VG-Wort Pixel

"Maischberger. Die Woche" Virologin Melanie Brinkmann: "Am besten, wir würden alle zu Hause bleiben - ab heute"

Sehen Sie im Video: Sieben spannende Fakten über Sandra Maischberger und ihre erfolgreiche Talkshow.


Moderatorin Sandra Maischberger ist eines der bekanntesten Gesichter im deutschen Ferhsehen. Das sind sieben spannende Fakten über die Moderatorin und ihre Talkshow:
Gleich nach dem Abitur stürzte sie sich ins Arbeitsleben: Nach ihrem Abitur stürzt sie sich ins Berufsleben und arbeitet für den Bayrischen Rundfunk. Parallel dazu absolviert Maischberger die Deutsche Journalistenschule in München.
Seit 2003 moderiert sie ihre eigene Talkshow in der ARD, die heute "Maischberger. Die Woche" heißt.  
Fünf bis sechs Gäste diskutieren über aktuelle und kontroverse Themen. 
"Wenn wir unterschiedliche Sichtweisen beleuchten, hat sich die Anstrengung gelohnt – also wenn Zuschauer erkennen, dass man eine Sache auch ganz anders sehen kann." (ggü. Hannoversche Allgemeine) 
Vor dem Hintergrund kontroverser Themen geriet Maischberger auch schon in Kritik: Maischberger gehört mit ihrer eigenen Produktionsfirma auch zu den Spielfilm-Produzenten. 2019 erschien das Kinodrama "Nur eine Frau". Maischbergers gemeinnütziger Verein "Vincentino" fördert Kulturprojekte an Berliner Schulen. Neben journalistischen Auszeichnungen, erhielt sie 2013 das Bundesverdienstkreuz.





Mehr
Kommt nun der rigorose Lockdown? Virologin Melanie Brinkmann rät bei "Maischberger. Die Woche" dringend dazu. Von dem Rumeiern der Politiker hat sie inzwischen genug.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Was hilft? "Können Sie Menschen verstehen, die sich Glühwein hinter die Binde gießen wollen?", fragt Sandra Maischberger den zugeschalteten Bundesgesundheitsminister. Ja, sagt Jens Spahn, das könne er. Noch vor knapp zwei Wochen erklärte Manuela Schwesig bei ZDF-Kollegin Maybrit Illner, die Pause an Weihnachten und zwischen den Jahren sei wegen des "sozialen Friedens und Zusammenhalts" notwendig. Nun aber steht da eine Zahl: Binnen 24 Stunden sind 590 Menschen in Deutschland an oder mit Corona gestorben. Und angesichts dessen mehren sich die Forderungen nach einem harten, bundesweiten Lockdown unmittelbar nach Weihnachten. Wobei: Steht das jetzt fest? Oder ist's morgen wieder anders?

Sehen Sie im Video: Höchststand bei Corona-Toten und Intensivfällen – Mediziner: "Lockdown-Light ist gescheitert"

Antworten auf diese Fragen von Sandra Maischberger gaben:

  • Virologin Melanie Brinkmann
  • Siemens-Chef Joe Kaeser
  • Gesundheitsminister Jens Spahn (zugeschaltet)

Sowie als Kommentatoren:

  • Dagmar Rosenfeld (Die Welt)
  • Ingo Zamperoni (ARD-Tagesthemen)
  • Peter Zudeick

So wie wir alle in den letzten Wochen und Monaten gelernt haben, was ein Inzidenzwert ist und was ein exponentielles Wachstum, so wissen wir auch, dass die Maßnahmen 10 bis 14 Tage benötigen, um ihre Wirkung zu zeigen. Wie also erklärt sich, dass, kaum sind Beschlüsse gefasst, diese über den Haufen geworfen und schon die nächsten Strategien besprochen werden? Die Erklärung "das Virus ist neu" kann hier nicht ausreichend sein. Und: Wird überhaupt an den richtigen "Schrauben" gedreht? Für Politiker wie Markus Söder ist der Fall klar. Es habe sich, wie er neulich mahnte, "der Schlendrian eingeschlichen". Damit sind wir, die Bürger, gemeint. Ohne Belege anzugeben, nennt Spahn etwa dieses Beispiel: das Gedränge der Menschen in den Shopping-Malls. "In den Geschäften gibt es kein großes Infektionsrisiko, aber auf dem Weg dorthin."

