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"heute wichtig" Antonia Rados: "Kriegsberichterstattung kann man nicht Facebook überlassen"

Die RTL-Krisenberichterstatterin Antonia Rados macht Platz für die jüngere Journalistengeneration
Die RTL-Krisenberichterstatterin Antonia Rados macht Platz für die jüngere Journalistengeneration
© NDR / Action Press
Seit 40 Jahren ist Kriegsreporterin Antonia Rados im Geschäft – und findet es jetzt richtig, Platz für die jüngere Generation zu machen. Ein Gespräch über Interviews mit Diktatoren und wie sich Krisen und die Berichterstattung darüber verändert haben.

Vor einem knappen Jahr haben die Taliban Afghanistan übernommen. Die US- und Nato-Truppen waren gerade dabei, sich aus dem Land zurückzuziehen. Dann haben die Taliban die afghanische Armee nahezu überrannt. Besonders die Bilder von fliehenden Menschen, die sich an rettende Flugzeuge geklammert haben, haben sich bei vielen ins Gedächtnis eingebrannt. Antonia Rados hat Krisen wie diese über 40 Jahre begleitet. Die RTL-Auslandskorrespondentin und langjährige Kriegsreporterin war immer in Ländern wie Afghanistan, Somalia oder Iran unterwegs und sagt in der 324. Folge von "heute wichtig": "Für die Opfer ist es dasselbe, ob man in Afghanistan oder der Ukraine ist".

Antonia Rados: "Kriegsberichterstattung nicht Facebook überlassen" 

Heute ist die Berichterstattung über Kriege aber anders als damals. Besonders auf sozialen Medien wird man mit Informationen geradezu überflutet, sagt Antonia Rados: "Wir erfahren sehr viel, sehr schnell, ohne Zusammenhang, das war natürlich vor 40 Jahren nicht so." Der Vorteil: Man bekommt Informationen aus erster Hand. Doch das Problem ist die Unsicherheit: Sind diese Informationen auch verlässlich? Rados hat diese verlässlichen Informationen über Jahrzehnte geliefert und findet, man dürfe insbesondere die Kriegsberichterstattung nicht Algorithmen von Monopolen wie Facebook überlassen: "Wenn Facebook, Twitter und Co sich daran halten müssten, dass stimmen muss, was auf der Plattform gepostet wird, [...] dann würden wir uns alle etwas wohler fühlen." 

Was wäre, wenn al-Gaddafi damals Twitter gehabt hätte? 

Egal ob Kriegspartei, Diktator oder große Tech-Konzerne – anders als früher würden sich viele nicht mehr an bestehende Regeln halten, findet die Journalistin. Diese Regellosigkeit hat sie auch in persönlichen Gesprächen erlebt. 2011 hat sie den damaligen lybischen Machthaber Muammar al-Gaddafi interviewt: "Ich glaube bei Gaddafi, aber auch bei anderen Interviewpartnern hatte ich immer das Gefühl, dass der Kreis um ihn herum sehr eingeschüchtert war." Das sei ihr nicht nur in Libyen, sondern auch im Iran oder in der Türkei aufgefallen: "Es gab immer einen Kreis von Ja-Sagern um ihn herum."  

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Doch bei aller Kritik an diesen Personen habe sich Rados bei ihren Berichten immer gefragt, ob sie alle Perspektiven dargestellt habe. Eine Frage, die sich ein Algorithmus wie bei Facebook kaum stellen wird. Doch Nachrichten seien kein Hobby und Fakten müsse man sich erarbeiten, so Antonia Rados: "Es gibt da diesen Spruch: 'Jeder hat Anspruch auf seine Meinung aber nicht auf seine eigenen Fakten'. Das ist sehr richtig.

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tkr

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