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Abservierter Außenminister: "Sigmar Gabriel ist ne dufte Type": So reagieren SPD-Politiker auf seinen Wutausbruch

Die Große Koalition hat einen großen Verlierer: Noch-Außenminister Sigmar Gabriel, der seine Absetzung durch SPD-Parteichef Martin Schulz scharf kritisiert. Erste Sozialdemokraten melden sich zu Wort.

Reaktionen zu Gabriel-Wut: "Aber der Onkel hat gesagt, ich darf Außenminister bleiben! Menno!"

Sigmar Gabriel ist gewissermaßen entsetzt. Der kommissarische Bundesaußenminister wird der künftigen Regierung wohl nicht mehr angehören - womit er selbst offenbar nicht gerechnet hat. "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", sagte Gabriel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Welches Versprechen er meint, sagte er nicht. Es wird kolportiert, dass Schulz ihm angeblich für den Fall einer neuen Großen Koalition versprochen hat, dass er das Außenamt behalten darf. Schulz hatte am Mittwoch erklärt, dass er selbst Außenminister werden will, obwohl er nach der Wahl ausgeschlossen hatte, in ein Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einzutreten. Gabriel droht damit der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit. An der Basis wächst die Kritik. Warum der scheidende Bundesaußenminister nun doch an der Münchner Sicherheitskonferenz in der kommenden Woche teilnimmt, ist bislang unklar. Am Donnerstag hieß es noch, Gabriels Teilnahme sei nicht geplant.

Nun haben sich erste SPD-Politiker zu Gabriels Ausscheiden im Allgemeinen und auch zu seiner Generalabrechnung im Besonderen geäußert. Teilweise verständnisvoll, teilweise schwammig - und teilweise harsch. Die Übersicht.

Olaf Scholz: "Es geht um die Sache"

Ausgerechnet "Heute Journal"-Moderatorin Marietta Slomka, die Politiker durch ihr hartnäckiges Nachfragen "slomkat", wurde nun "gescholzt": Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister und heißer Anwärter auf das Amt des Bundesfinanzministers sowie des Vizekanzlers, ließ sich nicht aus seiner hanseatischen Ruhe bringen. Er bestritt am Donnerstagabend die Möglichkeit eines Bruchs mit Gabriel: "Das hoffe und glaube ich nicht, dass das so ist. Sigmar Gabriel hat als Parteivorsitzender Hervorragendes geleistet und zuletzt auch als Außenminister", beschwichtigte der 59-Jährige im ZDF.  

Bei der SPD werde ein guter Umgang miteinander gepflegt. "Und das Wichtigste ist, dass alle, die als Person in der Politik aktiv sind, immer einen Blick dafür behalten, dass es um die Sache geht - und in diesem Fall ist das unser Land." Scholz nannte Schulz' Schritt unter Verweis auf dessen außenpolitische Erfahrung als Ex-EU-Parlamentspräsident "eine sehr nachvolziehbare Entscheidung". Eine Belastung für das Mitgliedervotum sieht er darin nach eigenem Bekunden nicht. Auf die Frage danach antwortete er: "Ich bin überzeugt, dass sich die Mitglieder an dem orientieren, was für die Bürgerinnen und Bürger des Landes erreicht wurde." 


Lars Klingbeil: "Wir haben ein gutes Ergebnis"

Bedeckt hielt sich SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Auch er sieht trotz des internen Unmuts über den geplanten Wechsel von Parteichef Martin Schulz auf den Posten des Außenministers keine Gefahr für das Mitgliedervotum über die Große Koalition. "Nein", sagte Klingbeil der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, ob die Personalie zur Belastung dabei werde. Es gehe um Inhalte. "Wir haben ein gutes Ergebnis mit überzeugenden sozialdemokratischen Inhalten verhandelt. Ich bin zuversichtlich, dass die Mehrheit der SPD-Mitglieder das auch so sehen wird."

