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Podcast "heute wichtig" Atomkraftwerk Saporischschja zwischen den Fronten: "Auch die ukrainische Regierung dreht an der Angstspirale mit"

Das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine
"Dass Bewaffnete die Anlage kontrollieren und Druck auf die Belegschaft ausüben ist völlig unhaltbar", sagt Anna Veronika Wendland, Technik- und Osteuropa-Historikerin. 
© Fredrik Dahl / AFP
Die Lage am Atomkraftwerk in Saporischschja ist besorgniserregend, analysieren die Experten der Internationalen Atomenergieagentur. Dass sie aber vor Ort sind, ist immerhin ein gutes Zeichen, findet die Technik- und Osteuropa-Historikerin Anna Veronika Wendland. 

Bereits seit Mitte März besetzen russische Truppen das Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine. Angesichts dieser Situation sorgen sich Beobachter:innen von außen vor einem möglichen Atomunfall. Anna Veronika Wendland hat bereits in einem baugleichen AKW in der Ukraine gearbeitet und bringt es in der 357. Folge des Podcast "heute wichtig" auf den Punkt: "Die Lage in Saporischschja ist sehr ernst."  

Saporischschja: Experten der Internationalen Atomenergieagentur sollen auf dem Gelände bleiben 

Dieser Meinung sind auch die Experten der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), die sich seit kurzem auf dem Gelände befinden und am Dienstag ihren Bericht veröffentlicht haben. Sie berichten von einer besorgniserregenden Situation und von Panzern innerhalb des AKWs. Das seien unhaltbare Zustände, so Wendland. Schießgerät und Munition habe in solchen Anlagen nichts zu suchen. Auch bereitet ihr der psychische Druck Sorgen, dem die ukrainischen Angestellten ausgesetzt sind: "Verschiedentlich ist bekannt geworden, dass Mitglieder der Belegschaft verschwunden sind oder verhaftet wurden. Es wird wirklich Terror ausgeübt. Es gibt auch Gerüchte über Folterungen beim Personal." Diese Umstände, wenn sie auch zum Teil auf Gerüchten basieren, sorgen in jedem Fall nicht für einen reibungslosen Ablauf, weiß Wendland auch durch ihre eigenen Erfahrungen: "Die Belegschaft wird zur Schicht gehen und ihre Blöcke nach bestem Wissen und Gewissen betreuen. Aber sie haben ungeheuren Druck und Angst um ihre Angehörigen, um sich selbst und auch um die Anlage." Dabei können Fehler nicht nur für die Ukraine schwerwiegend sein. 

"Auch die Kommunikation der ukrainischen Regierung dreht an der Angstspirale mit"  

Die Historikerin ging früher selbst gegen Atomkraft auf die Straße, heute ist sie eine ihrer prominenteren Fürsprecherinnen. Aus ihrer Sicht braucht es die Atomkraft für die Klimawende, wie sie im Gespräch mit "heute wichtig" sagt. Putin setze auf die deutsche Atomangst, sagt Wendland – Angst als Kriegsmittel. Dabei mache allerdings auch die ukrainische Regierung mit, findet Wendland, deren Mann ursprünglich aus Kiew stammt. Doch der Betrieb sei, wenn auch massiv heruntergefahren, noch regulär: "Es gibt noch viele Barrieren, die zwischen der Anlage und einem großen Unfall stehen. Aber die gesamte Situation, in der die Anlage ist, ist unhaltbar und hoch gefährlich. Denn diese Situation kann kippen, wenn bestimmte Bausteine aus dem Sicherheitskonstrukt rausgezogen werden." Auch deshalb fordert der IAEA-Chef Rafael Grossi eine Schutzzone rund um das AKW. 

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

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rw

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