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Podcast "heute wichtig" "Was im Iran passiert, ist eine Revolution": Düzen Tekkal über die Proteste um Leben und Tod

Iran-Kennerin Düzen Tekkal
Iran-Kennerin Düzen Tekkal über das Dilemma junger Menschen: "Schieß mir doch in den Kopf, so will ich sowieso nicht weiterleben!"
© Richard Pflaume
Was passiert da gerade im Iran? Die Menschenrechtsaktivistin und Iran-Kennerin Düzen Tekkal beschreibt es ganz einfach: "Es findet eine Revolution statt." Es geht dort um Leben und Tod. Und wir können auch in Deutschland etwas tun.  

"Wir haben bisher 300 Todesopfer, die Dunkelziffer ist weit höher. Darunter 50 Kinder, das jüngste Opfer ist elf Jahre alt. Es sind 14.000 Protestierende festgenommen worden, das ist eine deutsche Kleinstadt und es finden Schauprozesse statt zur Primetime im Propaganda-Fernsehen. Und was passiert am nächsten Tag? Die Menschen gehen wieder und wieder und wieder auf die Straße. Was ist das, wenn das keine Revolution ist?", sagt Düzen Tekkal in der 401. Folge des Podcasts "heute wichtig". 

Das brutale Regime im Iran wird sichtbar

In den vergangenen Jahrzehnten haben viele Iraner:innen im Land und auch die im Exil lebenden geschwiegen, weil viele Angst hatten vor der Geheimpolizei. Das Regime bringt nicht erst seit Kurzem Menschen um, wie Düzen Tekkal im Gespräch mit Michel Abdollahi sagt: "Im Iran wurde die letzten 43 Jahre gemordet, es gab Hinrichtungen, Leute wurden gehängt, es gibt Frauenrechtsverletzungen – aber was hat uns das interessiert? Gar nicht! Das was neu ist, dass wir mit den mutigen Bildern, die uns die Menschen auf den Straßen unter Einsatz ihres Lebens drehen, konfrontiert werden und wir als Aktivisten von Tag eins diesen Prozess auch unterstützt haben und es geht um eine neue Form von Hörbarkeit, von Sichtbarkeit, mit der wir auch in den deutschen Wohnzimmern konfrontiert werden. Und wo sich glücklicherweise auch Widerstand regt, seitens der Zivilgesellschaft, während die Bundesregierung immer noch viel zu leise ist." 

 

Forderungen nach der Schließung von Botschaften

Auch hier in Deutschland sind Exil-Iraner:innen nicht sicher vor dem Regime. "Die Menschen aus dem Iran sagen, wir brauchen eure Hilfe nicht. Aber: be our voice, stellt euch uns nicht in den Weg. Übt Druck aus, auch auf eure Politiker. Sorgt dafür, dass diese Botschaften geschlossen werden, die wir als Spionage-Botschaften wahrnehmen. Die Exil-Iraner haben Angst vor ihren eigenen Botschaften. Die werden angegriffen und zusammengeschlagen, wenn sie demonstrieren gehen, in Deutschland, nicht im Iran. Das zeigt, wie gefährlich dieses Mullah-Regime ist", so Tekkal bei "heute wichtig".  

"Schieß mir doch in den Kopf!"  

Gerade auch Jugendliche setzen sich der Gefahr aus, verhaftet, gefoltert und schließlich auch getötet zu werden. Alles, damit das Regime gestürzt wird. Aber nur durch diese mutigen Menschen bekommen wir überhaupt einen kleinen Eindruck davon, was auf den Straßen gerade los ist. Aber die Journalistin Düzen Tekkal beschreibt auch ein Dilemma, in dem sich gerade auch die jungen Menschen befinden: "Viele sagen, wir befinden uns sowieso schon in einem Gefängnis, so in dieser Lebensqualität geht’s eh nicht mehr weiter, deswegen entstehen dann diese Bilder, die uns um den Schlaf bringen, dass sich junge Frauen auf die Straße stellen und sagen: Schieß mir doch in den Kopf, weil so will ich sowieso nicht weiterleben!" 

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