Ralf Stegner: "Für alles andere habe ich wenig Verständnis"

Nach der heftigen Kritik des scheidenden Außenministers warnte Ralf Stegner vor Personaldebatten im Vorfeld des Mitgliedervotums. "Zurück zu den Inhalten, und dann werden die Positionen besetzt - das ist die richtige Reihenfolge", so der stellvertretende SPD-Vorsitzende am Freitag zum NDR. "Ich glaube, dass wir gut beraten sind, darüber zu reden, um was es jetzt wirklich geht. Das ist die Zukunft Deutschlands und die Fragen, die in dem Koalitionsvertrag mit der Union eine Rolle spielen", fügte er hinzu. Der Landeschef der schleswig-holsteinischen SPD sagte, dass es vor dem Mitgliedervotum zur Neuauflage der Großen Koalition nur um die inhaltlichen Fragen gehen sollte. "Für alles andere habe ich wenig Verständnis."

Mike Groschek: "Ich kann die Gefühlswallung verstehen"

Kurz, aber klar äußerte sich der Chef des größten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen: "Es gibt Diskussionen um die Glaubwürdigkeit." Dem müssten sich Schulz und der gesamte Parteivorstand vor dem Mitgliederentscheid stellen, so Mike Groschek. "Ich kann die Gefühlswallung und manche Faust auf dem Tisch verstehen."

Mit Spannung werden die sieben Regionalkonferenzen erwartet, bei denen Schulz und Nahles um die Zustimmung der Basis für den Koalitionsvertrag mit der Union werben wollen. Gibt es dort viel Unmut und zeichnet sich ab, dass auch wegen dieser Personalie das Ergebnis negativ ausfallen könnte, dürfte der Druck wachsen, den Personalplan noch einmal zu überdenken. 

Ulrich Kelber: "Sigmar Gabriel ist ne dufte Type"

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Ulrich Kelber (SPD), hat Verständnis für die heftige Kritik des scheidenden Außenministers Sigmar Gabriel an der SPD-Führung, hält dessen Wortwahl aber für falsch. "Sigmar Gabriel ist ne dufte Type. Er ist nicht einfach, weil er auch mal schnell rumpoltert", sagte Kelber am Freitag dem Radiosender Bayern 2. "Ich kann seinen Frust verstehen. Ich hätte an seiner Stelle aber nicht die gleiche Wortwahl und den gleichen Weg getroffen."

Hilde Mattheis: "Auf inhaltliche Debatte konzentrieren"

Die Äußerungen der SPD-Führung über Ministerämter kämen zur Unzeit, da könne man schon seinen Unmut kundtun, äußerte auch die SPD-Linke Hilde Mattheis bei NDR Info Verständnis für Gabriel. "Wir müssen uns jetzt alle auf die inhaltliche Debatte konzentrieren." Der Mitgliederentscheid dürfe nicht von Personalentscheidungen überlagert werden. Zu Schulz und seiner designierten Nachfolgerin Andrea Nahles sagte die GroKo-Gegnerin: "Es geht nicht, wenn zwei Leute sich an der Parteispitze zusammensetzen und sagen, wir teilen jetzt die Partei unter uns auf."

Sören Bartol: "Kein Bock auf Mimimimi"

SPD-Fraktionsvize Sören Bartol meldete sich via Twitter zu Wort: "Leute! Jetzt mal Schluss mit der Selbstzerfleischung! Wir haben verdammt viele Inhalte durchgesetzt und wichtige Ministerien rausgehandelt, um unsere Inhalte auch durchzusetzen! Ich will jetzt mit meiner SPD über diese Inhalte diskutieren. Kein Bock auf Mimimimi"

Thomas Oppermann: "Damit muss er sich abfinden"

Der frühere Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann, der sein Amt an Andrea Nahles verloren hatte, sagte dem ZDF mit Blick auf Gabriel: "Ämter werden nur auf Zeit vergeben. Damit muss er sich abfinden, und ich glaube, das schafft er auch."

fs / DPA / AFP