Allein: Vielleicht liegt der "Schlendrian" aber auch woanders. Maischberger verweist, und da lässt sie Spahn nicht so schnell vom Haken, auf das Problem, das auch das RKI immer wieder thematisiert: Personal, Besucher und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen müssen konsequenter getestet werden. Dort ereigneten sich, so Maischberger, zum einen 60 Prozent der Todesfälle und zum anderen seien 70 Prozent aller Menschen, die an oder mit Corona sterben, in der Alterskategorie 70 plus. Maischberger zu Spahn: "Warum sind Sie nicht in der Lage, Ältere so zu schützen, wie Sie es angekündigt haben?" Der Minister verweist auf die Schnelltests, die zudem seit Oktober vom Bund übernommen würden. Maischberger wiederum zeigt auf, dass monatelang geschlafen wurde: "Das hatte keinen durchschlagenden Erfolg." Spahn weicht weiter aus, verweigert sich selbstkritischen Aussagen, und hält sich dann an einem – nun auch nicht mehr neuen - Argument fest: "Diese Gruppe wird besonders geimpft."

Melanie Brinkmann: "Die Politik betreibt Wischi-Waschi"

Was die Politik betreibe sei "Wischi-Waschi", urteilt Melanie Brinkmann. Die Virologin ist zu einem Einzelgespräch mit der Moderatorin direkt ins Studio gekommen. Und bekundet, immer noch die Hoffnung zu haben, dass Wissenschaft von der Politik endlich gehört werde. Auch wenn sie zwischendurch so ihre Zweifel gehabt hätte. Denn: "Über den Sommer hinweg wurde zu wenig getan." Dabei sei klar gewesen, dass die zweite Welle bevorstehe. "Und nun stehen wir da vor dem Scherbenhaufen." Wir hätten einen "falschen Blick auf leere Intensivbetten." Denn: "Die Dynamik ist so rasant." Ergo gäbe es aus ihrer Sicht keine andere Option: "Wir brauchen einen harten Lockdown." Und zwar nicht irgendwann. Es wäre, so Brinkmann, am besten, "wir würden alle zu Hause bleiben – ab heute".

Sehen Sie im Video: "Es tut mir von Herzen leid" – Merkel appelliert emotional wie selten für Corona-Maßnahmen.

Maischberger verweist unter anderem auf den Anstieg psychischer Erkrankungen und auf die häusliche Gewalt, die gerade auch Kindern drohe. Daher seien die Empfehlungen der Virologin" der Todesstoß". Brinkmann besteht darauf: Je härter der Lockdown, desto kürzer die Spanne, in der weiterer Schaden entstehe. Überdies seien Schulen, Universitäten und viele Betriebe in der Weihnachtszeit ohnehin geschlossen. Zudem appelliert Brinkmann: "Runter auf 50 reicht nicht – wir müssen weiter runter." Idealer Grenzwert: 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Denn: 50 sei zu nahe am Kipppunkt, an dem die Gesundheitsämter nicht mehr hinterherkommen würden. Ohnehin, und hier wären wir wieder beim "Schlendrian", siehe oben: "Wir haben über die letzten Jahrzehnte die Gesundheitsämter kaputtgespart."

Jens Spahn: Impfungen für alle spätestens im dritten Quartal"

Wie steht's um die Impfstoff-Menge? Die Bundesregierung, so heißt es, kalkuliert bis Ende März mit sieben Millionen Impfdosen von Biontech und Moderna. Zu wenig? Spahn widerspricht der von Maischberger genannten Zahl – die übrigens bereits nachrichtlich vermeldet wurde – und sagt: "Das ist nicht die Zahl fürs Quartal, sondern für Januar." Die Moderatorin ist überrascht. Spahn weiter: "Spätestens im dritten Quartal kann man jedem in Deutschland eine Impfung geben, der sie haben möchte." Zu spät? Der Minister verweist auf die Solidarität mit dem europäischen Verbund. Alle Mitgliedstaaten erhalten durch die Europäischen Medizin-Agentur die Zulassung. "Wir brauchen dieses ordentliche Zulassungsverfahren."

Aber: Was wissen wir über den Impfstoff überhaupt? Auch hier erweist sich Maischberger kritisch, wenn auch nicht genug. Zum einen verweist sie auf Ärzte, die aussagten, dass man nicht viel über den Impfstoff wisse, etwa wie lange die Immunität anhalte und ob geimpfte Menschen das Virus trotzdem weitergeben könnten, erfragt aber zu wenig weitere Details, von denen die Nebenwirkungen zu den wichtigsten gehören dürften. Dass im Folgenden Brinkmann von einem "Wahnsinnserfolg" spricht und nach eigener Aussage den Menschen die Angst nehmen will, die in Bezug auf die Schnelligkeit der Impfstoffentwicklung da sei, ist nachzuvollziehen. Worauf sie ihre Überzeugung gründet, belegt sie nicht weiter – und Maischberger fragt nicht danach. So hat man letztlich: ihr Wort. Das mag dem einen reichen. Dem anderen nicht.

kng

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker