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"Zentrum für politische Schönheit": "Verrohung der Gesellschaft": Antisemitismus-Beauftragter attackiert Aktionskünstler

Die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" ist für ihre Aufsehen erregenden Aktionen bekannt. Jetzt hat sie es sich mit den Juden in Deutschland verscherzt - und sich inzwischen entschuldigt.

Reichstag und Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung

Umstrittene Kunstaktion vor dem Reichstag: Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, empfiehlt, einen jüdischen Geistlichen zu konsultieren.

DPA / Getty Images

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat die Aktionskünstler kritisiert, die in Berlin eine "Gedenkstätte" nach eigenen Angaben mit der Asche von Naziopfern errichtet hatten. Er riet der Gruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS), einen jüdischen Geistlichen zu konsultieren. "Es wäre gut, wenn das ZPS beim Abbau der Installation einen Rabbiner hinzuzöge, um wenigstens dann für die Beachtung der jüdischen Religionsgesetze zu sorgen. Einen entsprechenden Kontakt kann ich gerne vermitteln", sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur. Das ZPS gestand inzwischen ein: "Wir haben einen Fehler gemacht."

Die Gruppe hatte am Montag in Sichtweite des Reichstagsgebäudes eine "Gedenkstätte" errichtet, unter anderem mit einer Stahlsäule, die nach Angaben des ZPS Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält. An der ausgewählten Stelle hatte der Reichstag 1933 mit breiter Mehrheit für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, das der NS-Regierung ermöglichte, den Rechtsstaat auszuhebeln und ihre Diktatur aufzubauen.

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Falls tatsächlich Asche jüdischer NS-Opfer verwendet worden sei, hätten die Aktionskünstler nicht zu Ende gedacht, so Klein. "Es ist erschütternd, dass heutzutage Künstler meinen, zu solch drastischen Mitteln greifen zu müssen, um auf gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. Durch das bewusste oder unbewusste Verletzen religiöser Gesetze von Minderheiten tragen sie zur Verrohung der Gesellschaft bei, vor der sie ja eigentlich warnen wollen." Im Judentum ist die Feuerbestattung, also das Verbrennen eines Körpers zu Asche, grundsätzlich verboten – ebenso wie im Islam.

ZPS entschuldigt sich

Der Zentralrat der Juden hatte die Aktion zuvor als ausschließlich aufmerksamkeitsheischend kritisiert. Ein Treffen mit den Künstlern sagte er laut "Rheinischer Post" ab.

Nach den zahlreichen kritischen Stimmen entschuldigte sich das "Zentrum" am Mittwochnachmittag für die Aktion. Nichts habe ihnen ferner gelegen, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen, teilten die ZPS-Aktivisten auf ihrer Website mit. "Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben", heißt es dort. "Wir möchten insbesondere auch die jüdischen Institutionen, Verbände oder Einzelpersonen um Entschuldigung bitten, die durch unsere Arbeit die Totenruhe nach jüdischem Religionsrecht gestört oder angetastet sehen." Als erste Konsequenz werde das Kernstück der Säule im Regierungsviertel verhüllt, um dem Eindruck der "Zurschaustellung" zu begegnen. Ein für Samstag angekündigter "Zapfenstreich" wurde angesagt.

"Zentrum für politische Schönheit" bekannt durch Aktion gegen Björn Höcke

Das "Zentrum für politische Schönheit" ist eine Gruppe um Philipp Ruch, die in der Vergangenheit immer wieder durch provokante Aktionen Aufmerksamkeit erregte. Eine der bekanntesten dürfte jene des Jahres 2017 sein. Ruchs Gruppe stellte damals ein "Holocaust-Mahnmal" vor dem Haus des AfD-Politikers Björn Höcke auf und sprach davon, den Politiker überwachen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelte damals gegen das Künstlerkollektiv wegen "Bildung einer kriminellen Vereinigung"

anb / dho / DPA