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Umstrittener Bahnhofstiefbau: Presseschau zum Projekt Stuttgart 21

Aus Kreisen der Deutschen Bahn wird vermeldet, Stuttgart 21 habe den Stresstest bestanden. Eine Akzeptanz der Gegener scheint trotzdem in den Sternen zu stehen. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht allerdings auch Winfried Kretschmann.

Mitte Juli werden die Ergebnisse des Stresstests zum geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof offiziell vorgestellt. Schon jetzt zeichnet sich ab: Größere Änderungen sind wohl nicht erforderlich. Allerdings fehlt noch die zweite Auswertung durch unabhängige Gutachter.

Ein Überblick der heutigen Zeitungsberichte zum Thema Stuttgart 21.

"Der Tagesspiegel":

Die Bahn lässt streuen, sie habe den Stresstest für den umstrittenen Bahnhof Stuttgart 21 bestanden, sekundiert von einem grünen Minister. Ein Statement wie das vom grünen Ministerpräsidenten Kretschmann, der nach der jüngsten Eskalation aus dem Urlaub hatte mitteilen lassen, Gewalt sei inakzeptabel, reicht da nicht. Die überraschte Forderung des Regierungssprechers, die Bahn solle die Unterlagen schicken, klingt hilflos. Haben die Grünen einen Plan, wie sie mit dieser Situation umgehen wollen? Überraschend kommt das Thema wahrlich nicht. Haben sie den Koalitionspartner SPD an ihrer Seite? Auf eine Schonfrist müssen sie nicht hoffen. Das Hin und Her der vergangenen Tage spricht nicht für koordiniertes Vorgehen. Aber am Umgang mit Stuttgart 21 werden nicht nur Wähler in Baden-Württemberg die Grünen messen. Den Stresstest müssen sie bestehen.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

(.) Ministerpräsident Kretschmann wird mit diesem Ergebnis [des Belastungstests] nicht leicht umgehen können. Denn der bundeseigene Bahnkonzern sieht sich (.) zwei Projektpartnern gegenüber: der SPD, die auf dem Bauvorhaben beharrt (.); und den Grünen, deren Verkehrsminister Hermann nicht ablassen wird von der Idee, das Projekt zu verhindern, weil er das seinen Wählern versprochen hat. Dieses Versprechen könnte aber die Landesregierung finanziell und politisch noch teuer zu stehen kommen. Kretschmann hat das längst verstanden und sucht nach einem gesichtswahrenden Ausweg. (.) Die Bahn hat einen Belastungstest bestanden, den sie bestehen wollte. Bahntechnisch und rechtlich kommen die Projektgegner dagegen nur noch schwer an. Doch weitere Tests werden folgen. So schnell hört der Stuttgarter Stress nicht auf.

"Wiesbadener Kurier":

Werden die Wutbürger jetzt richtig wütend? Oder sehen sie ein, dass Emotion Argumente nicht ersetzen kann? Sollten die jüngsten Signalstellungen Bestand haben, dürfte Deutschlands umstrittenster Haltepunkt gebaut werden. So und nicht anders ist das Ergebnis des Stresstests für Stuttgart 21 zu deuten. Zwar fehlt noch der Befund der neutralen Gutachter, aber man darf getrost unterstellen, dass sich die Bahn in ihrer Simulation auf belegbare Fakten stützt und nicht wieder Öl ins gerade einigermaßen beruhigte Feuer gießt. Nähme der Tiefbahnhof in modifizierter Form Gestalt an, wäre er ein gebautes Reifezeugnis für die Streitkultur dieses Landes.

"Heilbronner Stimme":

Auch wenn die Überprüfung durch einen neutralen Gutachter noch fehlt, dürfte die entscheidende Hürde genommen sein. Es wäre ein Zeichen von demokratischer Reife, wenn man am Ende eines langen, steinigen Weges die Fakten akzeptieren würde. Dabei helfen weder Volksentscheid noch Dauerproteste: Der Weiterbau von Stuttgart 21 kommt billiger als ein 15-jähriger Stillstand in der Landeshauptstadt.

hw/DPA / DPA