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Podcast "heute wichtig" Was die Proteste im Iran mit der kurdischen Frauenbewegung zu tun haben

Proteste im Iran
Seit mehr als zwei Monaten protestieren die Menschen im Iran gegen das Regime
© Onur Dogman / SOPA Images via ZUMA Press Wire / DPA
Journalist Hubi Koch ist nach Syrien gereist, um sich dort einen Überblick über die Auswirkungen von Erdogans Drohnenkrieg gegenüber den Kurdinnen und Kurden zu verschaffen. Wie ist die Situation jetzt? Und welche Rolle spielt die kurdische Frauenbewegung bei den iranischen Protesten?

Seit dem Jahr 2000 regiert Diktator Baschar al-Assad Syrien. Zuletzt wurde er 2021 in einer vierten Amtszeit wiedergewählt – eine Wahl, die von der Opposition als "Farce" bezeichnet wurde. Doch es gibt eine autonome Region in Nord- und Ostasien, die vornehmlich kurdisch verwaltet ist, und ein Teil davon liegt auch in Syrien. In genau diese Region ist Journalist Hubertus Koch, bekannt als Hubi Koch, gefahren. Im Gespräch mit Moderator Michel Abdollahi spricht er in der 388. Folge des Podcast "heute wichtig" über seine Eindrücke eines Landes, "was de facto aus Sicht der Vereinten Nationen kein Land ist".

"Das Schicksal der Kurden in Syrien liegt in der Hand von Erdogan"

Hubi Koch war bereits 2014 in Syrien, um über die Lage vor Ort zu berichten. Dieses Mal reiste er nach Rojava, eine kurdische, autonome Verwaltungszone. Dort spüre man eine große Veränderung, berichtet er. Rojava habe mit dem syrischen Staat nur partiell zu tun: "Da gibt es eigene Gerichte, eigene Gerichtsbarkeiten, eigene Gesetze, eigene Grenzübergänge, die selbstverwaltet sind."

Einzig offizielle Ämter und einige wenige Viertel existierten unter dem Assad-Regime, erklärt Koch, ansonsten sei man dort gänzlich im kurdischen Leben unterwegs. Was als eine Art syrischer Bürgerkrieg begonnen hat, hat sich seit Kriegsbeginn 2011 verändert, sagt er: "Der Krieg hat sich ein bisschen verlagert und ist jetzt mehr auf Erdogan und die Kurden zu verstehen und nicht mehr auf Assad gegen die Revolutionäre." Das ist ein Problem, denn militärisch sei die Türkei den Kurdinnen und Kurden haushoch überlegen.

Die Proteste im Iran kommen aus der kurdischen Frauenrechtsbewegung

Eine besondere Stellung in der kurdischen Gesellschaft hat die Frauenrechtsbewegung, so Hubi Koch: "Keine Gesellschaft ist frei, solange die Frau nicht frei ist." Dieses Motto hat den Aufbau der kurdischen Zone geprägt. Deshalb haben Frauen in der Gesellschaft die gleiche Stellung wie Männer: "Die großen Positionen sind eigentlich alle doppelt besetzt. Man hat auch im öffentlichen und offiziellen Leben bei den Ämtern sehr viel mit Frauen zu tun." Die kurdische Freiheitsbewegung und das Frauenrecht seien nicht voneinander zu trennen.

Auch Jina Mahsa Amini, die im Iran getötete 21-Jährige, war Kurdin: "Ihr Tod war quasi der Beginn der Proteste im Iran und mündet jetzt augenscheinlich in eine Revolution", so sein Eindruck. Denn "mittlerweile geht es um mehr als Frauenrechte".

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cl

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