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Umfrage zur Terrorgefahr : Drei von vier Deutschen wollen Gefährder nonstop überwachen - doch ist das möglich?

Der Westen steht im Visier des Islamischen Staates: Laut einer Umfrage wollen die Deutschen ihr Verhalten deshalb aber nicht ändern. Viele wünschen sich jedoch, dass polizbekannte Gefährder rund um die Uhr überwacht werden - offenbar ist dies aber schwierig.

Mann verdeckt sein Gesicht

Mit seiner Jacke verdeckt ein Mann aus dem Umfeld der Koran-Verteilaktion "Lies" auf der Zeil in Frankfurt am Main sein Gesicht

Trotz der Terrorgefahr will die große Mehrheit der Deutschen das persönliche Verhalten nicht ändern. Entsprechend äußerten sich in einer Umfrage des Emnid-Instituts für die "Bild am Sonntag" 89 Prozent. Elf Prozent der 502 Befragten gaben an, ihr Verhalten ändern zu wollen. Neun Prozent wollen konkret Besuche von Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkten, Fußballspielen oder Konzerten einschränken.

Um Terroranschläge zu verhindern, wünschen sich 77 Prozent, dass die Polizei Gefährder rund um die Uhr beobachtet, 20 Prozent sind dagegen. Rein personell wäre das auch nicht möglich: Bei 420 derzeit bekannten Gefährdern wären allein dafür nach Expertenschätzung knapp 17.000 Beamte nötig. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte der "Bild am Sonntag" dazu: "Die vollständige Überwachung ist aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres möglich und bindet viele Ressourcen." Gefährder würden aber unregelmäßig und bei besonderen Anlässen beobachtet.

"Gefährder müssen einen stärkeren Druck spüren"

Bei der Idee, Gefährder mittels elektronischer Fußfesseln zu überwachen, sind die Deutschen gespalten: 47 Prozent der Befragten befürworten das, 48 Prozent lehnen das ab.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann droht Islamisten schon seit längerem mit dem Entzug der doppelten Staatsbürgerschaft. "Islamistische Gefährder müssen wegen des erhöhten Anschlagsrisikos in Deutschland einen stärkeren Druck spüren", sagte Herrmann der "Welt am Sonntag". Sozialarbeit oder bessere Präventionsprogramme reichten bei potenziellen Terroristen nicht aus. "Der harte Kern verachtet unsere Demokratie und die westliche Kultur. Bei ihnen muss der Staat Härte zeigen", sagte Herrmann. Dazu müsse auch "der Entzug der Staatsbürgerschaft bei Islamisten gehören, die eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen".

Bislang sind etwa 120 islamistische Kämpfer aus Deutschland in Syrien und dem Irak ums Leben gekommen. Von den rund 760 Menschen, die dort hin reisten, war jede Fünfte eine Frau, wie de Maizière der "Bild am Sonntag" sagte. Etwa ein Drittel der reisenden Dschihadisten und Unterstützer des IS und anderer extremistischer Gruppen sei zurückgekehrt. "Wir wissen von rund 70 Personen, die sich aktiv an Kämpfen beteiligt oder eine entsprechende Ausbildung absolviert haben und wieder zurück in Deutschland sind", fügte der Minister hinzu.

amt / DPA / AFP