VG-Wort Pixel

Podcast "heute wichtig" Proteste im Iran: “Die Menschen wollen Freiheit oder sie wählen den Tod”

Protest Iran heute wichtig
Solidaritätsdemo für de Proteste im Iran in Barcelona.
© Pau Barrena / AFP
"Das sind junge Leute, die haben keinen Anführer, die wollen nur die wesentlichen Dinge", sagt Mahsa in "heute wichtig" über die Proteste im Iran. Die 28-jährige Iranerin spricht über das System, das ihr zuwider ist und über die Angst, die immer wiederkehrt.

Jin, Jiyan, Azadi – Frauen, Leben, Freiheit – das sind die Worte, die die Menschen rufen auf ihren Protesten gegen das iranische Regime. Seit dem Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini am 13. September demonstrieren im Iran Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung. Mahsa Amini war in Teheran wegen ihres "unislamischen Outfits" von der Sittenpolizei festgenommen worden und starb drei Tage später unter ungeklärten Umständen. Seitdem solidarisieren sich Menschen weltweit mit den Protesten - auch in Deutschland.  

Iran: "Es ist ein weiblicher Protest gewesen" 

"Es war so stark und mutig von diesen Frauen auf die Straße zu gehen und in einem Kampf um Leben und Tod, die Freiheit zu wählen", sagt Mahsa, deren Nachnamen wir hier nicht nennen wollen, im "heute wichtig"-Podcast. "Es ist ein weiblicher Protest gewesen.” Die Frauen sind es, die im Zentrum der Proteste stehen, die ihre Kopftücher herunterreißen, sich die Haare abschneiden, aber jetzt, sagt sie, sind es auch die Männer, die den Protest unterstützen.  

Mahsa ist vor sechs Jahren aus dem Iran nach Berlin geflohen. Sie lebt heute mit einer Frau zusammen. "Ich liebe den Iran, aber das Regime hat uns krank gemacht", sagt sie. Mahsa trauert um ihr Land, würde gerne wieder zurückkehren, nur wäre ihr die Verhaftung dort sicher. "Ich habe alles verloren", sagt sie. Ihre Familie ist immer noch in der Heimat – in Kontakt zu treten ist gefährlich, die Angst allgegenwärtig. "Ich bin die Einzige, die weggerannt ist", erzählt sie. Nun wisse sie nicht, was sie ihren Freund:innen im Iran sagen soll: "Geht zu den Protesten oder bleibt daheim." Denn die Kommunikation ist durch die Internetsperre erheblich erschwert: "Das ist ein großes Problem, dass wir gar nicht genau wissen, was da los ist."

Die allgegenwärtige Angst: "Die Leute haben es jetzt satt" 

Ihre Familie und Freund:innen dann zu sehen, fällt der jungen Frau schwer: "Ich muss jeden Tag weinen vor ihnen. Es macht mich fertig, dass ich nichts machen kann." Auch umgekehrt hätten ihre Eltern große Sorge um sie – denn Mahsa zeigt ihr Gesicht in den Medien, geht auf Solidaritätsbekundungen. Und sie sagt selbst: "Ich habe immer noch Angst, dass mir hier jemand etwas tut."  

 

Aber es ist auch diese Angst, die Mahsa im Iran nicht mehr ausgehalten hat. Nur zu Hause habe sie so sein können, wie sie ist. "Ich war in der Schule immer die Einzige, die anders war. Ich wollte nicht beten, ich habe mich unter dem Tisch versteckt." Das System habe ihnen allen jegliche Freude genommen, sagt Mahsa. "Ich konnte nicht feiern, nicht tanzen, nicht singen." Es sei nicht nur der Hijab, gegen den die jungen Leute protestieren, sondern das ganze Regime. "Die Leute haben es jetzt satt. Die wollen Freiheit oder sie wählen den Tod." 

Ihr Abo für "heute wichtig"

Verpassen Sie auch sonst keine Folge von "heute wichtig" und abonnieren Sie unseren Podcast bei: Audio Now,Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Castbox oder in ihrer Lieblings-Podcast-App. Bei inhaltlichen Fragen oder Anregungen schreiben Sie uns an heutewichtig@stern.de

Mehr zum Thema

Newsticker