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Drehkreuz des US-Militärs: Guam im Visier: Warum Nordkorea der Pazifikinsel mit einem Militärschlag droht

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un könnte vermutlich Los Angeles oder Chicago angreifen - im Visier hat er allerdings Guam. Die Pazifikinsel ist ein strategisch wichtiger Knotenpunkt des US-Militärs. 

Mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es noch nicht gesehen hat" werde Donald Trump der koreanischen Halbinsel begegnen, sollte Machthaber Kim Jong Un seine Drohungen fortsetzen. Es ist die bisher deutlichste Ansage des US-Präsidenten im Konflikt mit Nordkorea - eine militärische Auseinandersetzung wird immer wahrscheinlicher. Die Antwort aus Pjöngjang: Man ziehe einen Angriff "ernsthaft in Erwägung" - auf die Insel . Analysten zufolge könnte Nordkorea mit seinen Raketen bereits Alaska, Los Angeles und Chicago erreichen. Im Visier ist aber ein 500 Quadratkilometer kleines Außengebiet der USA mit rund 162.000 Einwohnern. 

Warum Guam?

"Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt die Säbel rasseln, ist Guam auch im Gespräch", winkt Robert F. Underwood gegenüber der "Washington Post" ab. Dass Kim Jong Un ausgerechnet die Insel im westpazifischen Ozean im Visier habe, sei für die Einwohner keine Überraschung. "Wenn du von Guam kommst und dort lebst sind solche Situationen beunruhigend, aber nicht unüblich", fügt der Präsident der Universität Guam unaufgeregt hinzu.

Guam im Visier: Warum Nordkorea der Pazifikinsel mit einem Militärschlag droht

Auf der Pazifikinsel Guam finden auch Militärübungen statt (Foto) - Grund dafür sind die Drohungen Nordkoreas.

Guam: Drehkreuz des US-Militärs

Ein Grund dafür ist die geographische Lage der Insel. Guam liegt etwa 2600 Kilometer von den Militärverbündeten Japan und knapp 3000 Kilometer von Südkorea entfernt - und nur rund 3400 Kilometer von Nordkorea. Rund ein Drittel der Insel wird von der Navy und Airforce eingenommen, etwa 6000 US-Soldaten befinden sich auf der Insel, die Militärbasen nehmen insgesamt rund 16.000 Hektar ein. Darüber hinaus ist der Hafen Apra der Marinestützpunkt für Atom-U-Boote. Der geographisch attraktive und hochgerüstete Militärknotenpunkt wird daher auch immer wieder zur Demonstration von Bündnisstärke genutzt. Seien es gemeinsame Drohmanöver der Luftwaffen oder schlichtweg das Aufzeigen von militärischer Präsenz in unmittelbarer Nähe zu Nordkorea. 

Daher nehmen die von der Nachrichtenagentur KCNA zitierten nordkoreanischen Drohungen auch direkt Bezug auf die US-Luftwaffenbasis Anderson auf Guam, von der die Vereinigten Staaten immer wieder strategische Bomber des Typs B-1 zu Militärmanövern in Richtung koreanische Halbinsel entsendet haben. Erwogen wird demnach ein Angriff mit ballistischen Raketen des Typs Hwasong-12, um die US-Streitkräfte auf Guam und ihre dort stationierten Bomber in Schach zu halten, schließlich sei die Insel der potenzielle "Ausgangspunkt für eine Invasion in ", heißt es. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Nordkorea trifft mit Guam nicht nur die USA, sondern indirekt auch das Bündnis.

Guam wurde von Japan erobert

Auch historisch kommt der Pazifikinsel eine große Bedeutung zu. Das Drehkreuz des US-Militärs wurde mehr als 300 Jahre von Spanien kontrolliert, bis es 1898 von US-Truppen erobert und zum Außengebiet der erklärt wurde. Guam ist nichtinkorporiertes Territorium der USA - die Bewohner sind amerikanische Staatsbürger, haben bei den Präsidentschaftswahlen aber kein Stimmrecht. 

Am 8. Dezember 1941, also kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor (Hawaii), wurde Guam von Japan überfallen. Bis Juli 1944 blieb die Insel unter japanischer Herrschaft, bevor sich die US-Armee nach fast drei Wochen erbitterten Widerstand das Gebiet zurückeroberte.

"Auf alle Eventualitäten vorbereitet"

Guams Gouverneur Eddie Calvo reagierte gelassen auf die Warnung Nordkoreas vor einem Raketenangriff auf den US-Außenposten. Guam sei "auf alle Eventualitäten vorbereitet", sagte er in einer Fernsehansprache. Die Pazifikinsel arbeite eng mit der Regierung in zusammen, "um unsere Sicherheit zu gewährleisten". Zum Schutz der Insel seien dort "mehrere Verteidigungsebenen" installiert.

"Wir pflegen immer ein hohes Maß an Bereitschaft und haben die Kapazitäten jegliche Gefahr zu kontern, auch die von Nordkorea", zitiert die "Washington Post" Johnny Michael, Sprecher von US-Verteidigungsminister Jim Mattis. "Guam war schon immer ein zentraler Teil unseres Plans. Zweifellos ein zentraler Teil der Navy aber nun auch ein zentraler Teil der gesamten Verteidigungspläne."

Mit Material der AFP