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Interview bei TV Berlin Hans-Georg Maaßen will Tagesschau-Journalisten überprüfen lassen – ohne Belege

Interview bei TV Berlin: Hans-Georg Maaßen will Tagesschau-Journalisten überprüfen lassen – ohne Belege
Sehen Sie im Video: CDU distanziert sich von Maaßens Journalistenkritik – "Keine Zweifel an Pressefreiheit".




O-Ton Paul Ziemiak (CDU), Generalsekretär: "Die Pressefreiheit, übrigens auch die Freiheit des Rundfunks haben Verfassungsrang. Das ist für uns eindeutig und da gibt es auch keinen Zweifel. Wir brauchen unabhängigen Journalismus in Deutschland. Das passiert durch private Anbieter, aber natürlich auch durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das ist ganz essenziell für die Funktionalität einer Demokratie. Und diese Meinung ist die eindeutige Meinung, ohne Ausnahme auch, der Führungsgremien der CDU in der Breite, übrigens nicht nur in Präsidium und Bundesvorstand, sondern auch in der Bundestagsfraktion und auch in den Landesverbänden. Herr Maaßen ist ja gestern zurückgerudert von seinen Äußerungen und hat sich auch nochmal zu diesem Verfassungsrang der unabhängigen Presse, der Pressefreiheit bekannt. Das ist auch wichtig und notwendig und deswegen sind wir in dieser Frage als CDU eindeutig und waren es schon immer und werden es immer bleiben, wenn es um die Freiheit der Presse in Deutschland geht."
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CDU-Kandidat Maaßen behauptet, dass Journalist:innen der ARD Kontakte zur linksextremen Szene haben soll. Namen nannte er nicht, Belege kann der ehemalige Bundesverfassungschutzchef auch nicht vorlegen.

Der CDU-Bundestagskandidat und ehemalige Bundesverfassungsschutzchef fordert eine Überprüfung von ARD-Journalist:innen, genauer gesagt von Redakteur:innen der Tagesschau. In einem Interview mit dem Privatsender TV Berlin sagt er wörtlich: "Wenn man sieht, dass es da auch Verbindungen gibt, zwischen Personen, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten und die Tagesschau arbeiten, und der linken und linksextremen Szene, dann wäre das wirklich auch eine Untersuchung wert." Auf Nachfrage des Journalisten, ob Maaßen denn irgendwelche Belege für seine Behauptung habe, konnte der CDU-Politiker keine Antworten liefern. 

Maaßen sehe keine ausgewogene Berichterstattung

Maaßen sehe nicht mehr die Ausgewogenheit der Berichterstattung, wenn es ums Politische gehe. Er warf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen "klaren Linksdrall" vor und sprach von "Manipulation der veröffentlichten Meinung", er sehe dort keine ausgewogene Berichterstattung. Er schlägt daher vor, dass der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der die Tagesschau verantwortet, einen Untersuchungsausschuss in den Bundesländern installieren soll. Dieser solle "die Biografie von einigen Redakteuren mal auf den Prüfstand" stellen, "ob diese Leute auch charakterliche Eigenschaft haben, die Tagesschau durch Redaktion zu begleiten", empfiehlt Maaßen. 

Hans Georg-Maaßen
Hans Georg-Maaßen fordert Überprüfung von Tagesschau-Redakteur:innen
© Michael Reichel / DPA

Für seine Äußerungen hagelte es Kritik in den sozialen Netzwerken. Der NDR-Journalist Patrick Gensing schrieb auf Twitter: "Die autoritären Fantasien, freie Medien kontrollieren zu können, äußern sich mal in abstrusen Ideen, mal in aggressiven Attacken und Beleidigung. Mit #Pressefreiheit hat das auf jeden Fall wenig zu tun." Auch der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands, Frank Überall, zeigte sich verwundert, über die Äußerungen von Maaßen. Er schrieb in einem Tweet: "Journalist/innen mit „Verbindungen zur linksextremen Szene“ in der @tagesschau-Redaktion? Was für verhaltensoriginelle Aussagen, Herr @HGMaassen! Oder haben Sie dafür Belege?"

Vertrauen in die Medien gestiegen

Von den Vorwürfen des CDU-Politikers abgesehen, ist das Vertrauen der Menschen in die Medien wieder gestiegen. Das fand die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in der Langzeitstudie "Medienvertrauen" heraus. Zu Ende des Jahres 2020 gaben 56 Prozent der Befragten an, wenn es um wirklich wichtige Dinge wie etwa Umweltproblemen, Gesundheitsgefahren, politischen Skandalen und Krisen gehe, könne man den Medien vertrauen. 2015 lag dieser Wert noch bei 28 Prozent. Das Vertrauen war vor allem in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit 70 Prozent am größten.

dsw

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