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Podcast "heute wichtig" "Er wirkt auf mich relativ unglücklich": stern-Reporterin über die Begegnung mit Attila Hildmann

Attila Hildmann, Alexander Brehm von den "Hildbusters" und stern-Journalistin Tina Kaiser
Der stern spürte den mit internationalem Haftbefehl gesuchten Antisemiten Attila Hildmann gemeinsam mit einer Gruppe Hobbydetektive, den "Hildbusters", nahe Istanbul auf. Von links: Attila Hildmann, Alexander Brehm von den "Hildbusters" und stern-Journalistin Tina Kaiser
© Murat Bay / stern
Im "heute wichtig"-Podcast berichtet stern-Autorin Tina Kaiser von ihrer aufwändigen und nicht ungefährlichen Suche nach Attila Hildmann – und wie sie am Ende vor einem einsamen Mann steht, der nichts dazugelernt hat.  

"Insgesamt wirkt er auf mich relativ unglücklich, vielleicht auch einsam. Er wohnt in einem fremden Land, kann die Sprache nicht", sagt stern-Autorin Tina Kaiser in der 390. Folge des Podcasts "heute wichtig". Über Monate hat die Journalistin recherchiert, Spuren verfolgt und ist undercover in Telegram-Chats eingestiegen: "Hildmann hat in seinen öffentlichen Kanälen so ab Juni für eine exklusive Unterstützergruppe geworben. Das Versprechen war, wer ihm Geld spendet oder seine vegane Bolognese kauft, und einen Gesinnungstest besteht, der wird in diese Gruppe reingelassen. Das hat in meinem Fall geklappt und so kriegte ich einen Einladungslink von ihm und gelangte so in die "Wolfsschanze", so hat er diese Gruppe zu der Zeit genannt. […] Wie der Name klingt, so gings da eben auch zu, es ist eine Ansammlung von richtig strammen Nazis und Antisemiten, die Hitler verehren und sich auf irgendeine Art von Kampf vorbereiten und Attila Hildmann als eine Art Nachfolger von Adolf Hitler sehen", so Kaiser bei "heute wichtig".  

Die erste heiße Spur auf der Suche nach Hildmann

Die Journalistin hat selbst recherchiert und auch die Hobby-Detektive "Hildbusters" begleitet. Sie haben jedes einzelne Bild ausgewertet und abgeglichen. Sie haben über Monate verschiedene Orte virtuell abgesucht. "Was die "Wolfsschanze" mir und anderen gebracht hat, das war der Durchbruch auf der Suche nach Hildmann. Er hat dort sehr viel freimütiger private Videos und Fotos geteilt, unter anderem auch ein Video von einem Tierarzt und das hat uns letztlich zu ihm geführt", sagt Kaiser.  

Das Aufeinandertreffen mit Attila Hildmann

Tina Kaiser vom stern, ein RTL-Team und ein Vertreter der "Hildbusters" haben sich schließlich genau überlegt, wie sie Hildmann konfrontieren wollen. Da es Hinweise gab, dass er bewaffnet sein könnte, haben sie gewartet, bis er mit seinem Hund Gassi geht. Und dann standen sie auf einmal vor ihm. Kaiser beschreibt den Moment so: "Er war zwar nicht begeistert uns zu sehen, aber er hat relativ zügig auf so eine Art Autopilot umgestellt und angefangen den gleichen – Entschuldigung – Müll zu verbreiten, also den gleichen Judenhass, den er den lieben langen Tag bei Telegramm verzapft. Die Juden sind schuld an Corona, die Juden haben den Ukraine-Krieg erfunden, um Deutschland zu deindustrialisieren, die Juden seien auch schuld an Hildmanns eigener trauriger Existenz." 

Mögliche Auslieferung nach Deutschland  

Nach der exklusiven stern-Recherche in Zusammenarbeit mit RTL, könnte nun Bewegung in die Sache kommen. Denn wie die "Berliner Zeitung" berichtet, sollen sich die Behörden in der Hauptstadt wohl um eine Auslieferung Hildmanns bemühen. Eingebunden seien dabei das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Justiz, das Auswärtige Amt sowie die türkischen Behörden. Ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft wollte zu dem Verfahren "aus ermittlungstaktischen Gründen" nichts sagen. Entscheidend für eine erfolgreiche Auslieferung ist die Höhe einer möglichen Strafe. Aktuell werden ihm 80 Straftaten vorgeworfen. 

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Attila Hildmann Porträt

Sehen Sie im Video: Gemeinsam mit den Hobbydetektiven von "Hildbusters" hat der stern monatelang recherchiert – und schließlich Deutschlands gefährlichsten Antisemiten Attila Hildmann in der Türkei aufgespürt. Wie genau die Jagd nach dem Telegram-Hetzer ablief, berichtet stern-Reporterin Tina Kaiser im Video.

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