltressort in einem Interview mit der "Rheinischen Post".

Da war allerdings schon ein anderer SPD-Name in aller Munde: Franziska Giffey, die von mehreren Medien übereinstimmend als neue Familienministerin ausgemacht worden war. Und zu guter Letzt fiel am Mittag bei schon der Name Heiko Maas als Gabriel-Nachfolger im Außenamt.

Nun kann niemand den Journalisten vorwerfen, dass sie ihren Job machen. Möglichst früh herauszufinden, wer was wird im Kabinett, gilt an solchen Tagen beinahe als sportliche Disziplin unter Hauptstadtkollegen. Erstaunlich dabei ist lediglich, wie leicht es in diesen Zeiten ist, der SPD ihre Geheimnisse zu entlocken. Und wie ungeschickt die Parteispitze den Personaldiskussionen selbst Vorschub leistete.

Dilemma begann bereits mit der Personalie Martin Schulz

Das Dilemma begann bereits unmittelbar nach den Koalitionsverhandlungen mit dem Hickhack um Martin Schulz. Rein ins Außenamt, tags drauf wieder raus aus dem Außenamt. Das wiederum führte zu der wabernden Diskussion um Amtsinhaber Sigmar Gabriel. Der zwar super Umfragewerte hat, dafür aber bei und Nahles unten durch ist. Zwischendurch brachte sich zu allem Überfluss noch Katarina Barley mit einem karnevalistischen Aschermittwochsvorstoß in Position.

Höhepunkt der SPD-Öffentlichkeitsarbeit der SPD-Spitze war am Sonntag die Verkündung des Mitgliedervotums. Dort hatte man extra Maßnahmen getroffen, um ein vorzeitiges Durchstechen des Ergebnisses zu verhindern. Und was passiert? Während die anwesenden Journalisten im Willy Brand Haus auf Olaf Scholz und Schatzmeister Dietmar Nietan warteten, piepsten ihnen auf Twitter die Eilmeldungen ihrer Redaktionen um die Ohren, weil eingeweihte Sozialdemokraten die Vertraulichkeit nicht wahren konnten.

Und am Donnerstag nun das gleiche Spiel mit der Ministerliste. Knapp eine halbe Stunde vor der offiziellen Verkündung war auch der Name Hubertus Heil kein Geheimnis mehr.

 

Kühnert steht mit seinem Spott nicht allein

Kein Wunder, das Kevin Kühnert die Faxen dicke hatte. Auch der stellvertretende Landesvorsitzende in Baden-Württemberg, Lars Castelluci, kritisierte das vorzeitige Durchsickern von Informationen. "Ich bin in Florenz und dank Spiegel Online genauso gut informiert wie die Kolleginnen und Kollegen, die zur Sitzung nach Berlin anreisen", schrieb er auf Twitter.

Und zu allem Überfluss gab es auch noch Spott von den Journalisten.

Wie es anders geht, macht den Sozialdemokraten einmal mehr Angela Merkel vor. Sie verkündete gar nicht erst einen Termin, wann sie ihre neue Ministerriege vorstellen will, sondern machte sie einfach publik. Und landete mit der überraschenden Berufung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Generalsekretärin einen echten Coup. Zumindest war davon einen Tag vorher noch nichts auf irgendwelchen Online-Newsseiten zu lesen gewesen.